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Lukas-Schule
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Tobias Denne 27.12.2018 0 Kommentare

Hat alles fest im Griff an ihrer neuen Schule in Bassum: Gymnasiumsleiterin Claudia von Klitzing.
Hat alles fest im Griff an ihrer neuen Schule in Bassum: Gymnasiumsleiterin Claudia von Klitzing. (Braunschädel)

Bassum. Noch ist das Büro nicht ganz eingerichtet. Auf einem Stuhl steht ein kleiner Bilderrahmen mit einem Gedicht des österreichischen Expressionisten Georg Trakl. Eine kleine Pflanze ziert die Fensterbank. Draußen fahren Schüler vorbei. Claudia von Klitzing sitzt an ihrem Schreibtisch und hat die Hände entspannt in ihren Schoß gelegt. Sie überlegt. „Es ist eine ganz andere Art der Herausforderung“, sagt sie schließlich über ihre etwas mehr als 100 vergangenen Tage an der Lukas-Schule in Bassum, an der die das Gymnasium leitet.

Dabei wollte Claudia von Klitzing nach ihrem Referendariat eigentlich nichts mehr mit Schule am Hut haben. 1994 war das. „Das war zu der Zeit, als kaum noch Lehrer eingestellt wurden“, erinnert sie sich daran, dass man einst von sinkenden Schülerzahlen ausging. „Darauf warte ich heute noch“, sagt die gebürtige Essenerin und lacht herzlich. Studiert hatte sie Lehramt, die Fächer Deutsch, Geschichte sowie Werte und Normen. In Freiburg. Daher kommt auch ihre Liebe zur Lyrik. „Wenn ich einen Text lese, dann habe ich automatisch viele Bilder im Kopf“, erzählt die 52-Jährige und schaut auf den Bilderrahmen auf dem Stuhl.

Da es nicht mit einer Anstellung als Lehrerin klappte, schmiedete sie mit einer Freundin den Plan, eine Buchhandlung mit einem Café zu eröffnen, da sie bereits ein Jahr lang in einer gearbeitet hatte. Da das aus verschiedenen Gründen nicht funktionieren wollte, entschied sich von Klitzing – mittlerweile im Norden lebend –, den Rat ihres Mannes anzunehmen und sich um eine Feuerwehrstelle zu bemühen. Und das hat mehr mit den eigentlichen Brandbekämpfern zu tun, als im ersten Moment ersichtlich ist. Denn: Man geht auch als Pädagoge dahin, wo es brennt. Also, wo Schulen dringend Bedarf an Lehrern haben. So etwa auch in Sulingen am Gymnasium, wo von Klitzing Mitte der 1990er-Jahre ebenfalls als Feuerwehrlehrkraft eingesetzt wurde. Nach insgesamt vier Jahren an verschiedenen Schulen wechselte die 52-Jährige dann ein letztes Mal. "1999 ging es zurück nach Sulingen. "Dort habe ich es bis Juli gut ausgehalten", sagt sie und lacht erneut. 

Doch auch mit einem weinenden Auge blickt von Klitzing auf ihre vergangenen 20 Jahre an dem Gymnasium mit mehr als 1000 Schülern zurück. „Wenn man ein so tolles Kollegium hat, dann fällt der Abschied natürlich schwer“, weiß sie, „aber ich wurde hier ganz schnell sehr gut aufgenommen“. Auf der Fensterbank steht eine kleine Leinwand mit einem Foto, das zahlreiche Schüler zeigt. Ein „Dankeschön“ wurde unter das Foto geschrieben. „Bei meiner Abschiedsfeier sagte meine Schulleiterin: 'Hätte ich dich mal nicht gefragt'“, erinnert sich von Klitzing an ihren ersten Kontakt mit der Lukas-Schule in der Lindenstadt.

Denn vor zwei Jahren wurde sie gefragt, ob sie die mündlichen Fachprüfungen in Geschichte abnehmen könnte. Manche Schulen haben dabei Bedarf von außerhalb, sodass man an das Gymnasium herangetreten war. „Bei mir war es die Neugier, mir das einmal anzuschauen“, sagt sie. Als dann kurze Zeit später die erste Anfrage kam, ob sie sich nicht vorstellen könnte, zu wechseln, sagte sie noch ab – doch kam sie ins Gürbeln. „Es war ein sehr langer Prozess“, versichert die Lehrerin. Insgesamt eineinhalb Jahre habe sie sich Zeit gelassen.  

Nun ist sie seit etwas mehr als 100 Tagen an ihrer neuen Schule, mit einer neuen Herausforderung, neuen Kollegen und neuen Schülern. „Es ist eine tolle Schule. Hier herrscht von Anfang an eine gewisse Vertrautheit“, schätzt sie die Einrichtung, die vor Kurzem ihr 15-jähriges Bestehen feierte. Von Klitzing ist dabei für das Gymnasium zuständig. „Wir suchen noch ein bisschen das Profil, wie man das Gymnasium besser herausstellen und Schwerpunkte setzen kann“, sagt sie etwa mit Blick auf die Realschule mit ihren Angeboten. Angesichts der recht kleinen Oberstufe im zwölften Jahrgang mit ihren knapp 17 Schülern ist es schwer, Akzente zu setzen. „Die Größe ist sehr familiär und angenehm, aber es wird schwer, wenn man auf Dauer jeden Schwerpunkt anbieten will“, weiß von Klitzing. Deshalb sei es wichtig, die Schüler, die bereits seit der Kita und Grundschule den Lukas-Bildungskomplex besuchen, auch zu behalten.

Ein Thema, das sie dabei beschäftigt, ist die Förderung. „Wann fördern wir die Schüler?“, ist eine häufig gestellte Frage. Wenn etwa Schüler von der Realschule zur Oberstufe auf das Gymnasium wechseln, sei eine Förderung in der elften Klasse zu spät. Daher will die gebürtige Essenerin die Schützlinge in der neunten und zehnten Klasse fördern. „So leisten wir Hilfestellungen, sodass die Schülerinnen und Schüler auch die Oberstufe schaffen“, sieht die im Syker Umland lebende Schulleiterin ihre Einrichtung auf dem richtigen Weg. 

Denn die Lukas-Schule passe in den Zeitgeist. „Eltern suchen nach kleineren Alternativen für ihre Kinder“, ist sie, die selbst den Großteil ihrer Arbeitszeit der Leitung verschreibt, dank ihrer eigenen Erfahrung überzeugt. Denn, und das weiß die 52-Jährige nach etwas mehr als 100 Tagen: „Es ist sehr viel Arbeit, die aufläuft. Und da wir eine kleine Schule sind, landet alles schnell bei mir.“ Dennoch schätzt sie die Spontaneität ihrer neuen Herausforderung. „Zwar hat man feste Termine, aber man weiß nie, was der Tag so bringt.“

Sie selbst unterrichtet drei Lerngruppen: eine zehnte, eine elfte und eine zwölfte. Eine anspruchsvolle Aufgabe, denn „ich muss mich immer fragen, wie kann ich meine Schüler abholen, damit sie mitmachen“. Das gelinge ihr oft, heißt es. Allerdings gebe es derweil keinen Unterschied bei ihrem Herzensthema – weder in Bassum noch in Sulingen: „Meine Liebe zur Lyrik teilen meine Schüler nicht unbedingt.“


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Leserkommentare
theface am 18.10.2019 20:54
Das kann so nicht stimmen, sonst wären SPD und Grüne ja nicht mehr in der Landesregierung.
Opferanode am 18.10.2019 20:48
Ich hatte die gleiche Frage. Aber eine vernünftige Antwort würde mir besser gefallen, als so schulmeisterlich daherzukommen, mit der Aufforderung, ...