Gedenkstätte Sandbostel Tontafeln sollen an die Opfer erinnern

Sandbostel . In das ehemalige NS-Kriegsgefangenen- und KZ-Auffanglager Sandbostel in der Samtgemeinde Selsingen soll erheblich investiert werden, um die Anlage der Nachwelt zu erhalten. Wie Projektleiter Andreas Ehresmann berichtet, hat die Stiftung Lager Sandbostel Mittel in Höhe von insgesamt 1,425 Millionen Euro beantragt. Davon sollen der Bund sowie das Land Niedersachsen, der Landkreis Rotenburg und zwei Stiftungen jeweils die Hälfte beisteuern.
05.01.2010, 18:26
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von Klaus Göckeritz

Sandbostel . In das ehemalige NS-Kriegsgefangenen- und KZ-Auffanglager Sandbostel in der Samtgemeinde Selsingen soll erheblich investiert werden, um die Anlage der Nachwelt zu erhalten. Wie Projektleiter Andreas Ehresmann berichtet, hat die Stiftung Lager Sandbostel Mittel in Höhe von insgesamt 1,425 Millionen Euro beantragt. Davon sollen der Bund sowie das Land Niedersachsen, der Landkreis Rotenburg und zwei Stiftungen jeweils die Hälfte beisteuern.

In einem auf drei Jahre ausgelegten Konzept sollen zwei Dauerausstellungen zur Geschichte des Kriegsgefangenen- und KZ-Auffanglagers Stalag XB Sandbostel komplett neu aufgearbeitet werden. In den Fokus wird insbesondere die bisher kaum berücksichtigte und vielschichtige Nazigeschichte des Lagers rücken. Aus diesem Grund sollen die so genannte gGelbe Lagerbaracke und die CVJM-Baracke umfangreich saniert und hergerichtet werden. Weiter soll in die Fassaden von Unterkunftsbaracken und in ein Wegeleitsystem mit Informationstafeln auf dem Lagergelände investiert werden.

Die Stiftung ist zuversichtlich, dass die Mittel bewilligt werden. Das Land Niedersachsen habe seine Zusage ebenso gegeben wie der Landkreis Rotenburg, berichtet der Leiter der Gedenkstätte, Andreas Ehresmann, weiter. Man sei deshalb optimistisch dass auch der Bund seinen Part in Höhe von 712 500 Euro übernimmt. Nach der Sanierung der Gelben Baracke und der CVJM-Baracke könnten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dann kurzfristig ihre Büros beziehen und mit den Arbeiten zu den beiden Dauerausstellungen beginnen.

Ebenfalls in diesem Jahr soll in Zusammenarbeit mit dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge ein Namentafel-Projekt begonnen werden. Darin soll den Toten auf dem ehemaligen Lagerfriedhof und der heutigen Kriegsgräberstätte Sandbostel namentlich gedacht werden. Vorgesehen ist, dass Schüler die Namen der Toten in Tontafeln und Ziegelsteine brennen und zu einer Mauer im Eingangsbereich aufschichten. Damit will die Stiftung auch die Dimension um die Zahl der Toten deutlich machen. Mit 6500 Besuchern hätten etwa ein Drittel mehr Besucher als im Jahr davor die Gedenkstätte Lager Sandbostel besucht, stellte Ehresmann in seiner Bilanz auch fest. Zu betonen seien rund 2000 Schülerinnen und Schüler, die im Rahmen schulischer oder außerschulischer Bildungsmaßnahmen das Lagergelände besucht haben.

Außerdem hat die Stiftung mit der Heinrich-Behnken-Schule in Selsingen eine weitergehende Kooperation vereinbart. Demnach sollen gemeinsame Projekte erarbeitet und ein Hauptschul-Praxistag für die Jahrgänge acht und neun in der Gedenkstätte vereinbart werden. Daneben soll die Geschichte des Stalag XB als Unterrichtsthema im Lehrplan verankert werden. Dazu soll ein Programm erarbeitet werden, das sich speziell an Konfirmandengruppen wendet. In diesem Frühjahr jährt sich das Jahr der Befreiung zum 65. Mal. Dem Anlass entsprechend will die Stiftung im April an dieses Ereignis erinnern. Im Schwerpunkt soll auf französische Schicksale eingegangen werden. Im Juli findet in Zusammenarbeit mit dem Volksbund und der Gemeinde Sandbostel eine internationale Jugendbegegnung mit mehreren Veranstaltungen statt. Einmal monatlich werden öffentliche Sonntagsrundgänge angeboten. Dazu ist jeweils die Ausstellung geöffnet. Den Stellenwert der Einrichtung hätten dazu Staatsminister, Minister, Bundestagsabgeordnete und Landespolitiker mit ihren Besuchen verdeutlicht.

In Sandbostel waren in der Zeit von 1939 bis 1945 mehr als eine Millionen Kriegs gefangene aus fast 50 Nationen inhaftiert. Als Soldaten der britische Armee das Lager im April 1945 befreiten, bot sich ihnen ein schreckliches Bild. Neben rund 14000 Kriegsgefangenen und 7000 KZ-Häftlingen fanden sie zahlreiche Leichen auf dem 35 Hektar großen Lagergelände. In Sandbostel sind in den Kriegsjahren rund 50000 Menschen umgekommen.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+