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Das Interview: Markus Barth
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„Ich dachte: Frag die Leute bei Facebook“

Dominik Albrecht 08.05.2019 0 Kommentare

Hat für seinen Auftritt in Syke mehr als nur seine Reise-Anekdoten in petto. Was dabei auf jeden Fall nicht fehlen darf, ist "vermutlich irgendwas über Andi Scheuer".
Hat für seinen Auftritt in Syke mehr als nur seine Reise-Anekdoten in petto. Was dabei auf jeden Fall nicht fehlen darf, ist "vermutlich irgendwas über Andi Scheuer". (Stefan Mager)

Herr Barth, Sie kommen mit Ihrem Programm „Haha ... Moment, was?“ nach Syke. In welchem Kontext haben Sie jüngst zuerst gelacht, weil Sie etwas für einen Scherz gehalten haben, ehe Sie gemerkt haben, dass das kein Witz war? 

Markus Barth: Mal nachdenken … Bei der Fahrradhelm-Kampagne vom Bundesverkehrsminister Andi Scheuer? Bei seinen Äußerungen zum Tempolimit? Oder zu Fridays for Future? Eigentlich bei allem, was Andi Scheuer so sagt. Andi Scheuer ist quasi „Haha … Moment, was?“ als Mensch.

Wenn Sie von solchen Momenten hören: Sind Sie eher erschrocken, dass Menschen etwas offensichtlich Absurdes ernstnehmen oder freuen Sie sich vielmehr, dass wieder mehr hinterfragt wird?

Ich fürchte, dass eben viel zu wenig hinterfragt wird. Wenn wir alle mehr hinterfragen würden, könnten Facebook und Twitter den Laden zumachen, weil ja niemand mehr all die absurden Falschmeldungen teilen würde.

Als Comedy-Autor lieferten Sie unter anderem für die Sendungen Ladykracher und Heute-Show Witze, über die sich viele Zuschauer beömmelt haben – nur leider weiß das oft keiner. Ist es für Sie schöner, mit Ihrer Arbeit selber auf der Bühne zu stehen oder können Sie gut auch aus dem Background arbeiten?

Ich liebe beides. Wenn man einen Sketch schreibt, der dann von Bastian Pastewka gespielt wird, ist das eine Ehre, da käme ich nie auf die Idee zu sagen: „Na, das hätte ich aber besser gemacht!“ Die Geschichten, die ich auf der Bühne erzähle, sind dagegen sehr persönlich, da hätte es keinen Sinn, die jemand anders in den Mund zu legen – deswegen erzähle ich sie selbst. 

Wenn Sie auf eines davon verzichten müssten, wofür würden Sie sich entscheiden und warum?

Dann würde ich lieber beides aufgeben und Lamas züchten.

Sie gehen in Ihren Programmen und insbesondere in den sozialen Netzwerken nicht nur auf gesellschaftliche Obskuritäten ein, sondern auch auf das politische Geschehen. Letzteres wird ja oft eher im Kabarett eingeordnet. Erreicht das die Fans der Comedy? Vielleicht ja sogar besser?

Ich habe irgendwann beschlossen, diese unsinnige Trennung zwischen Kabarett und Comedy nicht mehr mitzumachen und bin sehr froh, dass diese Abgrenzung mein Publikum offensichtlich genauso wenig interessiert wie mich. Ich erzähle auf der Bühne alles, was mich bewegt und was ich lustig finde. Das kann eine Geschichte über mein Gemüsebeet sein, aber eben auch über die Politik. Hab ich schon erwähnt, dass ich sehr viel über Andi Scheuer lache?

Im vergangenen Jahr haben Sie eine etwas andere Reise durch Europa gemacht. Die Reiseplanung haben Sie nämlich Ihren Followern bei Facebook überlassen und das Ganze im Buch „Zwanzigtausend Reiseleiter“ verewigt. Wie sind Sie auf diese Idee gekommen?

Mein Mann und ich hatten uns sechs Monate Auszeit genommen, aber eigentlich nur sechs Wochen davon verplant (mit einer Reise durch Argentinien). Danach wollten wir noch vier Monate mit unserem Wohnmobil durch Europa fahren, da wir beide aber keine passionierten Reiseführer-Leser sind, dachte ich: Frag doch mal die Leute bei Facebook, was sie so empfehlen. Das habe ich gemacht und war von der Resonanz völlig geplättet. Im Nu hatte ich Hunderte toller Tipps. Im Grunde sind wir dann nur noch die Empfehlungen meiner 20 000 Follower abgefahren. Ohne die wäre ich wahrscheinlich nie ins Soča-Tal nach Slowenien gekommen oder nach Česky Krumlov in Tschechien. Gut, eventuell wäre ich auch nie in Bratislava ausgeraubt worden, aber da können meine Follower ja nichts dazu.

Zeitlich passt das Buch hervorragend zur Europawahl am 26. Mai. Eine der aufgeworfenen Fragen war: „Europa - Was ist das eigentlich?“ Sind Sie nach Ihrer Reise schlauer?

Europa ist für jeden etwas anderes. Für die einen ist es einfach nur ein Kontinent. Für die anderen ist es eine Hoffnung, ein Symbol, eine Errungenschaft. Für manche ist es nur ein Wirtschaftsraum, für andere eine Wertegemeinschaft und wieder für andere der Grund, warum Gurken nicht krumm sein dürfen. Für mich ist es Heimat: Ich fühle mich nirgends so wohl wie in Europa. Und ich finde die EU eine der besten Ideen unserer Zeit – auch wenn mich viele Entscheidungen und Entwicklungen schier wahnsinnig machen und es Tausende Dinge gibt, die ich gerne an der EU und ihren Institutionen ändern würde.

Während Ihrer viermonatigen Reise haben Sie es sich mit Mann und Hund nicht in Hotels bequem gemacht, sondern in einem Wohnmobil. Herrschte Harmonie oder drohte auch mal die vorzeitige Rückreise?

Ach, es hat schon auch mal ordentlich geknallt. Zu dritt auf acht Quadratmetern, bei durchschnittlich 35 Grad – da steigt man sich fast zwangsläufig auch mal auf die Füße. Aber wenn ich bedenke, dass meine Hundesitterin vor der Reise zu uns gesagt hat: „Vier Monate in dem engen Ding? Ich würde meinen Mann schon nach drei Tagen in der Luft zerreißen!“, haben wir uns ganz schön gut gehalten.

Haben Sie neue Lieblingsländer und wenn ja: Wo sprang der Funke über?

Slowenien hat sich sehr schnell zu einem meiner neuen Lieblingsländer gemausert. Menschen, Landschaft – alles toll da! Dasselbe gilt für Portugal. Und selbst Italien, um das ich vorher immer einen großen Bogen gemacht habe, hat ordentlich Sympathiepunkte gesammelt. Das liegt zugegebenermaßen vor allem am Essen dort. Es gibt Bilder von mir, auf denen ich in einem italienischen Restaurant zu sehen bin, vor mir ein Teller Nudeln mit Tomatensoße und in meinem Gesicht ein Grinsen, als hätte man mir gerade einen Erstgeborenen geschenkt. Mit Essen kriegt man mich einfach immer. 

Was war das skurrilste Erlebnis?

Wenn dir in einer tschechichen Weinstube ein als Vampir verkleideter Sommelier mährischen Welschriesling einschenkt und dabei erklärt, dass er sich nur verkleidet hat, weil heute „Tag des Kindes“ ist, weit und breit aber keine Kinder zu sehen sind, weil man ja in einer Weinstube hockt – da kann einem schon mal kurz der Kopf schwirren.

Ralph Ruthe hat Ihr Buch als „Liebeserklärung an Europa“ bezeichnet. Macht es das zur Pflichtlektüre vor der Europawahl?

Ich glaube, die EU hat es noch nicht offiziell dazu erklärt, aber das kann nur noch eine Frage der Zeit sein.

Werden Sie die anderen Kontinente auch auf diese Weise entdecken?

Würde ich gerne, aber ich habe mir mal vorgenommen, keinen Urlaub mehr in Ländern zu machen, die von Schwulenhassern, Rassisten und religiösen Fanatikern regiert werden. Tja. Da wird die Auswahl allmählich ein bisschen dünn (übrigens auch in Europa).

Kommen die Zuschauer am 10. Mai in den Genuss einiger Reise-Anekdoten oder worauf wird der Fokus diesmal liegen?

Es gibt das volle Programm: Geschichten aus der Zeit vor der Reise, Anekdoten von der Reise selbst und auch aus der Zeit des Zurückkommens und Wieder-Eingewöhnens. Und vermutlich irgendwas über Andi Scheuer.

Das Interview führte Dominik Albrecht.

Der SYKER KURIER verlost dank Unterstützung vom Gleis 1 ein Mal zwei Freikarten für den Auftritt von Markus Barth. Wer gewinnen möchte, schreibt eine E-Mail an redaktion@syker-kurier.de.

Zur Person

Markus Barth

kam 1977 in Bamberg zur Welt und wuchs in Zeil am Main auf. 1999 zog er nach Köln, wo er sich als Autor und Headwriter für Fernsehshows verdingte. Für „Ladykracher“ gewann Markus Barth mehrfach den Deutschen Comedypreis. Seit zwölf Jahren steht er auch als Standup-Comedian auf der Bühne. Von Markus Barth erschienen mittlerweile acht Bücher, zuletzt „Zwanzigtausend Reiseleiter“.

Am Freitag, 10. Mai, tritt er ab 20 Uhr im Gleis 1 in Syke auf.


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Leserkommentare
erschreckerbaer am 22.10.2019 21:34
Ist doch in Ordnung.
Bis jetzt habe ich 48 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt.
Habe dafür Steuern bezahlt.
Würde ich mit 67 in ...
flutlicht am 22.10.2019 20:43
Lieber @Wk, wann hat Höffner denn nun die Fläche erworben? Mal schreiben Sie von 14 Jahren im Text und in der Einleitung von 11 Jahren. Was stimmt?