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Der Mediator

Dominik Albrecht 22.01.2019 0 Kommentare

Der Neue: Carsten Dänekas löste Elisabeth Kruthaup als Direktor des Syker Amtsgerichts ab.
Der Neue: Carsten Dänekas löste Elisabeth Kruthaup als Direktor des Syker Amtsgerichts ab. (Jonas Kako)

Landkreis Diepholz. Beim Betreten des Büros von Carsten Dänekas wird sofort deutlich: Hier fühlt sich jemand pudelwohl. Kein Wunder, ist der frisch gebackene Direktor des Syker Amtgerichts nicht zum ersten Mal hier. Vor ein paar Jahren noch saß er schon einmal in dem Zimmer mit den Massivholz-Möbeln, teilte sich einst jenes Büro als stellvertretender Direktor mit Elisabeth Kruthaup. „Ich kenne 95 Prozent der Belegschaft“, verrät Dänekas und lächelt. Anders als damals hat er nun aber das Büro für sich. Doch bis hierher war es ein weiter Weg, bei dem auch der Name Timm Fregin eine wiederkehrende Rolle spielt. Doch von vorne.

1961 in Lemwerder geboren, zog es Familie Dänekas ein Jahr später nach Syke. Später sollte Carsten Dänekas die Schulen der Hachestadt besuchen und der Fuß- sowie Handballsparte des TuS Sykes beitreten. Die erste Berührung mit dem Amtsgericht machte das Mitglied im Rotary-Club Syke als Schüler des Syker Gymnasiums. „Unsere Klasse hat eine Schöffengerichtsverhandlung besucht“, erinnert sich der neue Direktor. Während der Verhandlung habe es das erste Mal gefunkt zwischen ihm und der Juristerei. Die Verantwortung, über das Schicksal von Menschen zu entscheiden, die spannenden Geschichten, die den Verhandlungen zugrunde liegen und: „Jemand mit einer schwarzen Robe hat schon Eindruck gemacht.“

Dort traf Dänekas auch zum ersten Mal Timm Fregin, der damals den Vorsitz des Schöffengerichts inne hatte und stellvertretender Direktor war. Damals blieb es aber bei einer flüchtigen Bekanntschaft. Mit dem Abitur in der Hand ging es 1981 erst einmal zum 15-monatigen Grundwehrdienst. „Die Zeit konnte ich aber um zwei Monate abkürzen, weil am 1. August 1982 mein erstes Studium in Hildesheim begonnen hat“, sagt Dänekas, der sich für Rechtspflege eingeschrieben hatte. Moment, nicht Jura? Nein, noch nicht. Rechtspflege erschien dem Jungspund zunächst praxisorientierter. „Das Studium war von vornherein durchorganisiert und weniger langwierig als das Jura-Studium. Und für mich war damals sehr attraktiv, dass man als Rechtspfleger eine Art Fachrichter ist, der in seinem Bereich genauso selbstständig arbeitet.“ Weil es das aber nicht gewesen sein sollte, folgte dann aber doch das Jura-Studium in Göttingen. Im Zuge dessen kam Carsten Dänekas 1993 für das Rechtsreferendariat erneut nach Syke zurück. „Zu der Zeit wurde man auch noch beim Strafrichter ausgebildet. Das gibt es heute nicht mehr“, weiß er. Und sein Ausbilder war? Richtig: Timm Fregin.

Mit dem zweiten Examen, mit Prädikat bestanden, bewarb sich Dänekas 1995 beim Oberlandesgericht in Celle, scheiterte aber aufgrund eines Einstellungsstopps. Zur gleichen Zeit verstarb der Seniorchef einer Syker Kanzlei, bei dem Carsten Dänekas neben seinem Studium bereits gejobbt hatte. Mit dieser Verbindung im Hinterkopf meldete sich die Kanzlei bei Dänekas und bot ihm eine Anstellung als Anwalt für Zivilrecht an. „Eigentlich wollte ich ja Richter werden, aber ich hatte da auch die Chance in Syke, wo ich verwurzelt bin, in einem angesehenen Büro tätig zu sein.“ Vier Jahre später erfuhr der Vater von Zwillingen, dass Niedersachsen wieder Richter suchte. Machen wir es kurz: Die Bewerbung ging raus, zum 1. Januar 1999 trat Dänekas sein Richter-Amt in Stade an. Stationen beim Landgericht Verden sowie den Amtsgerichten in Achim und Osterholz-Scharmbeck sollten folgen. Vor 13 Jahren kam Carsten Dänekas wieder nach Syke. „2007 ist Timm Fregin in den Ruhestand gegangen und ich habe mich auf seinen Posten als stellvertretender Direktor beworben und habe sie bekommen“, fährt Carsten Dänekas fort und wirft mit einem seligen Lächeln in den Raum: „Merken Sie, dass ich mit Timm Fregin viel verbindet?“ Der dritte Aufstieg, diesmal zum Direktor des Amtsgerichtes Diepholz, folgte 2016. „Es war interessant, ein anderes Gericht zu sehen. Diepholz ist ein Drittel vom Amtsgericht Sykes und in dem Schloss wundervoll gelegen“, sagt Dänekas. An Syke kam aber nichts vorbei, weshalb Dänekas zum Ende des vergangenen Jahres Elisabeth Kruthaup ablöste.

Neben seinem Amt als Direktor ist Dänekas übrigens auch noch Teil eines Dozenten-Teams, das seit einigen Jahren Richter in der Mediation schult. „Wir schulen in verschiedenen Bundesländern Richterinnen und Richter sämtlicher Gerichtszweige“, erklärt Dänekas. Bis zu 20 Richter können an der drei mal drei Tage dauernden internen Veranstaltung teilnehmen und verlassen sie am Ende mit einem Zertifikat, das sie dazu berechtigt, als Güterichter Mediationen anzubieten. „Das macht riesig Spaß, weil man neue Leute kennenlernt, sich austauscht und ein Netzwerk begründen kann.“

Viele Stationen und viel Arbeit liegen hinter und vor dem Syker. Gibt es da noch ein Leben abseits des Schreibtisches? Vielleicht auspowern beim Handball? Nun, die Leidenschaft zum Sport ist zwar geblieben, selber steht Dänekas aber nicht mehr auf dem Feld. „Es juckt zwar noch in den Fingern, aber ich bin 57 und Handball geht ziemlich auf die Gelenke. Ich kenne eigentlich keinen, der in dem Alter noch spielt“, sagt der frisch gebackene Direktor und lacht. Die Handball-WM habe er aber im Blick. Stattdessen halte er sich mit Nordic Walking, Fitnesstraining und Aqua-Jogging fit. Den Gang zum Hallenbad tritt er dabei auch gerne mit seinem Sohn an, der im Verein schwimmt. Letzterer strebt, genauso wie Dänekas Tochter, übrigens nicht den gleichen Pfad ein wie der Papa. Traurig deswegen? „Nö. Der Weg der Juristenausbildung dauert sieben bis neun Jahre. Das würde ich ihnen auch nicht zumuten wollen. Und selbst mit dem Examen findet man sicher eine Stelle – aber welche. Der Weg in die Justiz ist mit vielen Unwägbarkeiten verbunden.“

Abschließend wander der Blick an die Wand hinter dem Schreibtisch, an dem sich Fotos der bisherigen Amtsgerichtsdirektoren befinden. Das Bild von Elisabeth Kruthaup fehlt noch. „Da warten wir noch ein paar Wochen. Wenn sie demnächst hier reinkommt und ihr Bild sieht, würde ihr sonst erst richtig bewusst, dass sie aus dem Dienst raus ist“, verrät Carsten Dänekas und lacht. Und sein Bild möchte Carsten Dänekas nach eigenen Worten auch nicht so schnell an der Wand sehen: „Bis dahin ist hoffentlich noch viel Zeit.“


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Leserkommentare
suziwolf am 23.10.2019 06:43
„Aaaah“ „oooh“ sagt der/die Feuerwerker*in Sylvester 2019
💫💥☄️

„Uuuuh“ sagt die Umwelthilfe ...

Es sollte für‘s ...
rakase am 23.10.2019 03:13
Den grundsätzlichen Ärger über zugeparkte Strassen kann ich ja voll und ganz nachvollziehen, auch wir müssen teilweise ganzjährig einen Kilometer zum ...