Niedersachsenpokal TSV Ottersberg winkt das große Geld

Ottersberg. Bei ihrer improvisierten Siegesfeier am Mittwochabend übten sich die Oberliga-Fußballer des TSV Ottersberg in Genügsamkeit. Eine gute halbe Stunde nach dem im Elfmeterschießen errungenen 4:3 (0:0) gegen den VSK Osterholz-Scharmbeck verzehrten sie im Vereinsheim Bockwürste mit Senf und Ketschup sowie trockenes Brot - der Festtag im Pokalwettbewerb des Niedersächsischen Fußballverbandes (NFV) steht dem TSV Ottersberg erst noch bevor.
10.09.2010, 00:20
Lesedauer: 4 Min
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Von Ehrhard Müller

Ottersberg. Bei ihrer improvisierten Siegesfeier am Mittwochabend übten sich die Oberliga-Fußballer des TSV Ottersberg in Genügsamkeit. Eine gute halbe Stunde nach dem im Elfmeterschießen errungenen 4:3 (0:0) gegen den VSK Osterholz-Scharmbeck verzehrten sie im Vereinsheim Bockwürste mit Senf und Ketschup sowie trockenes Brot - der Festtag im Pokalwettbewerb des Niedersächsischen Fußballverbandes (NFV) steht dem TSV Ottersberg erst noch bevor.

Die zuvor schon gegen ihre Oberliga-Rivalen SV Drochtersen/Assel und Teutonia Uelzen (jeweils 1:0) erfolgreichen Schützlinge von Trainer Axel Sammrey dürfen auch im Halbfinale ein Heimspiel austragen und werden noch in diesem Monat (Terminvorgabe: 28. bis 30. September) auf den Drittligisten und Titelfavoriten Eintracht Braunschweig treffen. Den Deckel des Fleischtopfes haben Kapitän Marco Wahlers & Co schon einmal angehoben, jetzt bleibt noch die Frage, wie reichlich sie sich bedienen dürfen. Den beiden Verlierern der Halbfinal-Begegnungen (außerdem treffen die Oberligisten Kickers Emden und VfB Oldenburg aufeinander) sind schon einmal 4000 Euro garantiert.

Schon das vierte Heimspiel

Allerdings darf sich der TSV Ottersberg seit Mittwochabend Chancen ausrechnen, in der laufenden Pokalsaison ein Vielfaches dieser Summe zu verdienen. Das wäre der Fall, wenn ihm der Einzug in die erste DFB-Pokalhauptrunde der Saison 2011/12 gelänge. Mit einem Sieg gegen Eintracht Braunschweig hätte er sein Traumziel vorzeitig erreicht - und wäre als NFV-Pokalfinalist sowie gleichzeitiger DFB-Pokalteilnehmer auf einen Schlag um 100000 Euro reicher. Doch auch eine Niederlage gegen den Deutschen Meister des Jahres 1967 muss nicht das Ende des Traums von einem Pflichtspiel gegen einen Bundesligisten bedeuten (im Ottersberger Vereinsheim wurde am Mittwochabend bereits heftig diskutiert, ob Bayern München oder der FC St. Pauli der lukrativere Gegner wäre). Schafft Eintracht Braunschweig nämlich über die 3. Liga die DFB-Pokalqualifikation (dafür ist in der Endabrechnung wenigstens der vierte Tabellenplatz erforderlich) würden die unterlegenen Halbfinalisten ein

Entscheidungsspiel um einen zusätzlichen dritten NFV-Startplatz im nationalen Pokalwettbewerb austragen. Auf diese Weise erwarb zuletzt der Ottersberger Klassenpartner TuS Heeslingen die Startberechtigung im DFB-Pokal. Nachdem er im April Eintracht Braunschweig geschlagen hatte, empfing er erst vor gut zwei Wochen die Zweitliga-Mannschaft von Energie Cottbus. Günstig für die Ottersberger Perspektiven: Derzeit mischt die Eintracht in der Drittliga-Spitzengruppe mit, sie ist Tabellenvierter...

Am Mittwochabend hatte es lange Zeit nicht danach ausgesehen, dass der TSV Ottersberg das Viertelfinale übersteht. Dem VSK Osterholz-Scharmbeck boten sich während der ersten Halbzeit drei gute Möglichkeiten zum Führungstreffer, während die Angriffsbemühungen der wie schon vier Tage zuvor in Rehden im 4-1-4-1-System aufgelaufenen Sammrey-Elf nicht über Ansätze hinauskamen. In den ersten 45 Minuten misslang ihr in der Regel der finale Pass in die Spitze. Duplizität der Ereignisse: Sowohl im jüngsten Meisterschaftsspiel (2:2) als auch im Pokalderby gegen den VSK kam die Ottersberger Mannschaft wie verwandelt aus der Halbzeitpause zurück. Sie konnte sich auch am Mittwoch wieder ein deutliches Chancen-Plus erarbeiten, und als Sammrey mit Iman Bi-Ria die zweite Spitze gebracht hatte (in Rehden nach 65 Minuten und gegen den VSK nach 69 Minuten) schien das Ottersberger Führungstor nur noch eine Frage der Zeit. Es fiel zwar nicht mehr, doch die Einwechslung des zusätzlichen Stürmers stellte

sich aus Ottersberger Sicht trotzdem als gewinnbringend heraus. Als zwölfter Schütze des Elfmeterschießens verwandelte Bi-Ria zum 4:3-Endstand. 'Wir haben uns ins Spiel reingebissen und hätten es schon in den 90 Minuten zu unseren Gunsten entscheiden müssen', kommentierte der Matchwinner ein Pokalspiel mit zwei grundverschiedenen Halbzeiten. Gleichzeitig gab Iman Bi-Ria ein Versprechen ab. 'Wir spielen im Halbfinale wieder zu Hause und werden auch Eintracht Braunschweig das Siegen schwer machen.'

Andere Ottersberger betrachteten den Pokaltriumph nüchterner als der nach dem Abpfiff aufgewühlte Stürmer. Beispielsweise Torwart Tim Eggert, der in der 55. Minute spektakulär gegen Weinrich rettete (er lenkte den Schuss des Stürmers noch an die Latte) und damit die letzte zwingende VSK-Torchance in diesem Match zunichte machte. 'Taktik', lieferte der Keeper die Begründung für die Leistungsexplosion in der zweiten Halbzeit, 'es kommt erst einmal darauf an, hinten sicher zu stehen.' Freilich profitierten Eggert (Sieger im Duell mit Marco Ordenewitz) und dessen Mitstreiter auch vom Unvermögen der Osterholzer Elfmeterschützen. Die von Peer Jaekel und Kapitän Julian Stroppel getretenen Bälle kamen nicht einmal aufs Ottersberger Tor. 'Bitter, wenn zwei der sechs Schützen daneben schießen', stellte VSK-Trainer Günter Hermann verständnislos fest.

Am Montag um 19.30 Uhr werden beide Mannschaften bereits zum Kampf um Oberliga-Punkte aufeinandertreffen, und der gastgebende und nach fünf Spieltagen noch sieglose TSV Ottersberg wähnt sich neuerdings in der günstigeren Ausgangsposition. 'Osterholz-Scharmbeck ist auch innerhalb von 90 Minuten zu schlagen', verbreitete Sammrey schon am Mittwoch Zuversicht, 'es wird nicht mehr lange dauern, bis wir den ersten Dreier holen.' Freilich kann der Trainer am Montag nicht auf Außenverteidiger Wahlers (berufliche Verpflichtungen) zurückgreifen, und der Einsatz seines neuen Sechsers Koltonowski (Spätdienst) ist noch nicht gesichert.

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