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Die Hüterin der Archivalien
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Das Gedächntis der Samtgemeinde

Dominik Albrecht 25.04.2018 0 Kommentare

Die Hüterin der Geschichte  Bruchhausen-Vilsens: Elisabeth Meyer ist seit 17 Jahren für das Archiv tätig und hat im vergangenen Jahr die Leitung von Karl Sandvoß übernommen.
Die Hüterin der Geschichte  Bruchhausen-Vilsens: Elisabeth Meyer ist seit 17 Jahren für das Archiv tätig und hat im vergangenen Jahr die Leitung von Karl Sandvoß übernommen. (Fotos: Jonas Kako)

Bruchhausen-Vilsen. 149 Minuten täglich. So viel Zeit hat jeder Deutsche im vergangenen Jahr im Schnitt laut dem Statistik-Portal "Statista" im Internet verbracht. Wenn es jedoch um alte Informationen geht, sehr alte Infos gar, ist oft der Gang zum Archiv die einzige Möglichkeit. Was für viele ein altes Daten-Fossil ist, entpuppt sich gerade für Familienforscher und Erbenermittler als wahre Fundgrube. Auch die Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen nennt ein Archiv ihr Eigen. Seit dem vergangenen Jahr unter der Führung von Elisabeth Meyer. Doch an Bord ist sie schon viel länger.

Als Elisabeth Meyer die Tür zum Archiv – oder zum "Gedächtnis der Samtgemeinde", wie es intern liebevoll genannt wird – öffnet, fällt neben dem typischen Geruch nach alten Akten auch die völlige Dunkelheit auf. Sämtliche Rollläden vor den Fenstern sind heruntergelassen. "Licht ist nicht gut für das Papier und die Tinte", sagt Elisabeth Meyer, als sie den Lichtschalter betätigt und die Leuchtstoffröhren mit dem charakteristischen Flackern ihren Dienst beginnen. Ebenfalls problematisch seien die klimatischen Bedingungen. Um die Schwankungen zu minimieren, sind Klimageräte dauerhaft im Magazin und dem Archiv im Einsatz. Im vergangenen Jahr stellte ein Wassereinbruch die Archivleiterin erneut vor Herausforderungen. "Dadurch stieg die Luftfeuchtigkeit in den folgenden Wochen auf fast 80 Prozent", beschreibt sie in dem Jahresbericht von 2017.

300 Regalmeter Geschichte

Das Archiv im Luftkurort vereint sowohl als Kommunal-Archiv Akten der Verwaltung als auch als heimatliches Archiv Privatdokumente. Zum Auftrag des Archivs gehört es des Weiteren, dafür zu sorgen, dass der Zahn der Zeit nicht an den Dokumenten nagt. Um dies zu gewährleisten, werden die Akten bei ihrer Ankunft von ihrem tristen Ordner-Dasein befreit. Denn die Aktenordner bestehen aus Pappe, welche wiederum eine Säure enthält, die das Papier auf Dauer angreift, schildert Elisabeth Meyer. "Aus diesem Grund werden besondere, säurefreie Papp-Ordner von uns verwendet." Darüber hinaus enthalten vor allem Akten aus der Verwaltung diverse Metallteile, die rosten und dadurch zusätzlich die Dokumente schädigen könnten. Darum muss beim "Umbetten", wie das Umsortieren der Akten genannt wird, auch darauf geachtet werden, Büroklammern und Tackernadeln zu entfernen. Knapp 13 000 Archivalien wurden auf diese Weise bearbeitet, dokumentiert und in das 300 Regalmeter umfassende Archiv eingelagert. Aktuell sind rund 180 Meter belegt. Das älteste Dokument im Besitz des Samtgemeindearchivs ist übrigens ein Geldregister aus dem 17. Jahrhundert.

Auch circa 1500 Bücher und Broschüren sind Teil des Fundus'. "Wir sammeln Literatur, die das Gebiet der Samtgemeinde umfasst, gucken aber auch über den Tellerrand hinaus", beschreibt Elisabeth Meyer. Geführt werden nach ihren Worten sowohl Veröffentlichungen, die vom Gebiet zwar weiter weg sind, aber Bruchhausen-Vilsen enthalten, als auch zeitgeschichtliche Werke, die für Schüler oder andere Nutzer interessant sein könnten. Auch Werke, die gar nicht mehr im Handel erhältlich sind, können Nutzer hier entdecken, regt Elisabeth Meyer an und greift exemplarisch zu "Historisch-geographisch-statistische Beschreibung der Grafschaften Hoya und Diepholz" von Heinrich Gade aus den 1970er-Jahren. "Das ist ein Standardwerk, mit dem jeder Forscher arbeitet", weiß die in Schweringen Geborene. Ordentlich Platz nehmen auch die Personenstandsbücher ein, die nach ein paar Drehungen an der Kurbel des Regals zum Vorschein kommen. "Das sind die Aufzeichnungen der Standesämter ab 1874", sagt Meyer mit einem gewissen Stolz in der Stimme. Diese Bücher seien für Familienforscher, aber auch für amtliche Stellen wie Amtsgerichte und Erbenermittler wichtig. Werden Auskünfte erwünscht, stürzt sich Elisabeth Meyer in die Personenstandsbücher und schreibt die gesuchte Information heraus. "Wir kopieren die alten Bücher aus Gründen der Bestandserhaltung nicht mehr. Viele Bücher sind schon sehr verschlissen und würden sich beim Kopieren weiter abnutzen", sagt Meyer.

"Es ist Leben von anderen Menschen. Man bekommt einen Eindruck, wie in der Zeit Sachen bearbeitet wurden und wie das Leben in der früheren Gemeinde war", beschreibt Elisabeth Meyer auf die Frage, was sie an dem Job so sehr reize. Dabei ist sie eigentlich gelernte hauswirtschaftliche Elektroberaterin, wie sie verrät: "Viele Energieversorger hatten damals ihre Kunden zum Einsatz von Strom im Haushalt beraten." Diesen Job machte Meyer acht Jahre, bis es für sie in den Mutterschutz ging. Als die Kids aus dem Gröbsten heraus waren, war Elisabeth Meyer – mittlerweile in Bruchhausen-Vilsen lebend, wo sie vor 25 Jahren hingezogen ist – auf der Suche nach neuen Aufgaben. Dank ihres Faibles für die Geschichte, sprang ihr vor 17 Jahren dann die Anzeige des ehemaligen Archiv-Leiters Karl Sandvoß ins Auge. Dieser suchte Unterstützer für die Dokumentation von Zwangsarbeitern mit Rentenansprüchen. Meyer, die vor allem durch ihre Kenntnisse in der Sütterlinschrift eine große Hilfe war, nahm Kontakt auf. Die Arbeit gefiel, sodass sie auch über die Aushilfe hinaus beim Samtgemeindearchiv blieb. Vor einem Jahr folgte dann die Übergabe des Staffelstabes von Sandvoß. Dieser ist aber noch heute als ehrenamtlicher Helfer erhalten geblieben, ebenso wie Hermann Hamann und Karin Sommer. Elisabeth Meyer freut's: "Ohne sie wäre die Arbeit hier kaum zu schaffen."


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Leserkommentare
heinmueckausbremerhaven am 21.10.2019 20:47
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Bremen99 am 21.10.2019 20:41
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