Schiffsmodell soll im Alten Küsterschulhaus Platz finden Torfkahn hat in St. Jürgen fest gemacht

Lilienthal. Der alte Pilgerpfad soll in St. Jürgen neu belebt werden - mit dem Alten Küsterschulhaus als Pilgerherberge. Die Vorsitzende des Kirchenvorstandes, Hiltraut Grothe, in St. Jürgen hat den teerfarbenen Neuzugang vermittelt: Ein drei Meter langes Halbhunt-Schiff.
01.07.2010, 06:00
Lesedauer: 2 Min
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Torfkahn hat in St. Jürgen fest gemacht
Von Undine Zeidler

Lilienthal. Der alte Pilgerpfad soll in St. Jürgen neu belebt werden - mit dem Alten Küsterschulhaus als Pilgerherberge. 'Da passt es gut, dass man in die Vergangenheit guckt', sagt Hiltraut Grothe. Die Vorsitzende des Kirchenvorstandes in St. Jürgen hat den teerfarbenen Neuzugang vermittelt: Ein drei Meter langes Halbhunt-Schiff, ein von Heinz Wrieden aus Adolphsdorf gebautes Torfkahn-Modell. Die Originale prägten vor mehr als 150 Jahren mit schwarzem Rumpf und dunkelbraunen Segeln das Bild der Hammeregion. Heute sind sie das Symbol des Landkreises Osterholz und Touristenattraktion zugleich.

Selber konnte der 82-jährige Wrieden nicht zur Kahn-Übergabe kommen. Er ist schwer krank, erzählte dessen Freund, Klaus Krentzel. Der erklärte im Fischerhemd Grothe, Pastorin Katharina Ziegler und weiteren Kirchenvorstandsmitgliedern, warum seiner Ansicht nach der Torfkahn in St. Jürgen 'an einen passlichen Ort gekommen' ist: Die Ringe an der St. Jürgenskirche deuten darauf hin, dass früher die Bauern bei Hochwasser mit dem Kahn zur Kirche fuhren. Zwei Gräben weiter verlief zudem über den Moorhauser Kanal eine Torfroute nach Bremen.

Im Maßstab eins zu drei ist das Modell entstanden, erklärte Krentzel den Zuhörern und, dass es eines von dreien ist, die Wrieden neben 35 großen Kähnen gebaut habe - 'am Rande des Moores', wie jener in seinen Erinnerungen schreibt. Durch die Torfkähne habe sich Wrieden im Landkreis verewigt, so Krentzel. 'Ich hab? noch nie einen besseren Freund gehabt', sagte er mit sichtlicher Verehrung über den Mann, mit dem er sechs Jahre lang an Torfkähnen gearbeitet habe.

Drei Tage bis nach Bremen

Drei Tage brauchten die Torfschiffer einst auf den Kanälen nach Bremen. Auf den flachen Kähnen war die Fahrt nach Bremen an der Wende zum 20. Jahrhundert eine kräftezehrende Reise. In die Stadt verkauften die Bauern den Torf aus dem Moor. Viele Torfkahn-Schiffer kamen unterwegs ums Leben, erstickten in den winzigen Kajüten am Rauch ihrer Kocher, so Krentzel.

Sechs Kubikmeter Torf wurden nach Krentzel auf einem Halbhunt-Schiff transportiert. Wie der gelagert wurde, hat er am Modell nachgestaltet, die Torfziegel maßstabgetreu gedrittelt. Das typische Schwarz des Rumpfes stammt laut Krentzel vom Holzteer- und Holzaschegemisch, womit die Fugen der Eichenholzplanken abgedichtet - kalfatert - wurden. Die einzige Farbe, die es im Moor gab.

Wie es früher war

Das Torfkahn-Modell 'gehört hier in die Landschaft", dankte Pastorin Ziegler Wrieden und Krentzel. Die Wasserläufe seien ohne Torfkähne nicht zu denken. Mit dem Modell könne besser gezeigt werden, wie es früher in St. Jürgen war - gerade, wenn durch die geplante Pilgerherberge mehr Besucher auf die Wurth kommen.

Sein vorläufiges Quartier hat der Kahn im Küsterhaus bekommen. Grothe kann sich jedoch vorstellen, ihn im Sommer auch ans Fleet zu stellen oder für einen Taufgottesdienst in die Kirche zu holen.

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