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Polsterei Bramstedt
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Die Liebe zu alten Möbeln

Tobias Denne 07.05.2019 0 Kommentare

Geschäftsbericht über die Polsterei Heide Wilde am 30.April 2019 in Bassum. Hier in der Werkstatt von Heide Wilde. Foto von Sebi Berens
Geschäftsbericht über die Polsterei Heide Wilde am 30.April 2019 in Bassum. Hier in der Werkstatt von Heide Wilde. Foto von Sebi Berens (Sebi Berens)

Bassum-Bramstedt. Eines ihrer Markenzeichen ist das gelbe Schild vor dem Hofeingang. An der Straße zwischen Syke und Bassum auf der linken Seite sticht es hervor. „Das Internet kommt nicht an das Schild heran“, sagt Heide Wilde. Die Bramstedterin schwört auf den Hingucker: „Ab und zu muss ich es nur sauber machen.“ Denn die meisten ihrer Kunden melden sich wegen des gelben Schilds bei ihr. „Aber ich hatte auch schon Kunden aus Kopenhagen oder Southampton“, freut sich Wilde. 

Denn das, was Heide Wilde macht, das gibt es kaum noch. „Es ist ein aussterbender Beruf“, weiß die gelernte Raumausstatterin. Sie hat sich während ihrer Lehre auf die Polsterei spezialisiert. „Das Schnüren wird heute gar nicht mehr gelehrt. Eigentlich schade“, bedauert sie. Heide Wilde steht in ihrer Werkstatt in ihrem Bauernhaus und bearbeitet gerade einen etwa einhundert Jahre alten Stuhl. Immer mit dabei: Bernhardiner-Dame Sofie. Sie begrüßt die eintreffenden Gäste, lässt sich gerne streicheln und legt sich danach wieder hin. Sofie ist eine gemütliche Zeitgenossin. „Ich hatte schon immer Bernhardiner“, erzählt sie.

Bei dem antiken Stuhl muss die Bramstedterin bis auf den Holzrahmen alles austauschen. „Der Sessel ist schon eine kleine Katastrophe“, gibt sie zu. Als das Möbelstück bei ihr ankam, musste sie erst einmal das alte Material herunternehmen. Schließlich sieht sie erst, wie der Zustand eines Möbelstücks ist, wenn sie nur noch das Grundgerüst hat. „Ich muss bei dem hier alles austauschen“, nennt Wilde etwa das Leder oder die Federn, die sie erneuern muss, und blickt in Richtung Stuhl. Per Stell- und Knüpfschnürung stellt sie dann die Federn so ein, dass die Sitzfläche eine leichte Wölbung bekommt. Dann kommen Federleinen und die erste Lage des Polsters. „Bei antikem Leder braucht man schon 40 Stunden“, rechnet Wilde vor. Beim Katastrophen-Stuhl ist sie derweil noch am Anfang der Arbeit. „Irgendetwas muss passieren“, sagt sie und streicht über die noch gepolsterten Rücken- und die Armlehnen. Unebenheiten sind zu spüren. Wilde muss auch diese austauschen.

In ihrer Werkstatt stehen derweil noch vier weitere Stühle, die auf das neue Polster warten. Das ist aber noch nicht alles. Wildes Liste ist lang. „Ich habe gut zu tun“, sagt sie bescheiden. So polstert sie nicht nur Sessel, Stühle oder Sofas, sondern auch das Innere von Wohnwagen oder Oldtimern gehört zu ihren Aufgabengebieten. „Es macht mir einfach Spaß“, erzählt sie freudig. Und das schon seit mehr als 30 Jahren. Ende der 1980er-Jahre absolvierte die gebürtige Sykerin eine Ausbildung zur Raumausstatterin mit der Spezialisierung Polsterei. „Ich habe mich bewusst dafür entschieden. Ich hatte einen alten Lehrmeister und eine fantastische Lehre“, erinnert sich Wilde, die vorher unter anderem im Büro gearbeitet hat. „Das Drumherum war nicht so prächtig. Irgendwann habe ich mich dann entschieden: Büro oder Handwerk“, sagt sie und grinst.

Dass sie überhaupt ins Handwerk kam, war eher ein Zufall. Als sie aus der Hachestadt nach Oerdinghausen in ein Fachwerkhaus zog und es restaurierte, merkte sie, dass sie handwerklich geschickt ist. Über den Bruder ihres Lebensgefährten kam sie auf die Polsterei und arbeitete ab und an bei ihm mit. Die erste Werkstatt folgte. „Ich kann gut für mich selbst arbeiten“, gibt Wilde zu. Seit 13 Jahren wohnt sie nun in Bramstedt und polstert in ihrer Werkstatt. „Das Pflaster ist eines der wichtigsten Utensilien“, gibt Heide Wilde zu und lacht. Schließlich ist ihre Arbeit nicht ganz ungefährlich. Wie zum Beweis zeigt sie eine Polsternadel, die etwa eine Länge eines Unterarms hat. Auch sich durch den Finger zu nähen gehört dazu, ebenso wie Klammern mit einer Maschine in den Oberschenkel rammen. Für Wilde keine Ausreden, um den Beruf an den Nagel zu hängen. „Ich habe es ganz gezielt gewollt“, erzählt sie. 

Besonders gern arbeitet sie mit neuen Sachen. Dabei nicht unbedingt einmal mit Stühlen aus der heutigen Zeit, die sie auch bearbeitet, sondern eher das, was Neuland für sie bedeutet. „Ich habe gern Herausforderungen und wenn man überlegen muss, wie man an eine Sache herangeht“, versichert sie. Bei einem Stuhl komme man aber schnell voran. Ebenfalls nicht ganz unwichtig: das Polster. Im Nebenraum ihrer Werkstatt hat sie dafür extra Regale aufgebaut mit zahlreichen Stoffproben. Sie zieht eine Auswahl heraus und präsentiert die Muster. „Ganz tolle Sachen sind dabei“, zeigt Wilde Giraffen, Zebras, Schwimmer oder auch die Bremer Schlüssel. Für Polsterarbeiten hat sie dafür dann eine Kettelmaschine, eine Stuhlpresse oder die Ausschärfmaschine für Leder. „Ich war da zur richtigen Zeit am richtigen Ort“, freut sich Wilde immer noch über ihre technischen Errungenschaften. 

Alles Geräte, die sie für ihre Polster-Arbeiten braucht. „Hier kann ich keine Gardinen nähen. Dafür ist die Werkstatt zu dreckig“, erzählt Heide Wilde und lacht. Zum Teppichverlegen braucht man beispielsweise mehr als eine Person, daher bleibt die Raumausstatterin lieber bei der Polsterei. Je nach Auftrag ist dabei auch die Zeit zweitrangig. „Mit Stress geht es nicht. Und es geht nichts raus, was ich mir nicht selbst in die Wohnung stellen würde.“


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