Vor 25 Jahren stoppten die berüchtigten Geiselnehmer von Gladbeck am Rastplatz Grundbergsee in Sottrum

Tatort Raststätte

Ein spektakulärer Fall spielte sich vor 25 Jahren auch in Sottrum ab – das Geiseldrama von Gladbeck. Die Nation verfolgte am Fernseher und bei der Zeitungslektüre, wie die flüchtigen Bankräuber und Geiselnehmer Dieter Degowski und Hans-Jürgen Rösner nebst Rösner-Freundin Marion Löblich 54 Stunden lang durch halb Deutschland flohen. An der Raststätte Grundbergsee, wo sich ein Teil der fürchterlich-aufsehenerregenden Tat abspielte, ist sie noch heute Gesprächsthema.
16.08.2013, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Tina Hayessen
Tatort Raststätte

Ein spektakulärer Fall spielte sich vor 25 Jahren auch in Sottrum ab – das Geiseldrama von Gladbeck. Die Nation verfolgte am Fernseher und bei der Zeitungslektüre, wie die flüchtigen Bankräuber und Geiselnehmer Dieter Degowski und Hans-Jürgen Rösner nebst Rösner-Freundin Marion Löblich 54 Stunden lang durch halb Deutschland flohen. An der Raststätte Grundbergsee, wo sich ein Teil der fürchterlich-aufsehenerregenden Tat abspielte, ist sie noch heute Gesprächsthema.

Sottrum. Freiheit nach 39 Stunden Geiselnahme: Für die beiden Bankangestellten, die heute vor 25 Jahren in Gladbeck-Rentfort zu Geiseln wurden, ist die Raststätte Grundbergsee an der A1 der Ort, wo sie endlich den beiden flüchtigen Bankräubern Dieter Degowski und Hans-Jürgen Rösner aus deren Flucht-Bus entkamen. Am 17. August 1988 machten die Verbrecher hier Halt, die Polizei überwältigte Rösners Freundin Marion Löblich, zwei Geiseln flohen. Ein Ort, der für zwei Menschen Freiheit bedeutete, brachte einem dritten den Tod: Als Reaktion auf Flucht und Festnahme erschießt Degowski im Bus den 15-jährigen Italiener Emanuele de Giorgi.

An den Fall erinnert sich Lutz John noch gut. Zusammen mit seinem Bruder Peter ist er Pächter der Raststätte Grundbergsee. Vor 25 Jahren war hier zwar noch der Vater Chef und beide Brüder hatten in dieser Nacht keinen Dienst – aber die unerhörten Ereignisse sind hier dennoch auch nach 25 Jahren Gesprächsthema. "Ich habe da gerade noch drüber geredet", sagte Lutz John gestern auf das Geiseldrama angesprochen. Wie Millionen Deutsche habe er davon aus dem Fernsehen erfahren – allerdings mit dem besonders grausigen Gefühl, dass er da auch hätte stehen können. Mittendrin in einem der spektakulärsten Kriminalfälle der deutschen Geschichte.

Moment der Angst

Dass er da hätte auch stehen können, das war ein Gedanke, der seine Frau für kurze Zeit in große Angst versetzte. "Die war damals im Krankenhaus. Von einer Schwester hatte sie erfahren, dass an der Raststätte Grundbergsee jemand erschossen wurde", erinnert sich Lutz John. "Selbstverständlich hat sie sich furchtbar erschreckt." Wobei auch denjenigen, die damals auf der Raststätte im Dienst waren, nichts geschah. Zumindest kein körperliches Leid. "Das war natürlich ein großer Schock für die, die vor Ort waren", meint Lutz John, an die Namen der Mitarbeiter kann er sich allerdings nicht mehr erinnern. Überhaupt sei der ganze Fall schließlich "schon ewig her", was ihm letztendlich dann doch ein wenig den Schrecken nehme. Angst vor der Arbeit habe er deswegen sicherlich nicht. Wie viel Zeit vergangen ist, seitdem die Raststätte Grundbergsee für kurze Zeit Schauplatz einer berühmten Geiselnahme wurde, sieht man auch am Rastplatz selbst: Früher war hier kaum mehr als eine Tankstelle, inzwischen gibt’s mehrere gastronomische Betriebe und etliche LKW-Stellplätze. Es braucht schon viel Fantasie, um in den Fotos, die vor 25 Jahren durch die großen Zeitungen gingen, diese Raststätte wiederzuerkennen.

Eine Sonderseite zum Thema Geiselnahme von Gladbeck finden Sie in der heutigen Hauptausgabe des WESER-KURIER auf Seite 4.

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