Vandalismus auf Tarmstedts Moorpfad ärgert die Verantwortlichen Tische im Tümpel

Ein herrlicher Flecken. Vögel zwitschern, Blätter rauschen, Birken biegen sich leicht im Wind. Ruhe. Idyllisch ist es am Moorpfad, knapp drei Kilometer vom Tarmstedter Rathaus entfernt am Rothensteiner Damm. Ein Ort zum Verweilen. Doch der schöne, entlegene Platz wird seit etwa neun Monaten von Vandalen heimgesucht. Die Verantwortlichen denken jetzt über eine Videoüberwachung nach
28.06.2012, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Irene Niehaus

Ein herrlicher Flecken. Vögel zwitschern, Blätter rauschen, Birken biegen sich leicht im Wind. Ruhe. Idyllisch ist es am Moorpfad, knapp drei Kilometer vom Tarmstedter Rathaus entfernt am Rothensteiner Damm. Ein Ort zum Verweilen. Doch der schöne, entlegene Platz wird seit etwa neun Monaten von Vandalen heimgesucht. Die Verantwortlichen denken jetzt über eine Videoüberwachung nach

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Tarmstedt. Im Tümpel liegen zwei kleine ovale Tischplatten. Jemand hat sie ins Wasser geworfen. Vorher ruhten sie auf Holzbalken vor Sitzbänken, auf denen Besucher des Moorpfads verweilen können. "Das ist nun schon ein paar Mal passiert", sagt Siegfried Kranz , Kassenwart der Tourist-Information der Samtgemeinde Tarmstedt, und deutet auf die Spuren der mutwilligen Zerstörung.

Tarmstedts Moorlehrpfad weist auf die 5000 Jahre alte Geschichte des Moores hin. Infotafeln erklären die Besonderheiten des Gebiets, eines kleinen Moorstücks mit Torfstich. Ein Kleinod am Rande Tarmstedts, wo neues Moor entstehen soll und wo seltene Pflanzen wie der Sprossende Bärlapp oder der fleischfressende Sonnentau ungestört gedeihen können. Dort, in der urwüchsigen Natur, können Interessierte das Leben im Moor und die Arbeit mit Torf nachempfinden und in einer schönen Natur- und Tierwelt eine Pause einlegen. Das Auge der Besucher sieht in letzter Zeit aber immer wieder die Folgen von Vandalismus.

Unbekannte tobten sich hier aus und setzten brachiale Gewalt ein. Sie rissen Tische und Bänke aus der Verankerung und versuchten, sie in den beiden Moortümpeln zu versenken. Schilder und Plakate wurden zerstört. Der 66-jährige Kranz und die anderen Verantwortlichen der Tourist-Information, alle ehrenamtlich tätig, zeigen sich ziemlich gefrustet. "Das erste Mal war ich sauer, jetzt bin ich nur noch frustriert", so Kranz. "Man hat nicht mehr große Lust, was zu machen."

Seit einem dreiviertel Jahr haben sie diesen Ärger. Wegen der sinnlosen Beschädigungen überlegt der Tourismusverein, Abstand davon zu nehmen, am Moorpfad einen Waldlehrweg einzurichten, erzählt Armin Springwald von der Tourist-Information. "Wer soll den denn in Ordnung halten?", fragt sich Kranz.

Keine Spur von den Tätern

Von den Tätern hat die Polizei keine Spur. Auch einen Verdacht hat sie nicht. "Wir hören uns um." Es handele sich vermutlich um Jugendliche oder junge Erwachsene, spekuliert Thomas Friedrichsen vom Tarmstedter Revier. Am Moorpfad fahren die Beamten gelegentlich Streife, doch solche Sachbeschädigungen passieren meistens abends oder am Wochenende, erzählt Friedrichsen. Die Zerstörung öffentlicher Einrichtungen ist weder ein Kavaliersdelikt noch ein Lausbubenstreich, sie stellt eine Sachbeschädigung dar, die strafrechtlich verfolgt werden kann. Und die Materialkosten dieser Schäden gehen zulasten der Mitglieder des Vereins und der Mitgliedsgemeinden der Samtgemeinde Tarmstedt und treffen somit wiederum den Steuerzahler.

Vandalismus ist laut Friedrichsen in Tarmstedt und in der Samtgemeinde momentan kein Thema. Deshalb schließt er nicht aus, dass die Täter aus dem Nachbarkreis Osterholz kommen, zumal der Moorpfad nah an der Kreisgrenze liegt.

An Attacken auf den Moorpfad in früheren Zeiten erinnert sich der ehemalige Vorsitzende des Verkehrsvereins, Hermann Blonn, nicht. Nur einmal, vor etwa zwei Jahren, hätte eine Gruppe dort gefeiert und "vergessen, ein Feuer auszumachen", erinnert sich Blonn. Auch er kann sich die aktuellen Fälle von Zerstörung am Moorpfad nicht erklären. Er fragt sich, ob der Schlagbaum, der bis vor einiger Zeit motorisierten Besuchern den Weg zum Moorpfad versperrte und entfernt wurde, dazu beitrug, auch junge Autofahrer mit Zerstörungswut abzuhalten. "Junge Leute sind ja zu faul zum Gehen", sagt er schmunzelnd. Aber ob es daran gelegen hat, wisse er nicht. Kranz und Springwald bezweifeln die Schlagbaum-These. Schließlich seien keine Spuren von Autoreifen gefunden worden.

Aber wie dem Vandalismus Herr werden? Einen privaten Sicherheitsdienst engagieren, wie es die Stadt Bremervörde nach mutwilligen Zerstörungen für ein paar Monate macht? "Das würde unseren finanziellen Rahmen sprengen", weiß Springwald. Die Mitarbeiter der Tourist-Information glauben, eine Überwachungskamera am Moorpfad könne Abhilfe schaffen. "Wir wollen die Kameraden schnappen, damit es endlich aufhört", betont Siegfried Kranz.

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