Fluglärmkommission Bremen Thema Fluglärm immer im Blick

Das Thema Fluglärm ist in der Gemeinde Stuhr aktuell wieder auf der Tagesordnung. Der WESER-KURIER hat sich mit dem Vorsitzenden der Bremer Fluglärmkommission über die Arbeit der Gruppe unterhalten.
18.07.2018, 17:29
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Thema Fluglärm immer im Blick
Von Eike Wienbarg

Soll und kann die Flugroute über die Gemeinde Stuhr verlegt werden? Diese Fragen beschäftigen die Stuhrer Gemeindepolitik seit einigen Wochen. Anlass war ein Antrag von Mitgliedern der Kommission zur Abwehr von Fluglärm und Luftverunreinigungen für den Verkehrsflughafen Bremen – kurz Fluglärmkommission oder FLK –, der im Stuhrer Ausschuss für Gemeindeentwicklung und Umwelt am 14. Juni beraten, aber von den Ausschussmitgliedern aufgrund ihrer Ansicht nach fehlender Informationen zurückgestellt wurde (wir berichteten). Doch was macht eigentlich die FLK, die in diesem Verfahren eine nicht geringe Rolle spielt und in der auch zwei Vertreter des Stuhrer Gemeinderats sitzen? Der WESER-KURIER hat sich mit dem Vorsitzenden der FLK, Ralf Bohr, getroffen und über die Arbeit und die aktuellen Themen der Kommission gesprochen.

„Grundlage der Fluglärmkommission ist der Paragraf 32b des Luftverkehrsgesetzes“, sagt Ralf Bohr. Darin wird festgeschrieben, dass zur Beratung der Genehmigungsbehörde – in Bremen die Luftfahrtbehörde beim Senator für Wirtschaft, Arbeit und Häfen – sowie des Bundesaufsichtsamtes für Flugsicherung und der Flugsicherungsorganisation – in diesem Fall der Deutschen Flugsicherung (DFS) – an jedem Verkehrsflughafen eine Kommission gegründet werden muss. So natürlich auch am Bremer Flughafen. „Die Kommission soll Maßnahmen zum Schutz vor Fluglärm und Luftverunreinigungen beraten“, erklärt Bohr weiter. „Der Auftrag ist klar“, so der Vorsitzende über das Gremium, das bereits seit einigen Jahrzehnten existiert.

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Um ein möglichst breites Meinungs- und Kompetenzspektrum in der FLK zu gewährleisten, entsenden verschiedene Gruppen und Institutionen Vertreter in die Gruppe. So treffen sich in der Runde Mitglieder aus den vom Fluglärm betroffenen Stadtteilen – also aus den Beiräten – der Stadt Bremen, der Gemeinden Stuhr (Mitglieder des Rates) und Weyhe (Mitglieder der Verwaltung), Vertreter der verschiedenen Bremer Senatoren, Mitglieder der örtlichen Vereinigung zum Schutz Flugverkehrsgeschädigter (VSF) und dessen Bundesorganisation, der Bundesvereinigung gegen Fluglärm (BVF). Außerdem sind die Bremer Fluglärmschutzbeauftragte, die Deutsche Flugsicherung (DFS), der Flughafen Bremen, die Lufthansa Flight Training und der Bremer Verein für Luftfahrt in dem Gremium vertreten. So kommen laut Ralf Bohr rund 20 Teilnehmer bei den Treffen zusammen. Er selbst ist als Vertreter des Beirates Hemelingen, in dem er für die Grünen sitzt, seit 2009 dabei.

Je nach Betroffenheit stehen den Organisationen ein oder zwei Sitze zu. „Aus Stuhr kommen zwei Vertreter des Gemeinderates“, so Bohr. Aktuell sind dies Uwe Schweers (CDU) und Brigitte Großejung (SPD). Früher kamen auch Mitglieder der Verwaltung zu den Treffen, erinnert sich Bohr. Das habe aber mit der letzten Wahl gewechselt.

Die FLK trifft sich drei- bis viermal im Jahr – früher am Flughafen, seit Neustem aber beim Wirtschaftssenator. Dabei geht es dann um alle Themen rund um den Flughafen. Auf der aktuellen Agenda steht dabei natürlich auch die diskutierte Änderung der Flugroute über Stuhr, sagt Ralf Bohr, der seit sechs Jahren den Vorsitz der FLK inne hat.

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Wie berichtet, war der Vorstoß zur Beratung aus den Reihen der VSF um den Moordeicher Volker Reinhold gekommen. Die VSF fordert, dass die Überflugroute über die Gemeinde Stuhr, die zurzeit vor allem über Alt-Stuhr und Moordeich führt, überprüft werden soll. Laut VSF ist eine Verlegung der Route, die dann über das Gewerbegebiet Stuhrbaum führen soll, möglich. So seien weniger Menschen vom Lärm der nach Süden fliegenden Flugzeuge betroffen, ist die VSF überzeugt.

„Auf der anderen Seite wurde das schon getan“, berichtet Ralf Bohr. So wurde bei der sogenannten Wesertalroute, die bei Starts Richtung Osten geflogen wird, der Drehpunkt der Flugzeuge über das Gewerbegebiet Hansalinie gelegt. Dadurch seien die Einwohner in Arbergen und Hemelingen weniger von Lärm betroffen, so Bohr. Auch über Osterholz wurde eine Linie umgelegt. Dort sollten vor allem die Menschen in Tenever entlastet werden. „Es ist zu einer marginalen Entlastung gekommen“, berichtet Bohr aus den Verfahren.

In der nächsten Sitzung der FLK soll es dann auch um die Route über Stuhr gehen. Gestritten wird dort vor allem um die Machbarkeit der vorgeschlagenen Kurve, die die Piloten direkt nach dem Start fliegen sollen. Auch die Stuhrer Ausschussmitglieder verlangten in ihrer damaligen Sitzung weitere Informationen. „Wir müssen die Mitglieder in den Kenntnisstand setzen, damit sie eine Meinung abgeben können“, findet auch Bohr. Der FLK-Vorsitzende hofft auf ein baldiges Votum der Stuhrer Politik zu der Frage. Dann wäre auch die Mehrheitsfindung in der Fluglärmkommission einfacher. Immerhin liege der Antrag schon seit zwei Jahren vor, und schon in den 1990er-Jahren sei über das Thema diskutiert worden.

Auch eine weitere Lärmschutzfrage, die Stuhrer Bürger betrifft, wird die FLK bald beschäftigen. Dabei geht es um den Schutz für den Ortsteil Kuhlen. Der Bereich ist vor allem seit der Verlängerung der Startbahn des Bremer Flughafens von Lärm betroffen. Ein Wall und eine Mauer sollen vor Ort den Schall ein wenig dämpfen. Laut Vorgaben müsse die Konstruktion eine Höhe von sieben Metern aufweisen, so Ralf Bohr. Aber: „Die Wand ist löcherig und der Wall abgesackt“, sagt er. Außerdem sei mit neuen Erkenntnissen und modernen Schallschutztechniken ein besserer Schutz möglich. „Da hat sich einiges getan“, sagt Bohr und spricht von möglichen „schallschluckenden“ Elementen. Anlässlich neuer EU-Vorgaben solle sich im Jahr 2019 damit beschäftigt werden. Auch sieht Bohr die Gemeinde Stuhr in der Pflicht. Als Vertragspartner habe sie das Recht, den Flughafen zu einer Lösung des Problems aufzufordern.

Für Hajo Giesecke, Leiter des Fachbereichs Bau, Recht und Ordnung bei der Gemeinde Stuhr, ist das Problem neu. „Uns liegen keine wesentlichen Beschwerden aus Kuhlen vor“, berichtet er und ergänzt: „Wir haben eine gute Zusammenarbeit mit dem Bremer Flughafen.“ Alle Vorhaben, die 1989 im Vertrag zwischen der Gemeinde Stuhr und Bremen vereinbart wurden, seien auch umgesetzt worden.

Ein Dauerbrenner in der FLK ist auch das Thema Nachtflugverbot. So sind in der Zeit zwischen 22 und 6 Uhr keine Starts und Landungen ohne Ausnahmegenehmigung erlaubt. Trotzdem landen immer wieder Flugzeuge nach 22 Uhr, so Bohr. Einige Fluggesellschaften, die sogenannten Homecarrier, dürfen mit zwei Flügen auch bis 23 Uhr landen. Bei Verspätungen sogar bis 24 Uhr, so Bohr. „Das ist ein Persilschein für die“, kritisiert Bohr. Und die Relevanz der Lärmreduzierung ist für Bohr unverkennbar. Zahlreiche Studien hätten gezeigt, dass es einen Zusammenhang zwischen Lärm – gerade auch in der Nacht – und Herz-Kreislauferkrankungen gebe.

Aber auch ein weiteres Problem treibt den 53-Jährigen Fachinformatiker um. Vor einigen Jahren habe er den Vorstoß gemacht, die FLK öffentlich tagen zu lassen. „Die Genehmigungsbehörde hat die Teilöffentlichkeit abgelehnt“, sagt Bohr ein wenig enttäuscht. Immerhin seien nun aber die Protokolle der Sitzungen im Internet frei verfügbar.

Um die Transparenz des Flugverkehrs über Bremen und der Umgebung noch weiter zu erhöhen, hat die Kommission vor vier Jahren auch ein System gefordert, das die Flugspuren der Flugzeuge genau aufzeichnen soll. Ähnlich wie bei einigen Seiten im Internet, berichtet Bohr. Aber dieses Tool lasse immer noch auf sich warten.


Mehr Informationen zur Arbeit der Fluglärmkommission gibt es im Internet unter der Adresse www.wirtschaft.bremen.de/luftfahrt/fluglaermkommission-10170. Dort sind auch die Zusammensetzung der Kommission sowie die Protokolle der Sitzungen zu finden.

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