DIE NORDDEUTSCHE VOR 25 JAHREN Tote Fische im verschlammten Teich

Auch 1994 herrschten in Bremen-Nord rekordverdächtige Temperaturen. Außerdem wurde damals der Schlossteich in Schönebeck ausgebaggert. Kein Geld gab es für die Sanierung von Schulen.
26.07.2019, 10:20
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Tote Fische im verschlammten Teich
Von Julia Ladebeck

An diesen Tagen ist das Hoch „Yvonne“ für rekordverdächtige Temperaturen bis zu 40 Grad verantwortlich. Vor 25 Jahren war es „Ewald“, der für Hitze sorgte. Unter dem Titel „Ein Königreich für ein Planschbecken“ berichtete DIE NORDDEUTSCHE am 27. Juli 1994 über die Auswirkungen der Hitzewelle. Dabei könnten die Zeilen von damals die Situation heute kaum treffender beschreiben: „Den Leuten steht der blanke Schweiß auf der Stirn, Hunden hängt die Zunge aus dem Maul, und selbst die besten Körperdeos versagen: Das Hoch ,Ewald' mit Temperaturen von fast 35 Grad hat auch Bremen-Nord fest im Griff.“

Ebenfalls heute wie damals werden in Vegesack Fahrten mit der Barkasse „Vegebüdel“ angeboten. Vor 25 Jahren wollte die Betreibergesellschaft Vegesack Logger BV 2 GmbH bei den Rundfahrten erkunden, ob unter den Fahrgästen Interesse an einem Angebot zum Übersetzen zur Moorlosen Kirche besteht. Das kündigte unsere Zeitung am 27. Juli 1994 an. Angedacht war außerdem eine Fährverbindung vom Hafen Hasenbüren nach Vegesack, um Stadtbremer nach Bremen-Nord zu bringen. Eine Verbindung zwischen Mittelsbüren und Bremen-Nord gibt es zwar bis heute nicht. Allerdings bedient die Fahrgastgesellschaft „Hal Över“ die Anlegestelle Mittelsbüren/Moorlosen Kirche, beispielsweise auf der Strecke zwischen Bremen und Bremerhaven. Weitere Anlegestellen sind am Pier 2 (Waterfront), in Vegesack, Blumenthal, Farge, Brake und Nordenham. Und die „Vegebüdel“ bietet in dieser Saison erstmals kostenlose Fahrten im Revier an.

1994 waren der Schlossteich und der angrenzende kleine Poggenteich in Schönebeck fast verlandet und wurden deshalb ausgebaggert. Darüber berichtete DIE NORDDEUTSCHE am 28. Juli 1994 unter dem Titel "Bagger stören Schlossteichidylle ". Im Zuge der Arbeiten, die 318 000 Mark kosteten, wurde auch ein Großteil der Teichrosen entfernt. Der Schlamm wurde mit Lastwagen zur Flugaschedeponie an der Meinert-Löffler-Straße gebracht. Circa 4500 Kubikmeter sollten insgesamt aus dem Gewässer geholt werden. Davor war der Teich zuletzt in den 1950er-Jahren entschlammt worden, hieß es damals. Die Fische im Teich litten im Sommer 1994 wegen der Hitze schon länger unter Sauerstoffmangel. „Die Baggerarbeiten scheinen ihnen jetzt den Rest zu geben: Viele von ihnen trieben gestern tot im Wasser“ schrieb der Autor. Um wieder Sauerstoff in das Wasser zu bringen, stellte die Berufsfeuerwehr zwei Strahlrohre und eine Tragkraftspritze zur Verfügung. Damit wurde Wasser aus der Aue entnommen, mit Sauerstoff angereichert und in den Schlossteich eingespeist.

Ein Gutachten zum öffentlichen Personennahverkehr in Bremen-Nord, das Aachener Fachleute 1992 vorgestellt hatten, gab Anlass zu großen Hoffnungen. Um 60 Prozent ließe sich das Fahrgastaufkommen steigern, hieß es. Die Empfehlung lautete: Nicht erschlossene und Stadtteile in Randlage sollten mit Orts- und Schnellbussen angebunden und – in einem späteren Schritt – der Personenverkehr auf der Strecke der Farge-Vegesacker Eisenbahn wieder aufgenommen werden. 1994 gab es diverse Vorhaben, die dazu beitragen sollten, zunächst einmal die Busverbindungen in Bremen-Nord zu verbessern, wie unsere Zeitung am 29. Juli 1994 unter dem Titel „Busse sollen schneller werden“ berichtete. Dazu gehörten beispielsweise die Einrichtung einer Busspur auf der Bremer Heerstraße sowie die Verlängerung der Linie 74 um das Teilstück Bruno-Bürgel-Straße, Vegesacker Heerstraße und Richthofenstraße. Keine großen Hoffnungen, so hieß es damals in dem Artikel, könnten sich Anhänger der Wiederaufnahme des Personenverkehrs auf der Strecke der Farge-Vegesacker Eisenbahngesellschaft machen. Ein Bauressort-Sprecher erklärte damals, dafür fehle das Geld. 13 Jahre später war es dann doch soweit: Im Dezember 2007 nahm die Nordwestbahn den Personenverkehr auf der Trasse der Farge-Vegesacker Eisenbahn wieder auf.

Schon vor 25 Jahren waren die Kassen in Bremen leer und das wirkte sich massiv auf den Zustand öffentlicher Gebäude aus. „Selbst für dringende Arbeiten kein Geld“ lautete der Titel eines Artikels, der am 2. August 1994 erschien. Es ging um undichte Dächer und Fenster, kaputte Sanitäranlagen und unansehnliche Fassaden, insbesondere von Schulen und Kindertagesstätten. 1994 standen für Instandsetzungsarbeiten an öffentlichen Gebäuden in Bremen-Nord drei Millionen Mark zur Verfügung. Das war ein Bruchteil der Summe, die nötig gewesen wäre, um alle anfallenden Arbeiten zu erledigen. Umfangreiche Sanierungsarbeiten, wie sie 1994 an der Aumunder Feuerwache liefen, waren die Ausnahme, hieß es in dem Artikel. Die Liste unerledigter Arbeiten war dagegen lang, zahlreiche betroffene Schulen standen auf der Liste: Landskronastraße, Burgdamm, Mönchshof, Alt-Aumund, Kerschensteinerstraße, Fährer Flur, Wigmodistraße, Lüssumer Ring.

Massiven Sanierungs- und Ausbaubedarf haben auch heute zahlreiche Schulen in Bremen-Nord. So hatte im Frühjahr beispielsweise die Schulleiterin der Oberschule Lesum über massive Mängel am Standort Steinkamp berichtet. Die Planungen für mehrere größere Bauvorhaben an Schulen wurden, wie berichtet, kürzlich abgeschlossen. Dazu gehören die Ausbauten der Schule an der Landskronastraße und an der Grundschule Wigmodistraße zur gebundenen Ganztagsschule. An der Landskronastraße wird für die neue Schulform eine Mensa mit Küche sowie multifunktional nutzbarer Bühne benötigt. Auch für ein modernes Lernzentrum sind Umbauten erforderlich. An der Grundschule Wigmodistraße wird in einem Erweiterungsbau eine Küche mit großem, multifunktional nutzbarem Speiseraum entstehen. Auch weitere Klassen- und Ganztagsräume sind notwendig.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+