Oldenburg Tanztheater im einstigen Fliegerhorst

Oldenburg. Nackte Körper, ein stillgelegter Militärflugplatz und religiöse Choräle - das Tanzstück "Air Ways" setzt im Oldenburger Fliegerhorst auf starke Kontraste. Es geht um die Suche nach der Wahrheit, um Wissenschaft und Spiritualität, Inspiration und Erkenntnis.
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Oldenburg. Nackte Körper, ein stillgelegter Militärflugplatz und religiöse Choräle - das Tanzstück "Air Ways" setzt im Oldenburger Fliegerhorst auf starke Kontraste. Es geht um die Suche nach der Wahrheit, um Wissenschaft und Spiritualität, Inspiration und Erkenntnis.

Gleißendes Scheinwerferlicht ist auf das nackte Paar gerichtet. Mit einer kraftvollen Bewegung zieht der Mann die Frau an sich heran und hebt sie hoch. Die Körper der beiden Tänzer verschmelzen und trennen sich wieder. Dazu erklingt die Berliner Messe des Komponisten Arvo Pärt, die dieser für den Deutschen Katholikentag 1990 geschrieben hatte.

Erotische Spannung und Brüche ziehen sich wie ein roter Faden durch das Tanzstück "Air Ways", das an diesem Samstag am Oldenburgischen Staatstheater uraufgeführt wird. In ihm thematisiert das Choreographen-Paar Guy Weizman und Roni Haver die vermeintlichen Widersprüche von Wissenschaft und Spiritualität.

"In dem Stück geht es darum, abzuheben, also in eine höhere Dimension zu gelangen", erläutert Weizman. Für den in Israel geborenen Choreographen bedeutet das vor allem Erkenntnis - und die lässt sich sowohl in Wissenschaft als auch in Religion finden. "Beide ergänzen sich, aber natürlich gibt es auch Spannungen."

Symbolischer Ort

Abheben, wo könnte man das besser als auf einem Flugplatz? Da traf es sich, dass das Staatstheater während des Umbaus seines Großen Hauses die Halle 10 auf dem stillgelegten Fliegerhorst am Rande der Stadt als Ersatzspielstätte nutzt.

Am Anfang herrscht absolute Stille. Bunte Lichtprojektionen laufen über die nackten Betonwände der alten Flugzeugwerft. Drei Tänzerinnen bewegen sich im Kegel des Scheinwerfers, in Wellen lassen sie Arme und Schultern kreisen. Erst dann setzt die Musik ein.

Die fast 500 Quadratmeter große Bühne teilt sich das Ensemble mit dem Orchester, der Kammerchor steht oberhalb auf einer Galerie. Den meditativen, fast mystischen Klängen setzen Weizman und Haver eine temporeiche Choreographie entgegen. Die Bewegungen der elf Tänzer ecken an - zuweilen wirken sie wie Aufziehpuppen mit versteiften Gelenken. Dann fallen sie wieder in ein harmonisches Fließen.

"Es war eine Herausforderung, die Spiritualität in der Musik herauszuarbeiten", erläutert Felix Brenner. Über Improvisationen näherten sich der 30-Jährige und die anderen Tänzer dem abstrakten Thema. Dass er sich für das Duett mit seiner Kollegin ausziehen muss, beinhaltet für ihn durchaus ein religiöses Motiv. "Für mich sind das Assoziationen zur Geburt und zu Adam und Eva."

Auch die Besucher sollen mit eigenen Assoziationen aus dem 75 Minuten langen Stück gehen. "Diese Form des Tanzes ist nicht direkt etwas zum Verstehen, sondern zum Erfahren", meint Honne Dohrmann, Direktor der Oldenburger Tanzkompanie. Sein Ensemble arbeitet ausschließlich mit Gastchoreographen, mit dem im niederländischen Groningen lebenden Weizman bereits zum zweiten Mal.

Dieser sagt über sein Stück: "Es ist eher wie Poesie. Es sagt einem nicht, was man sieht, sondern es gibt einem Inspirationen." Am Ende zeigt ein Video eine Tänzerin, die über die grasbewachsene Landebahn des früheren Bundeswehr-Flugplatzes läuft - und einfach abhebt. Wohin, bleibt der Fantasie überlassen. (dpa)

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