Neuer Gesprächskreis in Brinkum

Trauernde Eltern geben einander Halt

Der Treffpunkt Sie(h) da in Brinkum bietet ab sofort Raum für Eltern, die ein Kind verloren haben. Alexandra Guillot, Leiterin der ganzheitlichen Praxis Lebenszauber in Syke, begleitet sie dabei.
26.02.2019, 17:49
Lesedauer: 2 Min
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Trauernde Eltern geben einander Halt
Von Alexandra Penth
Trauernde Eltern geben einander Halt

Möchte Eltern helfen, die Kinder verloren haben: Alexandra Guillot, die die ganzheitliche Praxis Lebenszauber in Syke betreibt.

Vasil Dinev

Stuhr-Brinkum. Eltern, die ein Kind verloren haben, zeigen, dass sie in ihrer Trauer nicht alleine sind. Das ist das Ziel von Alexandra Guillot. In Zusammenarbeit mit dem Treffpunkt Sie(h) da bietet sie ab diesem Mittwoch, 27. Februar, regelmäßig ein Trauercafé in den Räumen an der Jupiterstraße 1 in Brinkum an. Jeden zweiten und vierten Mittwoch im Monat kommen Betroffene für eine Stunde zusammen, um über ihren Verlust zu sprechen.

Vorwiegend Frauen sind angesprochen, aber auch Männer können an den Treffen teilnehmen, sagt Guillot. Frauen, deren Schwangerschaft glücklos endete, die ihre Kinder vor, während oder kurz nach der Geburt verloren haben, sollen bei Sie(h) da einen Raum bekommen, um über ihre tiefsten Gefühle zu sprechen. Meist ist in diesen Fällen von sogenannten Sternenkindern die Rede.

Guillot möchte mit dem Trauercafé auch Frauen erreichen, die einen Schwangerschaftsabbruch bereuen und nicht wissen, wem sie sich anvertrauen können. „Durch Lebenszauber habe ich gemerkt, dass es viele Frauen gibt, für die das ein Tabuthema ist“, sagt Guillot. In ihrer Praxis an der Ristedter Hauptstraße in Syke bietet die 33-Jährige nebenberuflich Meditationskurse an und verhilft ihren Klienten zum inneren Gleichgewicht. Mit der Praxis Lebenszauber war Guillot bis vor anderthalb Jahren noch in Weyhe ansässig. Schon damals bot sie Trauercafés an. So sei auch Stuhrs Gleichstellungsbeauftragte Nicole Feldmann-Paske auf sie gekommen, als sie eine Leitung für eine Trauergesprächsgruppe im Treffpunkt Sie(h) da suchte.

Alles, was in dem Gesprächskreis gesagt wird, betont Alexandra Guillot, bleibt in der Gruppe. In der ersten Sitzung möchte sich die Leiterin weitestgehend heraushalten und die Teilnehmer zu Wort kommen lassen – vorausgesetzt, sie möchten. „Es ist eine Selbsthilfegruppe, wo jeder so viel oder so wenig sagen darf, wie er möchte.“ Für die Folgetermine hat sich Guillot vorgenommen, zu analysieren, was die Betroffenen brauchen, um Abschied nehmen und mit dem Verlust leben zu können. Rituale seien dabei wichtig, sei es, etwas für das verstorbene Kind zu basteln oder auch einen Brief zu schreiben.

Insbesondere bei Sternenkindern sind keine oder kaum Erinnerungen vorhanden – seien es gegenständliche oder erlebte. Welche selbst zu schaffen, helfe manchen Eltern jedoch bei der Trauerbewältigung, weiß Guillot. Sie selbst ist schon früh mit dem Tod konfrontiert worden. Ihre Mutter starb früh und wenig später ihr Bruder. Als Erwachsene begann Guillot, sich als Sterbebegleiterin im Hospizverein Bremen zu engagieren. „Der Tod gehört für mich ganz normal zum Leben dazu“, sagt sie. Wie stark das Thema in der Gesellschaft tabuisiert wird, erfuhr die gebürtige Französin im Alter von zehn Jahren. Als der Großvater in Frankreich starb während sie gerade in Deutschland war, habe man nicht gewollt, dass sie an der Beerdigung teilnimmt. Ein Umgang mit Tod und Abschied, den Guillot aus heutiger Sicht nicht nachvollziehen kann. „Es fehlt einem in der Trauerphase etwas“, sagt sie. Denn ihre grundlegende Überzeugung ist: „Der Tod ist genauso wichtig, wie das Leben selbst.“


Trauernde können sich der Gruppe, die sich jeden zweiten und vierten Mittwoch im Monat von 17.30 bis 18.30 Uhr trifft, jederzeit anschließen. Eine vorherige Anmeldung ist allerdings notwendig. Möglich ist das unter der Rufnummer 01 52 / 37 73 58 03 oder per E-Mail an info@lebenszauber.com. Pro Teilnahme fällt eine Gebühr von fünf Euro an.

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