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Nicole Giese-Kroner
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Ein Leben wie ein Pinselstrich

Dominik Albrecht 09.10.2019 0 Kommentare

Porträt: Nicole Giese-Kroner, Vorwerk Syke Am Amtmannsteich 3
Porträt: Nicole Giese-Kroner, Vorwerk Syke Am Amtmannsteich 3 (Vasil Dinev)

Syke. „Wenn ich es bildlich skizzieren würde, hätte ich wahrscheinlich mit einem Bild von Bremen angefangen, weil ich dort geboren wurde“, beginnt Nicole Giese-Kroner die Erklärungen, wie ein Bild über ihr Leben aussehen würde. Die Stadtmusikanten als Wahrzeichen schlechthin für die Hansestadt wären es geworden. Und das, obwohl ihre Eltern ja schon in ihrem ersten Lebensjahr – das war 1982 – „ein Haus im Grünen gesucht haben“. In Barrien wurden sie fündig. Hier feierte die kleine Nicole auch ihren ersten Geburtstag, hatte nach eigenen Worten eine „sehr glückliche Kindheit, Jugend und Schulzeit auf dem Gymnasium“.

Ihre Affinität zur Kunst hat Giese-Kroner schon in der Kindheit entwickelt. „Unsere Familie ist immer viel in Museen gegangen, landwirtschaftliche, Spielzeug-, Schokoladenmuseum. Wir haben alles Mögliche mitgenommen – und ich fand das immer schön und spannend“, erzählt sie. Fernab der Museen habe sie zwar immer gerne mal gezeichnet, von einem Berufswunsch, von dem später mal der Lebensunterhalt bestreitet werden soll, sei sie aber noch weit entfernt gewesen. Doch was anfangen mit dem Interesse an der theoretischen Ebene der Kunst? Nach dem Abitur vor 18 Jahren folgte erst einmal ein dreimonatiger Aufenthalt bei Verwandten in Neuseeland. „Dort habe ich ein wenig recherchiert, was ich überhaupt in die Richtung studieren kann und wo“, erinnert sie sich. Dabei ist sie auf Kunstgeschichte gestoßen und fand sich im Sommersemester 2002 im Göttinger Hörsaal ein. Kunstgeschichte im Hauptfach, Kulturanthropologie und Germanistik als Nebenfächer sind es geworden. „Auf Magister, ganz klassisch“, sagt die Sykerin mit einem Lächeln. Plötzlich schätzte die Studentin den Abnabelungsprozess von den Eltern. „Wahrscheinlich wäre deshalb die Gänsemagd (Märchen der Gebrüder Grimm, Anm. d. Red.) das nächste Bild, das man zeichnen könnte“, sagt Nicole Giese-Kroner.

Mit dem Abschluss in der Tasche hieß es 2008 abermals: neu orientieren. „Das Erste, was man im Studium gesagt bekommt ist, dass wir für die Arbeitslosigkeit ausgebildet werden. Das ist natürlich super motivierend.“ Doch die Kuratorin ließ sich nicht entmutigen. Schon im Studium absolvierte sie Praktika beim Focke-Museum in Bremen und in der Kunsthalle Hamburg. „Die beiden Praktika haben mir die Augen geöffnet, dass ich auf jeden Fall etwas mit zeitgenössischer Kunst machen möchte“, erzählt Giese-Kroner, die vor allem die direkte Arbeit mit den Künstlern spannend fand.

Vom Elternhaus in Syke aus verschickte Giese-Kroner Bewerbungen für Volontärsstellen an diverse Museen. „Nebenbei habe ich als Stadtführerin in Bremen gearbeitet und dabei erste gute Erfahrungen sammeln können, vor Leuten zu sprechen.“ Und ganz nebenbei habe sie Neues über Bremen gelernt. Mit Gruppen ging es durch die Innenstadt, über den Marktplatz, durch den Schnoor – „eben der Klassiker“.

Dann wurde 2009 beim Syker Vorwerk, damals noch unter der Leitung von Ralf Vogeding, ein Volontariat ausgeschrieben. „Ehrlich gesagt, war mir damals noch gar nicht klar, was das Vorwerk wirklich ist“, gibt Giese-Kroner zu. Immerhin habe es das Vorwerk zu dem Zeitpunkt gerade mal zwei Jahre gegeben und in Göttingen habe sie von dessen Eröffnung nichts mitbekommen. Das sollte der Bewerbung nicht schaden, und so hat Nicole Giese-Kroner am 1. Juni 2019 ihr Zehnjähriges feiern dürfen. „Als ich die erste Woche hier war, wurde gerade eine Ausstellung aufgebaut von Fritz Vehring und ehemaligen Studierenden von ihm. Ich hatte überhaupt keine Ahnung, wer hier durchs Haus gelaufen ist“, erinnert sich Giese-Kroner an den Wurf ins kalte Wasser.

Aus nicht mehr als einem Computer und ein paar Hängeregistern habe ihr Büro damals bestanden. Dank des Kreismuseums wurde aber schnell aufgerüstet. Noch heute zeigt sich Nicole Giese-Kroner erfreut, dass sie mit Ralf Vogeding einen erfahrenen Leiter an ihrer Seite hatte. „Er war immer sehr offen für die eigenen Ideen. Ich konnte mich jederzeit an ihn wenden.“ Aber auch ohne seine Hilfe hat Nicole Giese-Kroner das Vorwerk erfolgreich vertreten. So gut, dass sogar die Gemeinnützige Stiftung der Kreissparkasse Syke ihr Volontariat frühzeitig in eine Kuratoren-Stelle umgewandelt hat. „Das war natürlich super für mich. Ich hatte totales Glück, Kuratorenstellen gibt es weniger als Volo-Stellen. Ich habe mir danach auch erst mal eine eigene Wohnung gesucht“, sagt Giese-Kroner und lacht.

Ende 2012 folgte der nächste Umbruch: Die Gemeinnützige Stiftung stellte alle Mitarbeiter direkt ein. Damit einhergehend übergab Ralf Vogeding dem Vorwerk alle inhaltlichen Freiheiten. „Ab 2013 war ich die künstlerische Leiterin, habe aber dasselbe gemacht wie vorher auch schon. Nur ohne die inhaltlichen Bindungen“, erklärt Giese-Kroner. Was nicht heiße, dass Vorwerk und Kreismuseum sich nicht mehr austauschen würden. Auch privat tat sich indes viel. 2011 lernte Nicole Giese-Kroner ihren Mann kennen, wohnte zwischenzeitlich mit ihm in der Bremer Neustadt. Vor drei Jahren erblickte Sohn Anton das Licht der Welt. Vor zwei Jahren zog die junge Familie nach Syke. „Ich habe es wieder genauso gemacht wie meine Eltern damals“, sagt Giese-Kroner und lacht nach ihrer Erkenntnis.

Und da sind wir also in der Gegenwart. Wie sieht denn die Zukunft aus? Gibt es noch berühmte Künstler, die es nach Syke schaffen sollen? „Vor ein paar Jahren wurde ich das schon einmal gefragt. Da habe ich geantwortet, dass Richard Serra als internationaler Künstler total spannend wäre“, offenbart die Kuratorin. Mittlerweile frage sie sich aber, ob er für das Vorwerk überhaupt geeignet wäre. Heute habe sie ein besseres Gespür, was zum Haus passe.

Und welche Künstler passen besser zum Haus? „Die hole ich ja schon immer“, sagt Giese-Kroner spontan und lacht. Nach ein wenig grübeln merkt sie an, dass ihr ja vielleicht auf der Biennale in Venedig, eine internationale Kunstausstellung, ein Künstler über den Weg laufen könnte, den sie nach Syke holen möchte. Vor sechs Jahren sei sie dort schon vom Pavillon Singapurs begeistert gewesen und auf den Video-Künstler Ming Wong aufmerksam geworden. Und eben jener im Bereich Gender und Genderfluidity agierende Virtuose komme im Februar für eine Themen-Gruppenausstellung an die Hache. „Ich freue mich total, dass ich eine Zusage von ihm bekommen habe."


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Leserkommentare
RalfBlumenthal am 23.10.2019 09:28
Was macht ein Ortsamtsleiter, der seinen Willen nicht bekommt ?
Er macht nichtöffentlich, was öffentlich gehört !
So geht das nicht, Herr ...
HB-Maennchen am 23.10.2019 09:23
Da möchte man als schlichter Leser des Weser-Kuriers der jetzt wieder doch etwas deutlicher wahrnehmbaren schreibenden Stimme der Chefredakteurin ...