Robust in der Krise

Auto-Werkstätten haben gut zu tun

Manche Branchen trifft die Pandemie gar nicht. So stecken Auto-Werkstätten in der Region die Krise offenbar unbeschadet weg. Mehr noch: So mancher Betrieb ächzt gerade unter zu viel Arbeit.
15.04.2021, 07:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Irene Niehaus
Auto-Werkstätten haben gut zu tun

Der Lilienthaler Mechatroniker-Meister Daniel Kohlmann hat momentan viel Arbeit.

Hauke Müller

Lilienthal/Grasberg/Tarmstedt. Viele Unternehmen trifft die Pandemie hart. Manche Branchen erweisen sich allerdings als robust. So stecken Auto-Werkstätten in der Region die Krise offenbar unbeschadet weg. Mehr noch: So mancher Betrieb ächzt gerade unter zu viel Arbeit.

Die Kfz-Werkstatt von Philipp Schmenger kann sich momentan vor Aufträgen kaum retten. „Die Termine waren sonst auf zwei Wochen ausgebucht, jetzt sind es vier Wochen“, erzählt der Kfz-Meister. Inspektionen, Bremsen-Check, Hauptuntersuchungen oder Instandhaltung – die drei Meister und die vier Gesellen des Grasberger Betriebs haben richtig gut zu tun. „Es ist fast schon zu viel“, sagt Philipp Schmenger. Wie ihm ergehe es auch anderen Grasberger Auto-Werkstätten, habe er erfahren. Die Krise spüre seine Werkstatt nur insofern, als dass einzelne Ersatzteile derzeit nur verzögert zu bekommen seien, etwa aus Italien oder Frankreich. Warum es momentan so brummt in seiner Halle, das weiß Schmenger nicht. Die Zahl der Reparaturen sei sehr hoch, ob das eine Folge davon sei, dass weniger Neuwagen gekauft würden, das könne er nur vermuten. Andere Branchen haben zu kämpfen, das merkt Philipp Schmenger manchen Kunden an. „Die Stimmung bei einigen ist angespannt.“

Es läuft normal

Angesichts der Corona gebeutelten Branchen ist auch Iris Lüers vom Grasberger Kfz-Betrieb Meyerdierks & Lüers OHG "jeden Tag dankbar, dass die Auto-Werkstätten arbeiten dürfen", sagt die Firmenchefin. Sie fühle mit all jenen, denen die Krise stark zusetze. Abgesehen vom ersten Lockdown, als viele Autobesitzer annahmen, die Werkstätten seien geschlossen, und deshalb nicht kamen, habe sich kaum etwas im Vergleich zu der Zeit vor der Pandemie geändert, erzählt Iris Lüers, "eigentlich läuft alles normal." Das einzige, was ihr ein wenig aufgefallen sei, ist, dass die Intervalle für die Inspektionen größer geworden seien, die stehen nach einer gewissen Kilometerzahl an. Möglicherweise hänge das mit dem Homeoffice zusammen, weil viele Menschen das Auto nicht mehr für den Weg zur Arbeit bräuchten, so Iris Lüers.

Wenig von der Pandemie zu spüren bekommt auch die Auto-Werkstatt der Familie Kohlmann in Lilienthal. „Ende letzten Jahres war es etwas ruhiger, aber aktuell ist viel zu tun“, erzählt Junior-Chef Daniel Kohlmann. Den Reifenwechsel im Frühjahr verbinden ihm zufolge viele Kunden mit einer Inspektion. Aus Gesprächen mit ihnen meint der Mechatroniker-Meister herausgehört zu haben, dass so mancher aufs Auto umgestiegen sei, weil in öffentlichen Verkehrsmitteln Maskenpflicht und Abstandsregeln herrschen, aber auch aus Angst vor einer Ansteckung. Andere wiederum müssen durch die Heimarbeit weniger pendeln, wer zuhause arbeitet, spart den Weg zur Arbeit, zudem haben sich die Autofahrten im Allgemeinen verringert. Das könnte in Kohlmanns Augen ein möglicher Grund dafür sein, dass in seiner Werkstatt die Zahl der Unfall-Reparaturen zurückgegangen sei.

Keine Einbußen

„Wir können nicht klagen“, sagt auch der Kfz-Techniker-Meister Jan-Dirk Murken aus Tarmstedt. Am Anfang der Pandemie habe er noch angenommen, dass sich Kurzarbeit und Homeoffice auf seine Auftragslage auswirken würden, „ich sagte mir, mal sehen, wohin das alles führt.“ Doch seine Befürchtungen hätten sich nicht bewahrheitet. In Gegenteil: „Wir hatten bislang keine Einbußen, auch im letzten Jahr lief es sehr gut.“

Wie die Umfrage unter Betrieben zeigt, haben sich die Firmen früh auf die Corona-Krise eingestellt. Mitarbeiter und Kunden würden vor Infektionen geschützt, wie Firmenvertreter sagen. Beim Werkstattbetrieb gebe es strenge Sicherheitsvorkehrungen, auch würden die Kundenfahrzeuge desinfiziert. Für die Mitarbeiter stehen Mundschutz und Desinfektionsmittel bereit, die Kunden dürfen die Werkstatt oftmals nur noch einzeln betreten, es gibt keinen Wartebereich mehr. Der Kontakt zwischen Kunden und Mitarbeitern ist auf ein Minimum reduziert. Aber nicht jeder Kunde hält sich an die Maskenpflicht, bedauert der Grasberger Philipp Schmenger. „Manche ignorieren das, leider auch ältere Personen, die jüngeren zwischen 18 und 40 Jahren halten sich eher daran“, hat er erfahren.

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Kft-Gewerbe in der Pandemie

Das mittelständische Kfz-Gewerbe werde auch im zweiten Corona-Jahr mit dem Rücken an der Wand stehen, sagt Karl-Heinz Bley, Präsident des Kfz-Landesverbandes Niedersachsen-Bremen. Die Lage sei sehr angespannt, trotz der von der Landesregierung angekündigten Lockerungen. Der Automobilhandel schaue mit großen Sorgen auf die nächsten Wochen, denn ein vollständiges Frühjahrsgeschäft sei für die gesamte Jahresbilanz 2021 wichtig. Bleys Angaben zufolge seien dies Verluste von rund 46.000 Verkäufen im Umsatzvolumen von 1,7 Milliarden Euro gewesen. Dieses Szenario drohe sich jetzt zu wiederholen. Der Service habe im zweiten Jahr infolge Verluste verbuchen müssen. Dies sei für die Branche betriebswirtschaftlich ein großes Problem. Corona habe mit den Kontakt- und Reisebeschränkungen und dem daraus resultierenden Homeoffice vor allem den Geschäftsbereich Kundendienst ge- und betroffen. Obgleich die Werkstätten als systemrelevant nicht schließen mussten und müssen, seien durch eingeschränkte Mobilität und Fahrleistungen Verluste entstanden. Im Jahresdurchschnitt habe die Auslastung der Werkstätten um vier Prozentpunkte unter dem Vorjahresniveau gelegen. Darüber hinaus habe das verminderte Verkehrsaufkommen zu weniger unfallbedingten Reparaturaufträgen geführt.

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