Bundesanstalt für Immobilienaufgaben hat Investor für 4,2 Hektar des ehemaligen Munitionslagers gefunden

Teil des Muna-Geländes verkauft

Axstedt. Seit etwa drei Jahren sucht die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben Käufer für das ehemalige Munitionsdepot der Bundeswehr in Lübberstedt. Für einen Teil des geschichtsträchtigen Geländes ist nun ein Investor gefunden worden.
08.02.2013, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Teil des Muna-Geländes verkauft
Von Brigitte Lange

Axstedt. Seit etwa drei Jahren sucht die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben Käufer für das ehemalige Munitionsdepot der Bundeswehr in Lübberstedt. Für einen Teil des geschichtsträchtigen Geländes ist nun ein Investor gefunden worden. Der Kaufvertrag ist unterzeichnet.

Bei der Muna Lübberstedt stehen die Zeichen auf Neuanfang: Nach gut dreijähriger Suche hat die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) einen Käufer für den nördlichen Teil des ehemaligen Munitionslagers der Bundeswehr gefunden. Kurz vor dem Jahreswechsel ist der rechtskräftige Kaufvertrag mit der Mini-Markt GmbH Bremerhaven unterzeichnet worden. Bis zur Zahlung des Kaufpreises und der Eintragung ins Grundbuch müssen zwar noch einige Dinge geklärt werden. Die Bima zweifelt aber nicht am Abschluss des Geschäfts. Sie habe "keine Veranlassung" zu glauben, dass der Handel nicht zustande komme, erklärt Wera Buhr (Bima) auf Nachfrage dieser Zeitung.

Insgesamt 406 Hektar misst die Liegenschaft. "Ein kleiner Teil davon hat einen Käufer gefunden; etwa ein Prozent", sagt Buhr. Diese 4,2 Hektar umfassen den Haupteingang samt Tor sowie das Verwaltungsgebäude, die Turnhalle, Fahrzeughallen und ein kleines Wachhäuschen. "Alles was südlich davon ist, ist noch im Eigentum der Bima", berichtet Buhr. Dabei handele es sich größtenteils um Forstflächen. Einige der verkauften Räume würden zurzeit genutzt. Sie seien von der Bima vermietet worden. Diese Verträge gingen nun an die künftigen Eigentümer über.

Der Vorsitzende des Arbeitskreises Muna Lübberstedt vertraut darauf, auch nach dem Eigentümerwechsel das Wachhaus mieten zu können.

Foto: Tobias Langenbach

Einer der Mieter ist der Arbeitskreis Muna Lübberstedt. Der Verein hat über Jahre die Geschichte der ehemaligen Lufthaupt-Munitionsanstalt aufgearbeitet, hat das Schicksal der Zwangsarbeiter und Juden recherchiert, die während des NS-Regimes dort zur Arbeit gezwungen wurden, hat zu Erkrankungen und Todesfällen, Kriegsende und Befreiung geforscht. Seit Kurzem darf der Verein monatlich Führungen auf dem rigoros abgeriegelten Gelände organisieren. Als Ausgangsort für die Führungen, als künftigen Ausstellungsort für die Forschungsergebnisse hat der Arbeitskreis das alte Wachhäuschen von der Bima gemietet. "Wir wollen möglichst langfristig bleiben", teilt der Vorsitzende, Erdwig Kramer, unserer Redaktion mit. Er hoffe nun auf ein gutes Gespräch mit der Mini-Markt GmbH.

"Der Käufer könnte diese Mietverträge kündigen", räumt Wera Buhr ein. "Er weiß aber, dass uns und der Gemeinde Axstedt dieses Mietverhältnis am Herzen liegt." Laut Buhr habe die Mini-Markt GmbH auch bereits ihre Bereitschaft dazu signalisiert. Wera Buhr ist überzeugt, der Arbeitskreis müsse sich keine Sorgen machen.

Zu den weiteren Mietern gehöre zurzeit die Raiffeisengenossenschaft. Sie habe Lagerraum gebraucht. Auch als Winterquartier für Torfkähne seien die Hallen genutzt worden, berichtet der Verwaltungsvertreter der Gemeinde Axstedt, Friedhelm Lütjen. Er weist darauf hin, dass all diese Nutzungen vom Landkreis Osterholz nur geduldet werden. Denn – wie für alle Bundeswehrliegenschaften – existiert für die Muna kein Bebauungsplan. Und ohne den geht eigentlich gar nichts.

Bevor der neue Investor aufgetaucht war, hatte die Gemeinde Axstedt daher vor der Aufgabe gestanden, eben diese 4,2 Hektar zu überplanen. Angesichts der Entwicklung ruhen diese Bestrebungen nun. Damals sollte der Bereich der Fahrzeughallen für gewerbliche, der des Verwaltungsgebäudes und der Turnhalle für schulische Nutzung ausgewiesen werden. Grund: Die Freie Schule Lübberstedt hatte Interesse am Verwaltungstrakt signalisiert. "Bis zum Schluss waren wir im Gespräch mit der Freien Schule", bestätigt Buhr. Am Ende habe die aber Abstand genommen. Buhr vermutet, dass die erwartungsgemäß hohen Sanierungs- und Unterhaltungskosten die Schule abgeschreckt hätten.

Friedhelm Lütjen ist nun gespannt, wie das Konzept des neuen Käufers aussieht, welche Pläne er für die 4,2 Hektar verfolgt. Schließlich muss für diese Vorhaben ebenfalls ein Bebauungsplan aufgestellt werden. Lütjen: "Ich warte jetzt, dass der Käufer auf die Gemeinde zukommt."

Dieser lässt sich Zeit. So lange nicht alle Genehmigungen eingeholt seien, halte Mini-Markt sich zurück, teilte der von der GmbH beauftragte Handlungsbevollmächtigte Werner Müller dieser Zeitung mit. Vor allem die Entscheidung des Grundstücksverkehrsausschusses des Landkreises Osterholz will er abwarten.

Landkreisdezernent Richard Eckermann berichtet, dass dieses Gremium dem Verkauf von Flächen, die größer als ein Hektar sind und möglicherweise landwirtschaftlich oder forstwirtschaftlich nutzbar wären, zustimmen muss. Vertreter des Kreistages und des Landvolks gehören dem Ausschuss an. Sie sollen verhindern, dass mit land- beziehungsweise forstwirtschaftlichen Flächen spekuliert wird, dass die Landwirtschaft kostbare Flächen verliert. "Das ist ein scharfes Schwert", räumt Eckermann ein. Im Muna-Fall hält er den Vorgang aber eher für Standard. Er ist sich nicht sicher, ob Land- und Forstwirtschaft aufgrund der vorhandenen Gebäude überhaupt Interesse an der Fläche haben. "Die Frage ist noch nicht abschließend geklärt", sagt er. Ohne einer Entscheidung vorgreifen zu wollen, glaubt er jedoch, dass ein Nein in diesem Fall "ungewöhnlich" sei.

Werner Müller hält sich dennoch bedeckt. Der Kaufmann ist vorsichtig. Er geht davon aus, dass erst in zwei Monaten alle offenen Fragen rund um den Kauf beantwortet sein werden.

Auf Nachfrage unserer Redaktion berichtet er aber, dass die Mini-Markt GmbH Bremerhaven landauf, landab kleine Bio-Läden nach Tante-Emma-Konzept mit regionalen Produkten eröffne. Ihr Werbe-Slogan laute: Mini-Markt – "der grüne Bio-SB-Markt an Ihrer Seite". Was die 4,2 Hektar in Axstedt betreffen, "so können wir uns alles vorstellen", sagt Müller, um am Ende doch noch etwas konkreter zu werden. Abgesehen von einem Bio-SB-Markt denkt der Käufer darüber nach, das alte Verwaltungsgebäude in eine internationale Jugendherberge zu verwandeln.

Und zum Thema Mietverträge stellt Werner Müller klar, dass der Mini-Markt GmbH an einem guten Verhältnis mit den Mietern gelegen sei.

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