Justin Melchor bietet in seinem kleinen Café vegane Spezialitäten an und erzählt, wie es dazu kam Torten ohne Eier – Burger ohne Fleisch

Seit Dezember vorigen Jahres führt Justin Melchor das gleichnamige Café in der Kirchenstraße. Justin Melchor wartet dabei mit einer Besonderheit auf: Alle Speisenangebote sind vegan. Längst haben auch Fleischesser den Weg dorthin gefunden,
22.08.2014, 00:00
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Von Ina Friebel

Seit Dezember vorigen Jahres führt Justin Melchor das gleichnamige Café in der Kirchenstraße. Justin Melchor wartet dabei mit einer Besonderheit auf: Alle Speisenangebote sind vegan. Längst haben auch Fleischesser den Weg dorthin gefunden,

Klein ist es im Café Melchor, aber gemütlich. Der Inhaber des ehemaligen Café 99, Justin Melchor, hat verschiedenste Dinge, wie Fensterscheiben und Obstkisten, in Möbel umfunktioniert. „Vieles stammt auch aus meiner alten Wohnung in Berlin“, berichtet Melchor. „Ich wollte keinen Standard.“ Eine weitere Besonderheit ist die Speisekarte. Sämtliche Angote im Café Melchor sind vegan, also ohne tierische Produkte.

Am 8. Dezember 2013 eröffnete Justin Melchor sein Café in der Fußgängerzone und erfüllte sich damit einen Traum: „Ich wollte mich schon immer mit einem Café selbstständig machen.“ Die Räumlichkeiten habe er durch Zufall entdeckt. „Ich habe die vergangenen sieben Jahre in Berlin gelebt“, erzählt Melchor, der in den USA geboren und in der Kreisstadt aufgewachsen ist. „Ich musste einfach mal raus aus der Kleinstadt, brauchte einen Tapetenwechsel.“ Bei einem Besuch in der alten Heimat habe er bei einem Bummel mit der Mutter durch die Fußgängerzone das leer stehende Café entdeckt. „Da habe ich spaßeshalber angerufen, um nach dem Preis zu fragen und einen Besichtigungstermin vereinbart“, erinnert sich der 31-Jährige. „Alles passte. Da habe ich zugeschlagen.“

Den Entschluss nur vegane Speisen anzubieten fasste Justin Melchor, weil er selbst seit fünf Jahren vegan lebt. Vorher sei er 13 Jahre lang Vegetarier gewesen. „Die vegane Ernährung war mich immer schwierig auf Familienfeiern“, erzählt Melchor. „Vor allem, wenn es Torten gab.“ Also habe er angefangen selbst zu backen und zu experimentieren. „Letztendlich konnte ich mein Hobby zum Beruf machen.“ Einblicke in verschiedene andere Berufe habe er schon viele gewinnen können. „Ich habe mir alles, was ich gemacht habe autodidaktisch beigebracht“, so der Café-Inhaber weiter. „Eigentlich wollte ich Fotograf werden. Darüber habe ich in Berlin viel gelernt und habe dort auch als Fotograf gearbeitet.“ Außerdem sei er in der Gastronomie tätig gewesen und habe ein Ausbildung zum Lebensberater gemacht.

Justin Melchors Leidenschaft blieb jedoch das Backen. „Ich habe auch schon gerne gebacken, bevor ich vegan wurde, habe das aber nicht ernsthaft verfolgt“, erzählt er. „Aber als ich mich dann entschieden habe, vegan zu leben, blieb mir gar nichts anderes übrig, als wieder zu backen.“ Schließlich esse er gerne Süßes. „Im Laufe der Zeit habe ich unterschiedliche Rezepte entwickelt, um meine Kreationen genauso luftig und fluffig hinzubekommen wie normale Torten.“ An Alternativen für tierische Produkte mangele es nicht. So können statt Ei pürierte Bananen, sogenanntes No-Eggs-Pulver oder Sojamehl verwendet werden. „Für mehr Luftigkeit habe ich die Rezepte allerdings so weit entwickelt, dass ich auf den schweren Eiersatz verzichten kann“, freut sich Justin Melchor.

Diese Torten können selbstverständlich auch in seinem Café probiert werden. Außerdem stehen selbst gemachtes Eis und täglich wechselnde herzhafte Gerichte von Pizzabaguette über Döner bis hin zu Burgern auf der Speisekarte. Auf exotische oder außergewöhnliche Geschmacksrichtungen verzichtet der 31-Jährige bewusst. „Ich versuche alles so normal wie möglich zu halten“, so Melchor. „Ich möchte die Dinge anbieten, die ich aus meiner Kindheit kenne und das sind traditionelle Geschmacksrichtungen.“ Seine Kreationen stellt Justin Melchor so weit es geht selbst her. „Dabei ist Qualität das Wichtigste.“

Zu seinen Gästen zählen längst nicht nur Veganer. „Erstaunlicherweise habe ich ein breit gefächertes Publikum“, berichtet der Café-Inhaber. „Es kommen Veganer, ernährungsbewusste Familien, aber auch Leute, die das ’vegan’ überlesen, in jeder Altersgruppe.“

Sein Ziel sei es Nicht-Veganer davon zu überzeugen, dass veganes Essen keinesfalls langweilig ist. Die entsprechende Angebotspalette sei in den Jahren viel größer geworden. „Ich konnte mir zunächst nicht vorstellen auf Milch oder Käse zu verzichten“, erinnert sich Melchor. „Als ich dann eine Doku über Tierhaltung gesehen habe, habe ich meine Meinung geändert.“ Also habe er sich entschlossen, einen Monat lang vegan zu leben. „Den darauffolgenden Monat habe ich weitergemacht und jetzt sind es fünf Jahre“, erzählt er. „Für mich ist es mittlerweile nicht mehr nur der ethische Hintergrund. Ich brauche es auch nicht mehr. Ich vermisse nichts.“ Durch die vegane Ernährung habe er Vielfalt im Essen gefunden. „Viele meiner Gäste merken nicht einmal, dass die Torten vegan sind“, freut sich Justin Melchor. „Ich hatte auch schon Fleischesser zu Besuch, die meinen Döner besser als den herkömmlichen fanden.“ Als Fleischersatz verwendet der Café-Inhaber Seitan, das aus Weizeneiweiß hergestellt wird.

Seit 1. September hat das Café Melchor neue Öffnungszeiten: am Mittwoch ist Ruhetag, ansonsten ist das Café täglich ab 12 Uhr geöffnet. Am Sonntag schließt Justin Melchor um 21 Uhr, an den anderen Tagen erst um 22 Uhr.

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