Amtmann-Schroeter-Haus-Stiftung sind Betriebskosten zu hoch / Monsees: Wir schwimmen nicht im Geld Traum vom Anbau droht zu platzen

Die Euphorie ist verflogen. Der Traum von einem lichtdurchfluteten Anbau am Amtmann-Schroeter-Haus war zum Greifen nahe. Der Altbau der Seniorenbegegnungsstätte an der Hauptstraße 63 platzt manchmal aus allen Nähten, pro Jahr kommen bis zu 15000 Besucher. Doch nun droht das Projekt am Geld zu scheitern. Zwar könnte die Stiftung den Anbau finanzieren. Doch das Problem sind die Folgekosten. Dafür reichen die Erträge, die das Stiftungskapital abwirft, nicht.
22.08.2013, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Michael Wilke

Die Euphorie ist verflogen. Der Traum von einem lichtdurchfluteten Anbau am Amtmann-Schroeter-Haus war zum Greifen nahe. Der Altbau der Seniorenbegegnungsstätte an der Hauptstraße 63 platzt manchmal aus allen Nähten, pro Jahr kommen bis zu 15000 Besucher. Doch nun droht das Projekt am Geld zu scheitern. Zwar könnte die Stiftung den Anbau finanzieren. Doch das Problem sind die Folgekosten. Dafür reichen die Erträge, die das Stiftungskapital abwirft, nicht.

Lilienthal. Heiner Haase, der langjährige Geschäftsführer und frühere Ratsherr der Grünen, hat der Amtmann-Schroeter-Haus-Stiftung sein gesamtes Vermögen vermacht. Haase starb vor gut zwei Jahren. Der Stiftungsvorstand war sich einig: Das Geld sollte nicht für laufende Kosten draufgehen. So entstand die Idee eines großzügigen Anbaus – mit einem großen Raum für Seniorengymnastik und Tanz. Das wäre schön gewesen für die Seniorenbegegnungsstätte, die sich "Haus für soziale Dienste" nennt. Im Amtmann-Schroeter-Haus treffen sich Selbsthilfegruppen wie die Parkinson-Gruppe und die Krebsnachsorge-Gruppe. Das Seniorenfrühstück vereint Menschen, die sonst nicht aus dem Haus kommen. Hinter der Fachwerk-Fassade spielen und lernen Senioren aller Altersgruppen; sehr aktiv ist die Gruppe "50 plus". Es gibt das Seniorenbüro und das Internetcafé, Sozialberatung und Servicebüro, Vorträge und Unterhaltungsangebote. "Wir machen die Seniorenarbeit für die Gemeinde", sagt der Stiftungsvorsitzende Georg Monsees.

Auch er hat auf den Neubau im parkähnlichen Garten gehofft, der durch einen Gang mit dem Internetcafé verbunden werden sollte. "Der Bedarf ist da", sagt Monsees, der früher Gemeindedirektor in Grasberg war. "Die geburtenstarken Jahrgänge kommen jetzt alle auf uns zu." Pro Jahr werden im Amtmann-Schroeter-Haus 12000 bis 15000 Besucher gezählt; Tendenz: steigend. "Es gibt so viele Gruppen, die das Haus nicht nutzen können", sagt Monsees.

Altbau nicht seniorengerecht

Das 1791 errichtete Haus des Amtmanns und Astronomen Johann Hieronymus Schroeter biete nicht genug Platz, klagt Monsees. Der Fachwerkbau ist nicht seniorengerecht. Eine Treppe führt ins Obergeschoss; den Einbau eines Fahrstuhls verbietet der Denkmalschutz. Ein Neubau im Garten hätte die Raumprobleme gelöst. Doch den kann die Stiftung auf Dauer nicht finanzieren. Mit dem Bau ist es nicht getan. Die Betriebskosten werden Monat für Monat, Jahr für Jahr fällig: Wasser und Strom, Heizung, Versicherungen. Die niedrigen Zinsen bringen die Stiftung in die Bredouille. "In guten Zeiten gab es fünf Prozent", weiß der Stiftungsvorsitzende. Heute liegt die Zinsrate bei einem Prozent. So steht die Stiftung vor einem Dilemma. Ihr Kapital darf sie nicht antasten. Die niedrigen Zinserträge reichen nicht für den Betrieb des Neubaus, denn die Stiftung muss auch den Altbau unterhalten. Was tun? "Wir beraten darüber", sagt der Stiftungsvorsitzende. Die Entscheidung falle nicht vor dem Herbst. Trotz des Haase-Erbes schwimme die Stiftung nicht im Geld, betont Monsees. "Immer wieder heißt es, wir wären reich. Das wären wir gerne, aber das ist nicht so."

Viele Möglichkeiten gibt es nicht. Die hoch verschuldete Gemeinde hat den Zuschuss fürs Amtmann-Schroeter-Haus um 16000 Euro gekürzt, von ihr kann die Stiftung keine Hilfe erwarten. Die Begegnungsstätte könnte Eintritt kassieren, doch das würde Menschen mit kleinen Renten abschrecken. Eines steht für Monsees fest: "Wir gehen kein Abenteuer ein. Wenn sich das abzeichnet, werden wir nicht bauen."

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