TSV Ottersberg Trainer Sammrey ist mit TSV-Sturm noch nicht glücklich

Ottersberg. Der TSV Ottersberg hat seine Fühler nach Alexander Neumann ausgestreckt. Allerdings wirbt auch Oberligist Fortuna Köln um den hochtalentierten Angreifer.
14.07.2010, 06:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Ehrhard Müller

Ottersberg. Die Fußballer des TSV Ottersberg haben neuen Mut für das am Freitag anstehende Aufeinandertreffen mit den Profis von Hannover 96 geschöpft. Mit Niederlagen gegen den VfL Oldenburg (1:2 auf Kunstrasen) und den Rotenburger SV (0:3 bei den Elsdorfer Pokalwochen) in die Saisonvorbereitung gestartet, schlug der Oberligist am vergangenen Sonnabend die Bezirksliga-Mannschaft des FC Verden 04 mit 7:1 (3:0). 'Endlich ein Sieg und dazu noch ein überzeugender', stellte Trainer Axel Sammrey erleichtert fest.

Zuvor waren an der Wümme bereits besorgte Stimmen laut geworden, die zukünftig in der eingleisigen Oberliga Niedersachsen antretende Mannschaft müsse bis zum Punktspielstart am 8. August 'noch dringend verstärkt' werden - mit Verspätung von mehreren Wochen hat der TSV Ottersberg einen nicht unerheblichen Preis für seine Erfolge der Saison 2009/10 zu zahlen.

Mit insgesamt acht Abgängen fielen die personellen Verluste der vorübergehend um die Meisterschaft mitspielenden und letztendlich auf Tabellenplatz drei abschließenden Sammrey-Schützlinge unerwartet hoch aus. Neben den Leistungsträgern Rafael Czichos, Erdinc Örün, Sören Seidel sowie den Ergänzungsspielern Sebastian Netzke, Sherief El-Shafie und Ahmed Abdoulaye kehrte jetzt auch noch Ömer Aktas - ein hoch veranlagter Mittelfeldspieler, der seine überragenden Trainingsleistungen jedoch selten für die Punktspiele konservieren konnte - dem TSV Ottersberg nach Kurzeinsätzen in den Tests gegen Oldenburg und Rotenburg den Rücken. Kurz zuvor hatte bereits Linksverteidiger Jair Baller Abschied überraschend genommen. Der Brasilianer schaffte den Sprung in die Regionalliga, er wird künftig das Trikot des Regionalligisten FC Oberneuland tragen.

Auf einem anderen Blatt Papier stehen neun externe Neuzugänge, unter ihnen die nach einer Saison vom Ottersberger Oberliga-Klassenpartner TuS Heeslingen zurückgekehrten Peter-Zwillinge Mirko und Patrick sowie der gerade vom VfL Oldenburg geholte Mittelfeldspieler Thomas Mutlu.

Fortuna Köln wirbt ebenfalls um Neumann

In dieser Woche wird es möglicherweise noch einen zehnten Neuzugang geben, der TSV Ottersberg hat seine Fühler nach Alexander Neumann ausgestreckt. Der 20-jährige Stürmer aus Achim lief zuletzt für die Regionalliga-Mannschaft des VfL Bochum auf. Als Jugendlicher hatte er für den FC Verden 04 gespielt, ehe er sich für einen Platz im Kader des SV Werder Bremen II empfehlen konnte. Der Ottersberger Plan sah vor, Neumann (Sammrey: 'Wir beobachten ihn schon länger') im Turnierspiel der Bornreiher Sportwoche am Dienstag gegen den Bremen-Ligisten SG Aumund-Vegesack (das Spiel war bei Redaktionsschluss noch nicht beendet) mit einer Gastspielerlaubnis einzusetzen. Alexander Neumann wäre als der hochkarätigste Neuzugang des TSV Ottersberg zu betrachten, allerdings wirbt auch noch Oberligist Fortuna Köln um den talentierten Stürmer.

Sammrey würde den Ex-Werderaner ohne zu zögern nehmen, klagt er in diesen Tagen doch über einen Personalengpass im Sturm. Der Trainer geht sogar so weit, von 'unserer derzeit größten Baustelle' zu sprechen. Mit dem aus beruflichen Gründen erst am vergangenen Sonnabend in die Saisonvorbereitung eingestiegenen Kapitän Lars Behrens, den vom Bezirksoberligisten TB Uphusen geholten Iman Bi-Ria und Perspektivspieler Thomas de Freitas stehen bislang nur 'zweiundeinhalb Stürmer' (Sammrey) zur Verfügung.

Vor allem Youngster Thomas de Freitas wird an der Wümme noch nicht als vollwertiger Oberliga-Stürmer betrachtet, das wurde im Test gegen den FC Verden 04 deutlich. Gegen eine weitestgehend erschöpfte Verdener Elf boten sich dem Angreifer während eines Einsatzes von der 70. Minute an Chancen in Hülle in Fülle, es reichte jedoch nur zu einem Abstaubertor zum Endstand von 7:1. 'Er hätte gut und gerne fünf Tore schießen können', kritisierte Sammrey, der de Freitas nach Treffern von Pfosten und Latte allerdings auch 'etwas Pech' bescheinigte.

Ein anderer Stürmer ist noch nicht wieder in Ottersberg aufgetaucht, der Brasilianer Gilmar versäumte zum wiederholten Mal den Trainingsstart der Oberliga-Mannschaft. Lange will Sammrey nicht mehr auf den Südamerikaner warten, immerhin ist er schon vor 14 Tagen vom TSV Ottersberg erwartet worden. 'Ich bin kurz davor, ?Jimmy? an unsere zweite Mannschaft abzugeben, dann muss er sich eben wieder hochdienen.'

Moritz Becker greift wieder an

Auf einem guten Weg zurück in die Erste ist dagegen Rekonvaleszent Moritz Becker, wegen einer hartnäckigen Leistenverletzung konnte er in der vergangenen Saison nicht ein einziges Oberliga-Meisterschaftsspiel absolvieren. Der 29-jährige Mittelfeldspieler ist in der Endphase der vergangenen Saison mehrfach für die Zweite aufgelaufen, hat seine körperlichen Defizite während der Sommerpause deutlich verringert und ist gegen den Rotenburger SV (24 Minuten) und den FC Verden 04 (45) auch von Sammrey wieder berücksichtigt worden. Beim TSV Ottersberg 2010/11 wird Moritz Becker neuerdings als aussichtsreicher Kandidat für eine der beiden Sechser-Positionen gehandelt. Für das defensive Mittelfeld verfügt Sammrey über nicht weniger als zehn geeignete Spieler, doch kaum einer von ihnen kann die Erfahrungswerte des fast 30 Jahre alten Moritz Becker aufweisen.

Für Sammrey ein entscheidendes Kriterium, denn er würde es als ein Wagnis betrachten, die verantwortungsvollen Positionen vor der Vierer-Abwehrkette mit zwei Youngstern zu besetzen. In einem frühen Stadium der Saisonvorbereitungsphase hat der 20-jährige Stefan Denker womöglich schon entscheidende Pluspunkte gesammelt (Sammrey: 'Ein ganz heißer Kandidat'), und auch der vom FC Verden 04 geholte Tim Becker sowie der vom Bezirksoberliga-Absteiger FC Worpswede gekommene Ole Bruns lieferten auf der gegen Rotenburg und Verden praktizierten Doppel-Sechs schon brauchbare Leistungen ab.

Ein Makel der beiden Neulinge ist jedoch ihre noch nicht zufriedenstellend ausgeprägte Routine. Sie sind nicht älter als 22. Bei Mirco Temp ('Braucht noch Zeit'), Thomas Nowotny ('Als Innenverteidiger wertvoller'), Mahmut Aktas ('Erhebliches Fitnessdefizit'), Sebastian Koltonowski ('Zu wenig Erfahrung auf der Position'), Hayatin Sicak ('Oft zu verspielt') und Alexander Huhn ('Fühlt sich in der Abwehr wohler') sind die Bedenken des Trainer freilich noch größer.

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