Tarmstedter Ausstellung 2010 Technik fasziniert Fachbesucher und Laien

Tarmstedt. Familienausflug, Fachbesuch oder einfach bummeln - die Gäste der Tarmstedter Ausstellung haben viele Gründe, sich für die Anreise bis zu drei Stunden ins Auto zu setzen. Landwirte und Familien sind zufrieden mit Angebot der 62. Tarmstedter Ausstellung.
13.07.2010, 06:00
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Technik fasziniert Fachbesucher und Laien
Von Undine Zeidler

Tarmstedt. Gummitiere unterm Sonnendach - für die Barfüßler Lukas und Mads sind die genau richtig. Vater Stefan Allers öffnet seinen Gelbeutel, und jeder der Jungen trägt eine rot-weiße Tüte voll Zuckerwerk von dannen. Mit Großeltern, Bollerwagen und Kühlbox ist Tarmstedt für die Mulsumer alljährlich das Ziel ihres Familienausflugs. 'Weil Lukas Trecker so gern mag', sagt Mutter Sabine. 'Äh, äh', kräht der Siebenjährige, 'das Riesenrad ist am besten'.

Familienausflug, Fachbesuch oder einfach bummeln - die Gäste der Tarmstedter Ausstellung haben viele Gründe, sich für die Anreise bis zu drei Stunden ins Auto zu setzen. Familie Allers läuft nur einen Stand weiter. Dort bewundern die Erwachsenen moderne Scheren und Messer. 'Wo sind die Jungen?', fragt die Mutter aufgeschreckt. Ein Kontrollblick. Sie entdeckt die Söhne im Zelt gegenüber. Zusammen mit dem Aussteller lassen sie die Füße in einem Planschbecken baumeln.

Schon am Vormittag zeichnet die Hitze ihre Spuren auf die Hemden und Shirts der Besucher. Sie fächeln sich mit Prospekten Kühlung zu, bewegen sich langsamen Schrittes übers Gelände. Ein Trecker spendet Schatten. Darin verschnaufen vier junge Männer aus Amelinghausen. Sie arbeiten bei einem Landwirtschafts-Dienstleister. 'Der Chef hat gesagt, wir fahren nach Tarmstedt', erzählen sie. Auf der Ausstellung wollen sie sich über die Neuerungen der Maschinenanbieter informieren, die in der heimischen Firma auf dem Hof stehen könnten - Technik für Feldbestellung und Ernte. 'Informativ und familiär - klein und überschaubar ' empfindet Henning Heuer aus der Truppe das Gelände.

Als Sehleute sind Helga Kleimann und Janette Jakobs unterwegs. Für die Frauen aus der Grafschaft Bentheim ist Tarmstedt ein Muss, zumal die Männer sich bei Strohheizanlagen und Melktechnik informieren wollen. 'Es hat uns gut gefallen', sagt Kleimann. 'Aber es ist einfach zu heiß', sagt sie und tupft den Schweiß von der Stirn.

'Für das Wetter können die Veranstaltern nichts', kommentiert Reinhard Tietjen aus dem Kreis Cuxhaven. Anders verhält es sich für ihn und Sohn Nicolai mit den Wegweisern auf dem Gelände: 'Die sind ein großes Manko'. Am Freitag waren sie schon einmal da, vergeblich. Den gewünschten Stand für Kehrmaschinen von Heitmann hatten die Milchviehhalter nicht gefunden. Im Ausstellerverzeichnis stehe er nicht, und an der Information habe auch niemand helfen können. Beim zweiten Anlauf hatten sie mehr Glück, nach dem Gespräch am Stand wollen sie noch weiter nach Technik gucken. 'Wir sind fachinteressiert', sagt der Vater.

Zwei junge Männer schlendern zwischen Riesenschlauchrollen herum. 'Wir sind wegen der Frauen hier', erzählt Sascha Haase aus Osnabrück. 'Wir gucken einfach', sagt er, während die Reiterinnen am Tierschaugelände die Pferdevorführungen verfolgen.

Vorschlag: Gratiswasser

An der Technik berauschen sich Christian Weirauch und seine Begleiter aus der Nähe von Osnabrück - am Stand von Hünert und Kramp. Weirauch sitzt in der Demokabine, bedient mit Hilfe von Berater Jens Mund das Cockpit mit High-Tech für den Acker. Der Schlepper daneben, mit Kreiselegge und Hacker bestückt, führt die Befehle aus: Der Motor heult, Räder drehen sich in der Luft und das Feldgerät senkt sich auf den Boden. Die vier mitgereisten Jungen recken ihre Köpfe über die Hebel und schauen fasziniert zu. 'Es ist einfach toll zu sehen, was die Technik hergibt', schwärmt Weirauch. Das Profil an einem mannshohen Reckerrad betasten Otto Gerloff und Ulrich Steiner.

Seit 15 Jahren reisen sie aus dem Landkreis Helmstedt an. 'Hier ist alles optimal, da gibt es keine Steigerung', loben die Landwirte. In den letzten Jahren habe sich in Tarmstedt vieles verbessert. Die Männer interessieren sich für die neueste Technik und sprechen mit Händlern. 'Hier ist für die ganze Familie etwas dabei', betont Gerloff. Ihre Angehörigen hätten sie lieber zu Hause gelassen, erzählt er lachend. 'Wir wollen in Ruhe gucken'. Mini-Trecker mit Ausstellungsrabatt gibt es für die Kinder der Familie Mohr. Für sich wünscht der Hobby-Forstwirt aus Stade erschwinglichere Preise für das Landwirtschaftsgerät.

Der Besucher-Tenor ist in diesem Jahr weitgehend positiv: Eintritt und Parken seien erschwinglich, das Angebot sei vielseitig, und für das Wetter könne nun mal keiner etwas. Preiswertere Getränke und Gratiswasser für die Gäste schlagen Hajo Timmermann und sein Sohn als Verbesserung vor. Sie sitzen zusammen in der Führerkabine eines Treckers, untersuchen Hebel und Schalter, probieren das Klappdach aus. Deswegen sind sie hier, wie der Vater sagt, denn : 'Technik macht Spaß.'

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