Feuchtes Vergnügen

70 Teilnehmer beim Kanu-Marathon auf der Wümme

Das warme Holz in den Händen, das kühle Wasser zwischen den Zehenspitzen: 70 Wassersportlerinnen und -sportler aus Norddeutschland und den Niederlanden haben am 25. Blockland-Marathon teilgenommen.
13.09.2020, 17:01
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
70 Teilnehmer beim Kanu-Marathon auf der Wümme
Von Petra Scheller
70 Teilnehmer beim Kanu-Marathon auf der Wümme

Thomas Kittner bei seiner Ankunft in Lesum.

CARMEN JASPERSEN

Blockland/Landkreis Osterholz. Das warme Holz in den Händen, das kühle Wasser zwischen den Zehenspitzen – bevor Silja Schnor vom Holzsteg in die Kleine Wümme steigt, testet die Bremerin erst mal die Wassertemperatur. 21 Grad zeigt das Thermometer am Schleusenhäuschen in Dammsiel. „Herrlich“, sagt die Kanutin und lässt ihr Boot vorsichtig ins Wasser geleiten. Sonnenstrahlen prickeln auf der Haut. Ein Tag wie im Bilderbuch.

Gemeinsam mit 70 Kanutinnen, Kajakfahrern und zwei Stand-up-Paddlerinnen startet die 27-jährige Findorfferin am frühen Sonnabendmorgen vom Lesumhafen aus, um am 25. Blockland-Marathon teilzunehmen. Das Traditionsrennen findet trotz erschwerter Corona-Bedingungen statt. So hat es das Organisationsteam um Inge Voigt-Köhler und Wolfgang Vöge vom Bremischen Landeskanu-Verband vor ein paar Wochen entschieden. „Wir haben deutlich mehr Helferinnen und Helfer, es gibt strenge Abstandsregeln und erstmals kein Kuchenbüffet“, berichtet Voigt-Köhler vor dem Start.

Los geht’s vom Anleger des Wassersportvereins Tura an der Lesum, von dort aus zunächst über die Wümme bis Dammsiel. Hier hat Schleusenwärter Dominik Bartels alle Hände voll zu tun. Doch die meisten Kanuten tragen ihre Boote um. Das geht schneller. Unter ihnen Marcel Paufler – der Europa- und Vizeweltmeister ist mit am Start. „Das Rennen ist ein bisschen wie die Tour de France des Kanusports. Es geht um Taktik, Ausdauer, um die richtige Strategie und natürlich um die Lust zu gewinnen“, sagt der 25-Jährige. Gemeinsam mit seinem Trainingspartner Martin Schubert fährt Paufler die Strecke, um sich auf die niederländischen Meisterschaften in Rotterdam vorzubereiten. Angefeuert werden die beiden von ihren Freundinnen. Johanna Falkenberg ist extra aus Würzburg angereist, um ihren Freund Marcel Paufler zu unterstützen. „Ich fahre selber auch Kanu, konnte aber diesmal nicht starten“, berichtet die Lehramtsstudentin. Die 70 Plätze waren schnell ausgebucht, erklärt Organisatorin Voigt-Köhler. Viele Wettkämpfe wurden bundesweit wegen Corona abgesagt. Deshalb waren die wenigen Start-Slots schnell vergriffen. „Kanufahren ist zu Corona-Zeiten ideal“, meint die Organisatorin. "Man ist draußen, hält Abstand und stärkt das Immunsystem.“

Ordentlich angefeuert wird auch Gabriele Preuß. Ihre Groupies vom Segelclub Blockland erwarten die Kajakfahrerin am Steg in Dammsiel. Von hier aus geht es über die Kleine Wümme, am Stadtwald vorbei bis Kuhsiel und wieder zurück über die Wümme bis zum Start.

Gegen 12 Uhr erreichen Silja Schnor und ihr Freund Daniel Berke die Schleuse Kuhsiel. Berke ist im Kanu der Fuß eingeschlafen, Hunger haben die beiden auch. Zeit für eine Pause? Auf keinen Fall! Die Breitensportler packt der Ehrgeiz. Schnors Bruder Simon und dessen Paddel-Partner Florian Damke werden die 41 Kilometer auch in einem Stück durchfahren. Aus ihrer Bluetooth-Box dröhnt laute Metal-Musik bis ans Ufer. „Das motiviert“, sagen sie. Für Robert Winkler aus Berlin hat Kanufahren eher etwas Meditatives. Weltmeister Thomas Kittner mag die Strecke, weil sie abwechslungsreich ist. „Ich schätze das Blockland wegen der Landschaft, es gibt Strömung und ganz unterschiedlichen Uferbewuchs.“ Auch Silja Schnor ist happy auf dem Wasser, während sie an Mädesüß und Wiesenschaumkraut vorbeizieht. Seit sie fünf ist, paddelt die Findorfferin über die Wümme. „Doch diesmal ist es besonders schön“, sagt sie.

Nach gut drei Stunden kommt Weltmeister Kittner als Erster ins Ziel. „Eigentlich wollte ich unter drei Stunden fahren, aber der Gegenwind auf dem letzten Stück hat mir einen Strich durch die Rechnung gemacht“, erklärt er am Steg. Vier Stunden nach ihm erreicht auch Wanja Landau schließlich den Lesumhafen. Die Sportlerin hat die 41 Kilometer stehend auf einem Brett zurückgelegt. „Das ist toll", sagt die Sportlerin im Ziel und macht ein glückliches Gesicht: "Man bekommt eine andere Sicht auf die Dinge."

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+