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Deutsche Saatgutveredelung
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Was braucht’s zum Wachsen?

Micha Bustian 15.06.2019 0 Kommentare

In jedem Topf andere Bedingungen: Die Gräser werden händisch in die kleinen Töpfchen eingepflanzt.
In jedem Topf andere Bedingungen: Die Gräser werden händisch in die kleinen Töpfchen eingepflanzt. (Vasil Dinev)

Wenn Menschen Stress haben, machen sie autogenes Training, Yoga, oder sie lassen sich krankschreiben. Preisfrage: Was machen Pflanzen, wenn sie Stress haben? Wenn der Sturm an ihnen zerrt, wenn Trockenheit sie ausdörrt, wenn Schädlinge sie attackieren, wenn Unkraut mit ihnen um die Sonnenstrahlen wetteifert? Mit dieser Frage beschäftigt sich die Deutsche Saatgutveredelung (DSV) AG mit Sitz in Lippstadt. Nun gehört der Geburtsort des Bayern-München-Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge nicht zum Verbreitungsgebiet des SYKER KURIER. Aber: In Asenorf gibt es eine Außenstelle der DSV.

Kathrin Kahle steht dort, wo der Steimker Weg nicht mehr weitergeht, neben einer Behandlungsanlage. „Wir tüfteln hier viel herum“, erklärt die Expertin. Ihr Ziel: Pflanzen zu einer besseren Keimung zu bewegen. Nährstoffe werden hier dem Saatgut zugefügt, Bakterien oder Pflanzenhilfsmittel. Konkret beschäftigt sich Kahle zurzeit mit Rapssaat, die mit Algenextrakt behandelt wird. „Das wird gern verwendet“, erläutert ihr Chef Ulf Feuerstein. Der Grund: Algen enthalten Hormone, die sich positiv aufs Wachstum auswirken. Auch bei Raps.

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Der wissenschaftliche Kopf der Deutsche Saatveredelung AG in Asendorf: Ulf Feuerstein spricht regelmäßig mit den Greenkeepern der Fußball-Bundesliga.
Der wissenschaftliche Kopf der Deutsche Saatveredelung AG in Asendorf: Ulf Feuerstein spricht regelmäßig mit den Greenkeepern der Fußball-Bundesliga. (Fotos: Vasil Dinev)

Robuster gegen Schädlinge

Sommerraps, um genauer zu sein. Damit beschäftigt sich die DSV in Asendorf vornehmlich, obwohl es der Winterraps ist, der hierzulande gerade deutlich sichtbar geblüht hat. Nach Skandinavien und Osteuropa wird dieses Saatgut verkauft. Es wird in Asendorf gezüchtet und über eine äußere Behandlung optimiert. Damit die Pflanze schneller wächst und somit robuster gegen Schädlinge wird. Damit die Wurzel tiefer in die Erde reicht und so besser ans Wasser kommt. Damit der Stamm dicker wird und sowohl Fraß als auch Wind besser begegnen kann. Der normale Kleingärtner kommt an solche Dinge kaum heran. Er muss sich mit Pflanzenschutzmitteln begnügen. „Von den Produkten, die angeboten werden, zeigen nur fünf Prozent eine Wirkung“, echauffiert sich Ulf Feuerstein, Leiter der Forschungseinrichtung in Asendorf. Es sei „zu viel Schmu auf dem Markt“. Die Produkte der Saatgutveredelung indes seien „alle auch für den biologischen Anbau zu verwenden“.

„Spezialgeräte voller Technik“

Feuerstein verlässt die Behandlungsanlage. Vorbei an Gabelstaplern, Treckern, Mähdreschern und Anhängern – „sehr viele davon sind Spezialgeräte voller Technik“ – geht es raus zu den Wiesen, die ebenfalls Forschungsgebiet der DSV sind. In Sachen Rasengräser „sind wir der erfolgreichste Züchter weltweit“, sagt der promovierte Wissenschaftler nicht ohne Stolz. Sechs der kommerziell erfolgreichsten Rasensamen kommen aus Asendorf. Auch der übrigens, auf dem die Fußballer des SV Werder Bremen ihre Bundesligaspiele bestreiten.

Wobei das mit dem Stadionrasen auch nicht so einfach ist, wie der Fan auf der Tribüne denken mag. Robust muss er sein, weswegen eine DSV-Mitarbeiterin zweimal wöchentlich mit einem Spezialgerät, der Stollenwalze, über den Rasen brettert. „2018 hatten wir auch ein Treffen mit den Greenkepern der Bundesliga“, erinnert sich Feuerstein. Denn in den modernen Stadien, ohne Laufbahn und mit Überdachung, spielt Licht inzwischen eine große Rolle. Mehrere 100.000 Euro geben die Klubs jährlich aus, um den Rasen nachts zu beleuchten. Inzwischen gibt es die LED-Technik, die die Kosten auf zehn Prozent minimiert. Aber: „LED-Licht hat eine andere Wellenlänge. Das müssen wir jetzt optimieren.“ Nächste Aufgabe also.

Zurück zum 1984 ersteigerten Hof, in den Forschungszuchtgarten der DSV. Hier wird in Kooperation mit den Universitäten aus Bremen und Hannover sowie dem Landwirtschaftsministerium versucht, die Bodenqualität durch unterschiedliche Fruchtfolgen zu verbessern. „Je mannigfaltiger die Zwischenfrüchte, desto gesünder der Boden“, fasst Feuerstein das Ergebnis zusammen. Viele Landwirte würden ihre Monokulturen ausschließlich mit Senfpflanzen unterbrechen, weiß der Biologe. Ist halt billig. Die DSV empfiehlt einen Mix aus zwölf verschiedenen Pflanzenarten. „Biodiversität erhöht die mikrobielle Aktivität“, erzählt Feuerstein. Gesunder Boden bedeute gesunde Pflanzen, „dieses Projekt beweist das“.

Unverzichtbarer Kleinkram

Welchen Einfluss hat Licht aufs Wachstum? In Asendorf werden viele unterschiedliche Bedingungen untersucht.
Welchen Einfluss hat Licht aufs Wachstum? In Asendorf werden viele unterschiedliche Bedingungen untersucht. (Vasil Dinev)

Weiter in die Rhizotron-Anlage. Hier geht es ausschließlich um den Teil der Pflanze, der unter der Erde wächst. „Das Interesse an den Wurzeln ist erst in den vergangenen zehn Jahren vermehrt entstanden“, hat Feuerstein beobachtet. Asendorfer Saatveredler haben hier Neuland betreten, mussten verschiedene Techniken entwickeln, um näher an die Wurzeln heranzukommen, um sie wachsen zu sehen. „So etwas gibt es nicht von der Stange“, weiß der Projektleiter. Entsprechend wimmele es in dieser Abteilung von Prototypen und Unikaten. Zum Beispiel wurden Sensoren in den Boden eingepflanzt, um Temperatur und Feuchte messen zu können.

Es ist wissenschaftliche Arbeit, die am Steimker Weg in Asendorf geleistet wird. Kleinkram oft, aber eben unverzichtbarer Kleinkram. Bei welcher Temperatur und welcher Bodenbeschaffenheit wächst eine Rapswurzel am besten? Dafür muss die Wurzel sichtbar sein, dafür muss regelmäßig das Wachstum über Kameras dokumentiert werden. Speziell behandeltes Saatgut wird häufig händisch auf die angepachteten Äcker eingebracht. Und auf einem Versuchsfeld stehen Rapspflanzen, die mit einem Plastikbeutel überzogen wurden. Wozu wohl das?

Botanischer Name: Phlox
Die sogenannte Flammenblume lockt nicht nur Hummeln an. Auch Schmetterlinge fühlen sich auf dem Phlox sehr wohl. Der optimale Standort für die Staude ist im Freien, an einem sonnigen bis halbschattigen Platz. Beispielsweise bei Staunässe gehen die Pflanzen schnell ein.
Botanischer Name: Lunaria
Der Judastaler (auch Silberblatt genannt) gehört zur Familie der Kreuzblütengewächse. Er ist eine winterharte Pflanze und kommt weltweit nur in drei verschiedenen Arten vor. Der Judastaler fühlt sich an sonnigen und halbschattigen Plätzen wohl und benötigt viel Pflege, da sie zum Verwildern neigt.
Botanischer Name: Echinops
Die Kugeldistel gehört der großen Familie der Korbblütler an und bevorzugt heiße Orte mit vielen Sonnenstrahlen. Ein nährstoffreicher und durchlässiger Boden bietet die optimale Kombination für die Staude. Da sie in nahezu jedem Boden gedeihen kann, ist sie eine sehr pflegeleichte Pflanze, die im Winter allerdings vor Frost etwas geschützt werden sollte.
Botanischer Name: Eryngium
Die distelähnliche Staude Mannstreu wird oft auch als Edeldistel bezeichnet. Es ist eine sehr artenreiche Pflanzengattung und stammt aus der Familie der Doldenblütler. Edeldisteln brauchen wenig Wasser und Pflege, allerdings sollte man Verblühtes abschneiden.
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30 Mitarbeiter verdienen ihr Brot bei der Deutschen Saatgutveredelung in Asendorf, Wissenschaftler, landwirtschaftlich-technische Assistenten, Landwirte und Saatzuchthelfer. Insgesamt beschäftigt die Aktiengesellschaft mit Hauptsitz in Lippstadt 600 Menschen. In Thüle wird an Winterraps gearbeitet, in Leutewitz an Weizen und Gerste. Weitere Saatzuchtstationen betreibt die DSV in der Ukraine, den Niederlanden, Frankreich und England. „Damit haben wir die wichtigsten Märkte abgedeckt“, meint Ulf Feuerstein. Vor allem die Ukraine habe „sehr viel Potenzial“.

In Asendorf indes beschäftigen sie sich weiter mit Raps und Rasen. „Wir müssen in Zukunft präziser erfassen können, was das menschliche Auge nicht erkennen kann“, blickt Feuerstein voraus. Drohnen und Luftbildauswertung sollen genauere Erkenntnisse über Wuchshöhen und Krankheiten liefern. Und auch Infrarotkameras werden sicherlich zukünftig neue Erkenntnisse erbringen. „Unsere Aufgabe ist es dann, das Knowhow aus der Forschung in die Wirtschaft zu transportieren.“


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