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Kulturpolitischer Kongress
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„Es gilt, Dorfprozesse zu begleiten“

Bärbel Rädisch 04.07.2019 0 Kommentare

Von intensiven Diskussionen nahezu beseelt: Peter Henze aus Arbste.
Von intensiven Diskussionen nahezu beseelt: Peter Henze aus Arbste. (BÄRBEL RÄDISCH)

Asendorf. Erfüllt von vielfältigen Eindrücken und nach intensiven Diskussionen nahezu beseelt, kehrte Peter Henze vom Verein Land und Kunst nach einer Einladung zum zehnten kulturpolitischen Kongress Ende Juni in Berlin zurück nach Arbste. Mit-Initiator des Treffens war die Bundeszentrale für politische Bildung. Die hochgradig besetzte Riege der Diskutanten, zu denen unter anderem die Staatsministerin für Kultur und Medien Monika Grütters, der ehemalige Bundestagspräsident Wolfgang Thierse und die Staatsministerin im Auswärtigen Amt Michelle Müntefering – neben internationaler Besetzung – gehörten, hauchten dem Motto des Kongresses „Kunst.Macht.Heimat en“ Leben ein.

„Das Wort Heimat im deutschen Sinn gibt es im Englischen oder Französischen gar nicht, und es im Plural zu gebrauchen, hat seine Berechtigung“, findet Peter Henze. „Heimat kann ein Ort sein, ein Empfinden und im ländlichen Raum nach Auffassung der Ausrichter und laut der fast 400 Kongressteilnehmer eine kulturpolitische Herausforderung, die es zwingend nötig macht, soziozentrale Knotenpunkte zu schaffen“, unterstreicht auch er. „Die Problemkreise Heimat und Migration, Integration, Diversität und Identität unter dem Aspekt kultureller Bildung sind“, wie Henze seit zwei Jahrzehnten in dieser Region betont, „ein notwendiger Gelingensfaktor für die Zukunft im ländlichen Raum.“

Brauchen strukturschwache Regionen Kompensationsprogramme, die Menschen im kulturellen Alltagsleben, in Vereinen und Netzwerken stärken? So lautete eine der Fragen auf dem Kongress. Heimat ist inzwischen ein schillernder und problematischer Begriff geworden, wenn er als politische Kategorie benutzt wird, hieß es seitens der kulturpolitischen Gesellschaft, die auf Anregung von Teilnehmern des „Loccumer Kulturpolitischen Kolloquiums“ 1976 gegründet wurde. Unter dem Aspekt, dass Kultur wichtig ist für die Gesellschaft, wurde eine überparteiliche Vertretung auf Bundes- und Europaebene etabliert, die kein berufsständischer Interessenverband ist und nicht an Parteien, Kirchen oder Gewerkschaften gebunden. „Ging es in den 1970er-Jahren um kulturelle Teilhabe, ist heutzutage kulturelle Selbstdarstellung gefordert. Und was sich verstärkt zeigt: Kultur ist nötig zur Rettung der Demokratie. Kultur bedeutet, Menschen zu begegnen, die bereit sind, ihr Leben selbst zu gestalten, gemeinsam, auch mit Fremden aus anderen Kulturkreisen“, ist Henze überzeugt. „Was machen wir mit denen, die sich abkehren, die Ängste haben vor den zu uns Gekommenen mit anderer Sprache und anderem Aussehen? Viel ist die Rede von Globalisierung, aber letztendlich geschieht die vorwiegend in Konzernen.“

In ihrer Eröffnungsrede hatte Monika Grütters ausgeführt: „Die integrative Kraft der Kultur und ihre Fähigkeit, Zusammenhalt in einem gemeinsamen Europa zu schaffen, wurzelt nicht nur in der Selbstvergewisserung und Identität in einem regionalen Kontext. Kultur lädt dazu ein, über Heimat nachzudenken und sie als Chance und Aufgabe zu begreifen für eine weltoffene Gesellschaft.“

Mit glänzenden Augen sagt Peter Henze: „Es gilt, auf dem Land Orte zu finden für einen gesellschaftlichen Diskurs, Vereine zu koordinieren, neue Beteiligungsmodelle zu finden, Dorfprozesse zu begleiten.“ Er erzählt von bereits agierenden Dorfmoderatoren. Auch in Niedersachsen versuchen solche Engagierten nach qualifizierter Schulung, Impulse für Prozesse zu setzen. Sie helfen dabei, Akteure im Dorf zu vernetzen, Veranstaltungen wie Dorfbegehungen und Dorfversammlungen zu moderieren, Projektgruppen bei der Koordinierung und Umsetzung ihrer Vorhaben zu beraten und zu unterstützen.

„Möglicherweise müssen wir eine neue Spiritualität finden“, sinniert Henze nach einer kurzen Atempause im Gespräch. „Das meine ich nicht im religiösen Sinn. Aber uns ist die Fähigkeit gegeben, friedlich Umbruchprozesse voranzutreiben.“ Es sprachen auf dem Kongress auch Teilnehmer der Kultur des Widerstandes, die an Protesten teilnahmen im Hambacher Forst, im Wendland und in der Lausitz. Dort, wo sich Menschen durch die Beendigung des Kohleabbaus verraten fühlen, um Werte gebracht, die ihnen wichtig waren. „Sie sich nicht selbst zu überlassen, wie es bereits nach der Wiedervereinigung in den östlichen Bundesländern vielfach geschah, ist eine große Herausforderung.“

Beeindruckt ist der Arbster von den Jugendlichen der Fridays-For-Future-Bewegung. „Sie haben den Begriff Heimat ausgeweitet. Für sie ist Heimat kein eingegrenztes Gebiet mehr. Sie sprechen von der Erde und noch umfassender vom Planeten als ihrer Heimat.“ Dem Thema widmeten sich unter dem Motto „Heimat Erde, Kulturpolitik in Erwartung der Heißzeit“ aus aktuellem Anlass die Diskutanten. „Die heftige Diskussion um den Kohlendioxidausstoß könnte viel entspannter verlaufen, wenn sich jeder einzelne Mensch vergegenwärtigen würde: Ich muss mich nicht in schmerzlichem Verzicht üben, ich muss nur ein Maß einhalten“, bekräftigt Henze.

Wie vielfältig und auf ein einfaches Level heruntergebrochen Kultur im ländlichen Raum auch zu verstehen ist, und dem nichts Elitäres anhaften muss, zeigt ein Beispiel Henzes, das ihm seit einiger Zeit im Kopf herumgeht. „Es könnte der Versuch gemacht werden, die alten Kirchwege in der Region wieder zu beleben, sie rechts und links mit Obstbäumen zu bepflanzen und diese in Vergessenheit geratenen Pfade mit geführten Wanderungen im Tourismusprogramm anzusiedeln.“ Gelernt, gehört, aber auch bestätigt bekommen hat Peter Henze auf dem Kongress einiges. „Vor allem ist Geduld und Beharrlichkeit nötig, was sich hinsichtlich der Gestaltung vor Ort oft als schwer vermittelbar darstellt, mich aber nicht davon abhält, im Gespräch mit Befürwortern und vor allem mit Zweiflern zu bleiben.“


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Leserkommentare
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