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Kirche Maria, Königin des Friedens
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Unter einem Dach mit Papst Pius X.

Bärbel Rädisch 06.06.2019 0 Kommentare

Wo die Königin des Friedens wohnt: Die katholische Kirche in Bruchhausen-Vilsen wurde 2004 im Inneren renoviert.
Wo die Königin des Friedens wohnt: Die katholische Kirche in Bruchhausen-Vilsen wurde 2004 im Inneren renoviert. (Michael Braunschädel)

Bruchhausen-Vilsen. Vertrieben aus der Heimat im Osten, in ganz Deutschland in evangelischen Gemeinden gelandet. So erging es in der Nachkriegszeit vielen katholischen Mitbürgern, die in Niedersachsen angesiedelt wurden. Die Eltern Waltraud Langers, eine der beiden Küsterinnen der katholischen Kirche in Bruchhausen-Vilsen, hatte es aus Niederschlesien hierher verschlagen. Wie groß muss die Freude gewesen sein, als ihnen die Türen der evangelischen Kirchen in Bruchhausen, in Vilsen, Asendorf und Schwarme geöffnet wurden, um die Heilige Messe zu feiern.

Pfarrer Alfred Schulz war der erste katholische Geistliche seit der Reformationszeit, der im Seelsorgbezirk wieder einer Gemeinde vorstand. Am ersten Pfingsttag 1946 feierte er mit den Gläubigen den Gottesdienst in der hiesigen St. Bartholomäuskirche. Mit dem Fahrrad radelte er zwei Jahre lang zu seinen „Schäfchen“. Als er auf ein 125-Kubikzentimeter-Motorrad der Marke Triumph umsteigen konnte, schwächte sich die anfängliche Begeisterung zusehends ab. Die Fahrten zu seelsorgerischen Diensten wurden eher komplizierter. Ständig verkohlte Zündkerzen und die abspringende Kette machten dem Pfarrer das Leben schwer. Der 1950 genehmigte VW-Käfer ließ ihn dann umgehend den Führerschein machen.

Nach dem Kauf eines Grundstücks für Kirche und Pfarrhaus im Mai 1951 erfolgte am 25. Mai 1952 die Grundsteinlegung an der Bassumer Straße 2 in Vilsen. Unermüdlich hatten die Gemeindemitglieder sich eingebracht bei den Ausschachtungsarbeiten. Pfarrer Schulz verlas die Urkunde, bevor sie in den Grundstein eingelassen wurde. „Möge dieses Gotteshaus, das nach den neu errichteten Kirchen im Dekanat das sechste ist, eine Stätte werden, an der heimatvertriebene Katholiken Geborgenheit finden, und an der sie im Gebet und Opfer zusammenkommen können.“ Am 19. Oktober erfolgte dann die Benediktion durch Weihbischof Johannes von Rudloff. Die 24 mal 10 Meter große Kirche erhielt den Namen „Maria, Regina pacis“, zu Deutsch: „Maria, Königin des Friedens“.

Auf dem Dach thront ein 15 Meter hohes Türmchen. Die Namensgebung stellte die tiefe Sehnsucht nach Frieden in den Fokus nach all den Schrecken des Krieges. 2330 Katholiken waren in der Samtgemeinde zu der Zeit registriert. Per Bus holte man die weit entfernt Wohnenden zum Gottesdienst. Ob es im Inneren der Kirche vorher eine Bestuhlung gab, ist nicht dokumentiert. 1954 wurden die von Kirchenvorsteher Gottfried Schmidt aus Riethausen gebauten Bänke aufgestellt. Sein Bruder schnitzte die Marienstatue, die links vom Altarraum hängt. Er ist auch der Schnitzer der Christusfigur, ursprünglich mit einem Kreuz. Sie wurde 2004 mit dem neuen Altarbild vereinigt, ohne das Kreuz. Zwei Beichtstühle komplettierten 1957 die Ausstattung.

Ab Dezember 1958 brachten elektrische Heizgeräte ein wenig Wärme ins Kirchenschiff. Erst 1973 wurde es dann dank einer Zentralheizung richtig warm und mit neuen Lampen heller im Kirchenschiff. Am vierten Advent 1959 wurden die beiden Glocken der Firma Otto in Bremen-Hemelingen geweiht. Die Christusglocke trägt die Inschrift: „Pax Christi in regno Christi“. In Deutsch: Der Friede Christi im Reich Christi. Sie soll den Frieden einläuten, war der erneute Wunsch, den Frieden mit Gott, unter den Menschen und in den Menschenherzen: „Friede sei ihr erst Geläute“. Auf der Marienglocke steht: „St. Maria, regina pacis, ora pro nobis.“ Die Übersetzung hier: Heilige Maria, Königin des Friedens, bete für uns. Durch Spenden und Kollekten war das Geld aufgebracht worden, und  Weihnachten läuteten sie das erste Mal.

Im November 1972 musste wegen schwerer Sturmschäden und Hagel das Dach neu gedeckt werden. Drei Jahre später erfolgte eine Restaurierung im Inneren. Im Februar 1974 wurde die Kirchengemeinde zur Pfarrei erhoben. Im August gab es wieder Sturm- und Hagelschäden an allen kirchlichen Gebäuden und ein drittes Mal im Januar 1976. Weil das Harmonium schon sehr altersschwach klang, wurde seit Ende der 1970er-Jahre für eine Orgel gesammelt. Es kamen 21 805 Mark zusammen. Gebaut wurde sie von der Firma Simon im westfälischen Muddenhagen und am 1. November 1981 geweiht. Sie hat 366 Pfeifen, sechs Register und eine mechanische Register-Tonstruktur. Kaplan Franz-Joseph Rahe aus Bremen spielte als erstes Lied „Großer Gott, wir loben dich“.

2004 wurde das Kircheninnere umgestaltet, der dunkle Altar ausgewechselt und der Fußboden aus Holz ersetzt durch einen hellen aus Steinplatten. Der neue Altar aus Baumberger Sandstein, der von einer Knochenfischart aus der Kreidezeit stammt und im Münsterland abgebaut wird, wurde nach einem Entwurf von Albert Bocklage aus Vechta gefertigt, dessen künstlerischer Schwerpunkt in der Gestaltung sakraler Räume liegt. Dieser helle Sandstein findet sich auch in Bögen und Pfeilern des Kölner, Osnabrücker und Münsteraner Doms. Im Altar wurden Reliquien des seliggesprochenen Papstes Pius X. vermauert.

Im gleichen Material und Stil gehalten, mit einem geometrischen Schmuck-Vries in den oberen Rändern verziert, sind der Ambo (das Lesungs- und Predigtpult), der Taufstein mit einer schlichten Glasschale und der Sockel des Tabernakels, das die geweihten Hostien enthält. Hinter dem Tabernakel leuchtet an der Wand das Ewige Licht als Zeichen, dass Christus gegenwärtig ist. Eine große runde Glasplatte schmückt die Stirnwand der Kirche. Darauf die erwähnte geschnitzte Christusfigur. Ein lilafarbener Streifen am Rand der Platte steht für Vergänglichkeit, der blaue für das Leben, und die helle Öffnung am oberen Rand symbolisiert die Auferstehung. Auch dieser Entwurf  stammt von Albert Bocklage – genau wie der für die an den Seitenwänden hängenden Hinterglasmalereien mit Szenen des Kreuzweges Christi. Ausgeführt wurden die Malereien durch die in vierter Generation tätige Paderborner Glasmalwerkstatt Peters.

Seit dem 1. Mai 2018 betreut Pfarrer Peter Grunwaldt die Vilser Gemeinde. Außerdem ist er zuständig für vier weitere in Stuhr-Brinkum, Syke, Weyhe-Kirchweyhe und Hoya unter dem Namen Pfarrgemeinschaft Emmaus. Der 57-Jährige ist ein Spätberufener. Nach Tätigkeiten im Bankgewerbe entschloss er sich, von 2009 bis 2014 katholische Theologie zu studieren. Die Priesterweihe erlangte er 2016. Zur Gemeinde gehören derzeit 1100 Mitglieder. Gottesdienste finden abwechselnd mittwochs ab 9 Uhr oder 15 Uhr statt, sonnabends ab 17 Uhr. An jedem Sonntag ab 17 Uhr ist Wort-Gottes-Feier.


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Leserkommentare
Opferanode am 20.10.2019 15:14
@ Bunker
Bei Ihnen weiß ich nicht immer, ob Sie das ernst meinen, was Sie schreiben. Kann ja auch ironisch gemeint sein?
Wenn Sie von ...
alterwaller am 20.10.2019 15:01
INITIATIVEN !!!

Zu hoch, zu flach, zu breit, zu lang. Die Fenster passen nicht zum Umfeld und was ist mit begrünten Dächern ? Da wird ...