Kaum Infektionen bei Schülern

Verwunderung über Testergebnisse

Der IGS und dem Gymnasium Lilienthal sind bisher keine positiven Selbsttest-Ergebnisse gemeldet worden. Das finden manche Beobachter mit Blick auf die hohe Anzahl an Schülern merkwürdig.
06.05.2021, 08:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Irene Niehaus
Verwunderung über Testergebnisse

Auch in Niedersachsen geht der Unterricht im Monat Mai mit einer Corona-Testpflicht weiter.

Julian Stratenschulte/dpa

Lilienthal/Grasberg. Seit der Rückkehr aus den Osterferien testen sich Schüler vor dem Präsenz-Unterricht auf das Coronavirus. An Grundschulen in Lilienthal und Grasberg waren in den vergangenen drei Wochen einige wenige Selbsttests positiv. Kein einziger positiver Selbsttest, auch keiner mit einem falsch-positiven Ergebnis, wurde dagegen den zwei weiterführenden Schulen in Lilienthal gemeldet. Angesichts der hohen Zahl der Schüler an IGS und Gymnasium sorgt das für Verwunderung.

Niedersächsische Schüler und Schülerinnen müssen sich zwei Mal pro Woche auf das Coronavirus testen. Für einen Abstrich führen sie zu Hause ein Stäbchen in die Nase, sie warten 15 Minuten und sehen dann, ob sie Corona-negativ sind oder nicht. Ihre Eltern sind verpflichtet, das negative Testergebnis schriftlich zu bestätigen. Auch im Falle eines positiven Test-Befunds müssen die Eltern die Schule informieren, so sieht es das Land Niedersachsen vor.

Aktuell befinden sich im Landkreis Osterholz 22 Kinder und Jugendliche in einem Alter zwischen sechs und 19 Jahren als bestätigte Fälle in Quarantäne (von 123 aktiv infizierten Personen). Von einigen wenigen Corona-Fällen betroffen waren in den vergangenen drei Wochen die Schroeterschule in Lilienthal und die Grundschule Grasberg, momentan noch in Quarantäne sind Schüler der Grundschule Dreienkamp in Schwanewede, teilt die Osterholzer Kreisbehörde mit. An der KGS Tarmstedt sind laut Schulleiterin Sandra Pohl bislang wenige positive Testergebnisse aufgetreten, davon wurde eines mittels PCR-Test bestätigt. Niedersachsenweit waren in der vorvergangenen Woche laut Kultusministerium 667 Schülerinnen und Schüler mit einem Selbsttest positiv getestet worden, bei fast 500 davon wurde das Ergebnis später bestätigt.

Um so überraschender erscheint die Lage an den weiterführenden Schulen in Lilienthal. Immerhin besuchen rund 900 Schüler die IGS und rund 1300 das Gymnasium. Ihren Schulen seien bisher kein positiver Selbsttest gemeldet worden, bestätigen die Schulleiter Karina Kögel-Renken (IGS) und Denis Ugurcu (Gymnasium). Das wundere ihn sehr, sagt Denis Ugurcu. „Ich bin zwar Laie, aber rein statistisch gesehen ist unser Ergebnis nicht nachvollziehbar.“ Er spricht von einem Phänomen, das er sich nicht erklären könne.

Auch der Bremer Virologe Andreas Dotzauer zeigt sich erstaunt angesichts dieser hohen Zahl an getesteten Schülern, wie er auf Nachfrage sagt. Eine Erklärung könnten in seinen Augen die recht niedrigen Corona-Fallzahlen im Kreis Osterholz sein. Der Inzidenzwert liegt bei 62, die Zahl der aktuell aktiv Infizierten in Lilienthal gibt der Landkreis mit 22 an. Von einer Dunkelziffer geht Dotzauer, Leiter des Laboratoriums für Virusforschung an der Uni Bremen, nicht aus.

Für Selbsttests gilt: Je höher die Viruskonzentration in der untersuchten Probe, umso besser schlagen die Tests an. Kinder und Jugendliche gehören laut Dotzauer nun aber zu den Menschen, die bei einer Corona-Infektion kaum Symptome haben, weil sie eine relativ geringe Viruslast haben. Das heißt, selbst wenn sie infiziert sind, so Dotzauer, könnten ihre Tests ein falsches Ergebnis liefern. Und auch der Zeitpunkt spielt eine große Rolle: Ganz am Anfang der Krankheit und beim Abklingen der Erkrankung kann man leicht ein falsch-negatives Ergebnis angezeigt bekommen, weil die Viruskonzentration zu gering ist.

Bekannt ist, dass Selbsttests eine gewisse Fehlerquote aufweisen. Der Selbsttest, der an den niedersächsischen Schulen verwendet wird, kommt von der Firma Boson Biotech. Er ist auch in Discountern erhältlich. Der Test wurde laut Andreas Dotzauer durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) zertifiziert, was kein Qualitätskriterium sei, aber er erfülle die Mindestanforderungen des Paul-Ehrlich-Instituts. Das heißt, er muss zu über 80 Prozent diejenigen herausfiltern, die tatsächlich infiziert sind. Gleichzeitig muss er zu über 97 Prozent ausschließen, wer nicht infiziert ist.

Dass es bislang keine falsch-positiven Ergebnisse bei den Selbsttests am Gymnasium und an der IGS gab, überrascht, weil von 100 Personen, die mit dem Selbsttest von Boson Biotech negativ getestet wurden, statistisch gesehen fast eine Person (genauer 0,97) ein falsch-positives Ergebnis erhält. Bei 1000 Nichtinfizierten wären das schon fast zehn.

Virologe Dotzauer schließt nicht aus, dass bei der Durchführung des Tests Fehler gemacht werden und es deshalb zu falschen Ergebnissen kommt. „Eine Schwachstelle ist die Probenentnahme.“ An der IGS Lilienthal appellieren die Lehrer regelmäßig an die Schüler, den Test zuverlässig durchzuführen, betont Schulleiterin Kögel-Renken. „Wir haben das Vertrauen in die Schüler und Eltern, dass sie es richtig machen.“ Das Osterholzer Gesundheitsamt geht nach Aussage der Kreissprecherin Jana Lindemann davon aus, dass die meisten Erziehungsberechtigten „verantwortungsbewusst zum Schutz anderer Kinder und Schulbeschäftigten handeln und einen positiven Selbsttest melden. Der Landkreis hat derzeit keinen Anlass anzunehmen, dass systematisch positive Selbsttestergebnisse verschwiegen werden.“

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Zur Sache

Für 3000 der 3200 Schulen hat das niedersächsische Kultusministerium jetzt eine Bilanz für die zweite Testwoche gezogen. Die Auswertung der ersten beiden Testwochen hätten gezeigt, so Kultusminister Grant Hendrik Tonne, dass die Selbsttests ein wirksames Instrument seien, um Infektionsketten frühzeitig zu durchbrechen. „Mehr als 1000 Infektionen konnten identifiziert und so die Ausbreitung in Schulen und Familien verhindert werden. Die Tests sind ein Präventions-Tool, das gut funktioniert.“ Schule sei noch sicherer geworden, weiterhin handele es um Einzelansteckungen, Massenausbrüche in Schulen seien in Niedersachsen nicht zu verzeichnen, so Tonne. Nur bei einem negativen Testergebnis können die Schüler die Schule betreten und am Präsenzunterricht teilnehmen. Die Eltern beziehungsweise Erziehungsberechtigten sowie die volljährigen Schülerinnen und Schüler haben die Negativtestung gegenüber der Schule zu bestätigen. Bei einem positiven Testergebnis bleiben die Betroffenen zu Hause, informieren die Schule und nehmen Kontakt zu einem Arzt auf, um einen PCR-Test zu veranlassen.

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