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Björn Hombergs hat in Uenzen eine Wildnis- und Survivalschule gegründet
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Wie man in der Natur überlebt

Karin Neukirchen-Stratmann 10.02.2016 0 Kommentare

Wildnisschule Uenzen
Er hat Feuer gemacht: Wie einst Tom Hanks im Film „Cast Away“ macht Björn Hombergs in seiner neu eröffneten Wildnisschule in Uenzen Feuer ohne Feuerzeug. (Udo Meissner)

Björn Hombergs sieht aus, wie man sich einen kanadischen Holzfäller vorstellt: groß gewachsen, mit Bart, ein Naturbursche eben. Und genau das, die Natur, ist sein Steckenpferd, seine Leidenschaft, die er sich auch zum Beruf gemacht hat. Im Uenzer Ortsteil Bökenbraken hat er Ende vergangenen Jahres die Wildnis- und Survivalschule Schattenwolf gegründet.

Wildnis? In Deutschland? „Ja, wir haben hier gar keine Wildnis mehr, das ist ein Begriff, der aus Amerika kommt“, erklärt der studierte Biologielehrer. Ihm geht es darum, den Menschen – Erwachsenen wie Kindern – die Natur zu erklären, wahrzunehmen, sich darin zurechtzufinden. Während des Biologiestudiums war schnell klar: „Das ist mir zu naturwissenschaftlich. Ich wollte eigentlich Verhaltensforscher werden, Bären erforschen. Schon in der ersten Vorlesung an der Uni erklärte uns der Professor, dass es solche Leute, die mit Gummistiefeln hinter Bären herstapfen, nicht mehr gibt.“ Zu mikrobiologisch seien ihm die Studieninhalte gewesen, weshalb er ins Lehramt wechselte – mit Musik als zweitem Studienfach.

Aber auch in diesem Bereich fühlte sich Hombergs nie ganz wohl. „Ich wollte den Kindern gerne etwas in der Natur beibringen.“ Immerhin kam er so an eine Alternativschule, wo er einmal in der Woche einen Waldtag einlegen konnte. „Das war toll.“ Es reichte ihm aber noch immer nicht. „Ich will, wenn die Leute etwas lernen sollen, dass sie das von sich aus tun, nicht weil ich ihnen etwas erzähle.“ So entstand die Idee, sich mit einer Wildnis- und Survivalschule selbstständig zu machen. „Ziel aller Veranstaltungen ist die Anbindung der Teilnehmer an die uns umgebende Natur und das eigene Selbst durch die Vermittlung von Fähigkeiten und Fertigkeiten um in der Natur/Wildnis zu (über-)leben.“ So steht es im Faltblatt über die Schule, und genau das möchte Björn Hombergs vermitteln.

Für Erwachsene bietet er etwa Wochenenden in einem Waldstück in Fahrenhorst an, das einem Freund gehört. Vom Förster gibt es die Genehmigung, sich dort aufzuhalten. Feuer machen ohne Feuerzeug, das ist eine der Punkte, die man zum Überleben in der Wildnis braucht. „Dann geht es auch um Wildpflanzen und deren Verwendung, die Sprache der Vögel als Alarmsystem kennenzulernen“, so der Wildnispädagoge. Die Teilnehmer sollen eine Bindung zur Natur aufbauen, „Wildnis ist dabei der Begriff für alles, was lebt.“ Es sei erstaunlich, wie sich die Menschen alleine nach zwei Tagen ohne PC, Smartphone und E-Mails verhalten würden. Die Naturverbindung fehle vielen heute im Alltag.

„Vieles von dem, was ich den Leuten zeige, haben unsere Großeltern noch erfahren, etwa wie man Feuer macht.“ Die „innere Stimme, die im Alltag immer quasselt, verstummt in der Natur“, versucht Björn Hombergs seinen Teilnehmern zu zeigen. Auch mit Kindern arbeitet der 36-Jährige gerne, sein noch junger Hund Nanuq hilft ihm dabei oft, das Eis zu brechen. „Wenn ich mit den Kindern draußen bin, dann gibt es nie eine einfache Antwort auf eine Frage. Etwa wenn wir eine Fährte vom Fuchs finden. Dann antworte ich nie auf ,Was ist das?’ mit ,Fuchs’, sondern stelle Gegenfragen.“ Wie sieht die Fährte denn aus? Sieht man die Krallen? Welches Tier fährt seine Krallen aus? Und so weiter. Im Idealfall würden die Kinder dann selber irgendwann auf die richtige Antwort kommen. „Selbsterforschendes Lernen, das hat Erfolg“, ist der Pädagoge überzeugt.

Zum Wildnispädagogen hat er sich zusätzlich ausbilden lassen. Derzeit macht er noch einen dreijährigen Lehrgang zum Wildnislehrer. Angebote für Schulen zu Projekttagen, Klassenfahrten, Ferienangebote und für Kindergeburtstage gehören zum Angebot von Björn Hombergs. Den Namen „Schattenwolf“ für seine Schule hat er in einem amerikanischen Buch zum Spurenlesen gefunden. „Dort gab es ein Vorwort von einem Indianer, der zu einer Eliteeinheit in Amerika gehört, die an der Grenze zu Mexiko nach Drogenschmugglern fahnden. Und das anhand des Spurenlesens. Die Einheit heißt ,Shadow Wolves’“. Wie man mit dieser alten Weisheit einen modernen Job machen kann, das habe ihm gefallen.

Zurzeit verbringt Björn Hombergs nicht ganz viel Zeit außerhalb seine Hauses in Uenzen. „Wenn man sich selbstständig macht, sind eben viel PC-Arbeit, Werbung und Gespräche mit Kunden an der Tagesordnung.“ Das alte Haus, ohne Heizung, hole ihn aber immer wieder zurück. Auch seinen Fernseher hat er schon vor Jahren abgeschafft. Zu viel Arbeit im Haus, „das macht mich kirre“. Dann darf sich Mischlingsrüde Nanuq auf einen ausgedehnten Spaziergang freuen. In der Natur.


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