Rückkehr zum öffentlichen Leben Trotz Corona-Hotspots: Niedersachsen beschließt Lockerungen

In weiten Teilen Niedersachsens scheint das Coronavirus unter Kontrolle, doch lokale Ausbrüche wie in Göttingen zeigen: Die Gefahr ist nicht gebannt. Das Land hält trotzdem am Lockerungskurs fest.
19.06.2020, 16:16
Lesedauer: 2 Min
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Die Entwicklung der Corona-Krise in Niedersachsen ist widersprüchlich: Einerseits treibt die Regierung die Rückkehr zum öffentlichen Leben weiter voran, andererseits sorgen größere Ausbrüche wie in Göttingen für Aufsehen. „Diese Ereignisse zeigen uns immer wieder, dass die Pandemie nicht vorbei ist“, sagte Gesundheitsministerin Carola Reimann (SPD) am Freitag. Das Virus schlage „überall dort unerbittlich zu, wo viele Menschen in engem Raum zusammenkommen oder zusammen arbeiten“.

Insgesamt sei die Infektionslage aber „vergleichsweise ruhig“, so dass weitere Lockerungen vertretbar seien. Von Montag an gelten daher wieder einmal neue Corona-Regeln, es ist die fünfte und letzte Phase im niedersächsischen Stufenplan.

Lockerungen:

Die wichtigste Änderung: Der Aufenthalt in der Öffentlichkeit ist künftig in Gruppen von bis zu zehn Personen möglich. Bisher war dies auf die Mitglieder von zwei Haushalten beschränkt. Auch Picknicken und Grillen im Freien wird erlaubt. Außerdem können Kinos und Theater wieder öffnen. Allerdings müssen die Zuschauer sich an den Mindestabstand halten und, wenn die Vorstellung drinnen stattfindet, einen Mund-Nase-Schutz tragen. Wie angekündigt kehren auch alle Kitas am Montag in den eingeschränkten Betrieb zurück. Für Hotels entfällt die Vorgabe, maximal 80 Prozent der Plätze zu belegen. Der Amateursport kann außerdem unter Auflagen wieder Zuschauer empfangen. Die neue Verordnung gilt bis zum 5. Juli.

Verden:

Laut Landesregierung gab es im Landkreis Verden in den vergangenen sieben Tagen rund 40 neue Infektionen pro 100 000 Einwohner - die meisten in Niedersachsen. Grund dafür ist ein Corona-Ausbruch in einem Pflegeheim in Oyten, wie Kreissprecher Ulf Neumann sagte. In der Einrichtung waren bis Donnerstag 33 Bewohnerinnen und Bewohner sowie 14 Beschäftigte positiv getestet worden. Eine mit dem Virus infizierte 85-Jährige aus der Einrichtung ist im Krankenhaus gestorben. Auswirkungen auf die Lockerungen hat das aber nicht. Da es sich um einen punktuellen Ausbruch handele, sind derzeit keine Einschränkungen geplant.

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Göttingen:

In Göttingen stellt der erneute Ausbruch im Zusammenhang mit einem Gebäudekomplex die Stadt vor Herausforderungen. Innerhalb von zwei Tagen sind knapp 120 neue Infektionen bestätigt worden. Christian Hölscher von der Jugendhilfe Göttingen sagte, es handele sich um eine völlig neue einschneidende Situation. Bereits am Donnerstag hatten die Behörden die Wohnanlage in der Innenstadt unter Quarantäne gestellt und abgeriegelt. Rund 700 Bewohner sind betroffen. Mittlerweile hat die Stadt auch die Pflicht, an Schulen einen Mund-Nase-Schutz zu tragen, bis Ende Juni verlängert. Erst am Montag waren die Schulen wieder geöffnet worden.

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Fleischbranche:

Erneute Massentests bei Mitarbeitern der Fleischindustrie sind in Niedersachsen trotz beunruhigender Meldung aus Nordrhein-Westfalen nicht geplant. Mehrfache Tests brächten keine zusätzliche Sicherheit, sagte Gesundheitsministerin Reimann. Hauptgrund für die massenhafte Verbreitung des Virus in einem Schlachtbetrieb in Westfalen ist nach ihrer Überzeugung ungenügender Infektionsschutz in den Arbeitsprozessen. Die Stadt Osnabrück ordnete allerdings für alle in der Stadt wohnenden Beschäftigten des Marktführers Tönnies eine 14-tägige Quarantäne an. Osnabrück liegt lediglich rund 70 Kilometer von Rheda-Wiedenbrück entfernt, wo sich Hunderte Tönnies-Mitarbeiter infiziert hatten. (dpa/lni)

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