Kuratorin Sabine Schlenker muss umdisponieren: Diaprojektion ersetzt Komplexbilder in der Großen Kunstschau Transport von Vogeler-Werken aus Russland viel zu teuer

Worpswede. "Bis Ende Januar haben wir noch gehofft", sagt Sabine Schlenker, Künstlerische Leiterin des Museumsverbundes und Kuratorin des Sommerprojektes zu Vogeler. Doch jetzt steht fest, die Komplexbilder, die eine zentrale Rolle in der Präsentation der Großen Kunstschau spielten sollten, werden nicht nach Worpswede kommen. Auch die Kunsthalle Netzel wird den "Hamburger Werftarbeiter", als Schlüsselbild der Ausstellung nicht von der Eremitage in St. Petersburg erhalten. Schlenker hat jetzt neue Akzente gesetzt, die dem Spätwerk des Künstlers Heinrich Vogelers dennoch gerecht werden sollen.
05.04.2012, 05:00
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Von Cornelia Hagenah

Worpswede. "Bis Ende Januar haben wir noch gehofft", sagt Sabine Schlenker, Künstlerische Leiterin des Museumsverbundes und Kuratorin des Sommerprojektes zu Vogeler. Doch jetzt steht fest, die Komplexbilder, die eine zentrale Rolle in der Präsentation der Großen Kunstschau spielten sollten, werden nicht nach Worpswede kommen. Auch die Kunsthalle Netzel wird den "Hamburger Werftarbeiter", als Schlüsselbild der Ausstellung nicht von der Eremitage in St. Petersburg erhalten. Schlenker hat jetzt neue Akzente gesetzt, die dem Spätwerk des Künstlers Heinrich Vogelers dennoch gerecht werden sollen.

Was zunächst wie ein Schuss vor den Bug aussah, erweist sich jetzt als "glückliche Fügung", meint Schlenker, die jetzt knapp zwei Monate vor der Eröffnung der großen Sommerausstellung "Heinrich Vogeler. Künstler, Träumer, Visionär" die konzeptionelle Veränderung aufgreift. "Wir werden der ohnehin geplanten Diashow eine prominentere Rolle zuweisen", verrät Schlenker und erzählt, dass trotz der fehlenden Leihgaben drei Komplexbilder zu sehen sein werden. Noch bis Ende Januar hatte die Kuratorin gehofft, einige drei Komplexbilder, Leihgaben aus der Nationalgalerie in Berlin, zu erhalten. Die Berliner brauchen die Werke aber für eine eigene Ausstellung. Auch Leihgaben aus Russland kommen nicht. "Die Transportkosten sind unglaublich hoch. Da hätte man hier schon zwei Ausstellungen von finanzieren können", meint Matthias Jäger, Geschäftsführer des Museumsverbundes. Die Auflagen für den Transport, der unter Polizeischutz über den Landweg durch Finnland nach Worpswede führen würde, stünde in

keinem Verhältnis zu den Kosten der gesamten Ausstellung, erläutert er. So haben sich jetzt konzeptionelle Änderungen ergeben und Schlenker hat umdisponiert. Zwei neue zentrale Bilder werden nun in die Ausstellung der Großen Kunstschau und in der Kunsthalle Netzel in das Spätwerk des Künstlers einleiten. Die inhaltliche Ausrichtung der beiden Häuser bleibt bestehen.

In der Großen Kunstschau geht es im Rahmen der vierteiligen Ausstellung unter dem Titel "Neue Wege - Vogeler in der Sowjetunion" um die Lebensideale des Künstlers, die er im Kommunismus zu finden glaubte. Schon nach dem ersten Weltkrieg wendet sich Vogeler von der bürgerlichen Lebenswelt ab. Als er erstmals 1923 in die Sowjetunion reist, eröffnet sich ihm eine neue Welt. "Es ist ein Bruch in seinem Leben", konstatiert Sabine Schlenker. Ende der 20er Jahre geht Vogeler deutschlandweit auf Vortragsreisen, um für die kommunistische Idee zu werben. Diese Vorträge untermauerte der Künstler mit handkolorierten Diapositiven. Für die Ausstellung in der Kunstschau werden erstmals die noch im Original erhaltenen Diapositive rekonstruiert und eingebettet in eine Ton-Bild-Installation gezeigt. "Die Inszenierung dieser Vorträge durch die Präsentation dieser Diapositive wird ein ganz anderes Verständnis des Künstlers erzeugen", ist Schlenker überzeugt. "Das gab es noch nie." Die Dias seien seit

rund 80 Jahren nicht mehr gezeigt worden. "Hier wird deutlich werden, wie Vogeler den Kommunismus bekannt machen wollte" , meint die Kunsthistorikerin, und Jäger ergänzt: "Es ist ein lebendiges Element in der Ausstellung". Auch wird es Erläuterungen zu der Diaschau geben, die die Hintergründe erklären. Mittlerweile sieht Sabine Schlenker die Neukonzipierung als eine sehr gute Fügung an. "Das Werk Heinrich Vogelers bekommt einen ganz anderen Charakter."

Im Mittelpunkt der Ausstellung in der Kunsthalle Netzel wird das Gemälde "Die Leiden der Frauen im Kriege" stehen, das Vogeler 1918 malte. Für den Künstler ist der erste Weltkrieg ein einschneidendes Erlebnis, das ihn, der bis dahin unpolitisch war, nicht nur zum Pazifisten werden ließ, sondern auch zum Autoren und Agitatoren. Neben Originaldokumenten, Flugblättern und Lebenszeugnissen Vogelers widmet sich die Schau dem politischen Vogeler und spannt den Bogen vom Barkenhoff bis zu seiner Moskauer Zeit. "Beide Häuser widmen sich der späten Zeit und zeigen eine neue Perspektive auf das Werk des Künstlers", sagt Schlenker. Dass acht Werke aus der späten Zeit nicht in der großen Vogeler-Schau präsent sein werden, können Jäger und Schlenker verschmerzen. "Es werden über 300 Exponate sein", meint Jäger zufrieden und freut sich über die Kooperation mit Bremer Institutionen wie der Kunsthalle Bremen, den Kunstsammlungen Böttcherstraße und dem Focke Museum. Sie

beteiligen sich ebenfalls mit Sonderausstellungen an der groß angelegten Verbundausstellung der Worpsweder.

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