Hobby als Beruf Traumjob nach Umwegen

Olaf Dymala betrieb das Garage Racing Center in Blumenthal, in dem Modellautos über eine große Carrera-Bahn flitzten. Er verlor die Räume. Der Slotcar-Rennfahrer ist nun wieder beim Rennspaß gelandet.
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Von Sylvia Wörmke

Erst Traum verwirklicht, dann Traum geplatzt – und nun wird er auf andere Weise wahr. „Schicksal“, sagt Olaf Dymala, der drei Jahre lang in Blumenthal mit dem „Garage Racing Center“ sein Hobby im großen Stil verwirklicht hatte. Dem begeisterten Slotcar-Rennfahrer wurden nach drei Jahren die Räume an der Mühlenstraße gekündigt. Alle Pläne zerschlugen sich, an anderer Stelle in Bremen-Nord den Rennspaß mit kleinen Modellautos anzubieten. Nun macht der 53-Jährige genau das wieder – diesmal als Technischer Angestellter im Maribondo Freizeitcenter in Osterholz-Scharmbeck. Er hat nun sein Hobby als Traumjob.

Der Blumenthaler strahlt nicht bloß Zufriedenheit aus. Er sagt auch, dass er glücklich sei. Das ist er aber nicht allein deshalb, weil er genau das macht, was er schon seit Jahren möchte. Auch das Konzept der Stiftung Maribondo da Floresta entspricht seinen Vorstellungen von sozialem Engagement. Die Stiftung bietet unter dem Leitspruch „Gemeinsam . . . leben, wohnen und arbeiten!“ verschiedene Angebote für Menschen mit Beeinträchtigungen – auch im Freizeitcenter in Osterholz-Scharmbeck mit Bowling, Minigolf und Slotcarbahn.

Auch Olaf Dymala war mit seinem „Garage Racing Center“ an der Mühlenstraße sozial engagiert. Er wollte mit dem Angebot des Centers nicht nur seinen eigenen Spaß haben, sondern gerade in Blumenthal vor allem Kindern und Jugendlichen aus sozial schwachen Familien eine Alternative zum Fernseher und Computer bieten.

Sie konnten dort die kleinen Modellautos über die 140 Meter große Bahn flitzen lassen, trainieren, an Wettbewerben teilnehmen und erhielten Tipps und Tricks, wie und wann man die Autos abbremst oder verhindert, dass sie aus der Bahn fliegen. Die Veranstaltungen, auch Kindergeburtstage, wurden von Sponsoren unterstützt. Große Firmen unterstützten ihn. Befreundete Slotcarfahrer und seine Lebensgefährtin halfen ihm ebenfalls, seinen Traum umzusetzen. Dieser Traum war schon immer eine große und öffentliche Carrera-Rennbahn.

Bis zum festen Arbeitsvertrag in Osterholz-Scharmbeck gab es für den Blumenthaler diverse Umwege. Nach der Ausbildung als Verwaltungsangestellter folgte die Zeit bei der Bundeswehr. Dann stieg er in die Firma seines Vaters ein, die er später übernahm: Flughafentransfer und Kurierdienste. Die Selbstständigkeit für einen Angestelltenstatus gab er erst mit der Anstellung bei Maribondo auf. „Sicherheit im Alter mit dem Hobby als Traumjob“, sagt er.

Nach der Kündigung der Räume in Blumenthal, die Eigentümer der Immobilie hatten Eigenbedarf angemeldet, hatte er noch lange nach einer Alternative in Bremen-Nord gesucht. Er kam sogar auf die Idee, die damals freie Markthalle auf dem Sedanplatz anzumieten. Nichts ließ sich verwirklichen. Aufgrund der öffentlichen Raumsuche meldeten sich aber Verantwortliche aus dem Einkaufszentrum Waterfront in Gröpelingen. Die Idee war, dass Olaf Dymala hier in einem Bereich sein Racing-Canter betreibt. Die Investitionen rechneten sich aber laut Dymala dann doch nicht. Er durfte hier aber seine große Slotbahn aus der Mühlenstraße einlagern. Die, so sagt er, will er nun nach und nach an seinen neuen Arbeitsplatz bringen. Von der Stiftung, dem Freizeitzcenter und der Slotbahn hatte er zufällig erfahren – bei einer Feier in Delmenhorst.

Er fuhr nach Osterholz-Scharmbeck. „Ich war begeistert“, erzählt er. Es sei eine Profibahn. Das Herz des Slotcar-Rennfahrers, der auch an Deutschen Meisterschaften teilnimmt, schlug sofort höher. „Das ist schon eine andere Dimension als eine Hobbybahn“, schwärmt er. Dagegen sei seine eigene ein Spielzeug. Dymala bot bei der Betreuung der Besucher seine Hilfe an, „als Hobby“. Als sein Kurierdienst nicht mehr so gut lief, kam er auf die Idee, sich mit einem Konzept zu bewerben. „Ich habe nun eine feste Stelle“, sagt er.

Zu seinen Aufgaben als Technischer Angestellter gehört die Betreuung der großen und kleinen Besucher der Slotbahn. Er macht genau das, was er in seinem eigenen Center in Blumenthal getan hat. Er betreut auch Events wie Firmenveranstaltungen und Kindergeburtstage. Doch auch andere Bereiche wie die Bowlingbahn und die Schwarzlicht-Minigolfbahn zählen zum Aufgabenbereich. „Ich bin zuständig für den Freizeitbereich“, beschreibt er seinen Traumjob mit der Zusammenarbeit mit Menschen mit Beeinträchtigungen. „Das“, sagt er, „ist eben alles Schicksal.“

Info

Zur Sache

Die Arbeit der Stiftung

Die Stiftung Maribondo da Floresta, übersetzt bedeutet das „Biene des Waldes“, bietet Menschen mit Beeinträchtigungen eine Lebensperspektive und Integration in das gesellschaftliche Leben. Nicht nur auf dem Semkenhof in Worpswede, wo aus einem Bauernhof ein Förderzentrum für Menschen mit Behinderungen gemacht wurde. Inzwischen gibt es zahlreiche Projekte, die nicht nur Insider kennen. Unter dem Dach der „Werkstatt für Behinderte Menschen“ werden zum Beispiel Ausflugslokale betrieben wie das Schamaika im Teufelsmoor mit Übernachtungsmöglichkeiten und Veranstaltungsprogramm. Menschen mit Einschränkungen arbeiten in den Cap-Märkten in Bremen und dem niedersächsischen Umland, betreiben Cafés, Kantinen, Bistros und das Freizeitcenter in Osterholz-Scharmbeck.

„Integration ist die aktive Teilnahme am gesellschaftlichen Leben. Unter Anderen und mit Anderen zu leben, ist der wichtigste Schritt zur Integration“, heißt es auf der Internetseite der Stiftung, die von Journalisten ins Leben gerufen wurde.

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