Ungeklärte Zukunft der Sportstätten

TSV-Sportler machen ihrem Unmut Luft

Achim. Mit Plakaten und Trommeln sind die Sportler des TSV Uesen am Montagabend durch die Stadt gezogen. Das Ziel der rund 150 Vereinsmitglieder war das Rathaus, dort fand die gemeinsame Sitzung des Ortsausschusses Uesen und der Fachausschüsse für Schule sowie Sport und Kultur statt.
17.08.2010, 17:20
Lesedauer: 3 Min
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TSV-Sportler machen ihrem Unmut Luft
Von Ralf Michel
TSV-Sportler machen ihrem Unmut Luft

Alexsander Nesic (rotes Trikot) konnte sich in der 26. Minute in die Ueser Torschützenliste eintragen lassen, er erzielt

HASSELBERG

Achim. Mit Plakaten und Trommeln sind die Sportler des TSV Uesen am Montagabend durch die Stadt gezogen. Das Ziel der rund 150 Vereinsmitglieder war das Rathaus, dort fand die gemeinsame Sitzung des Ortsausschusses Uesen und der Fachausschüsse für Schule sowie Sport und Kultur statt.

Die Botschaft der Sportler war unmissverständlich: 'Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns den Sportplatz klaut', stand auf dem Transparent, das Jonas und Finn, zwei Fußballer aus der D2-Jugend, trugen. Mit Nachdruck machte der TSV Uesen am Montagabend im Ratssaal seinem Unmut über die ungeklärte Zukunft seiner Sportstätten Luft. 'Wie lange sollen wir noch warten?', stand auf einem Plakat. 'Unsere Geduld ist am Ende' und 'Rote Karte wegen Unfairness' auf zwei anderen.

Trommler führten den Zug vom Bibliotheksplatz aus bis hinein in den Ratssaal. Was Petra Gölz (CDU) gründlich fehlinterpretierte. So rhythmisch sei man selten begrüßt worden, freute sich die Vorsitzende des Ortsausschusses. Und bekam via Pfeifkonzert prompt zu spüren, wie es um die Stimmungslage der Sportler in Uesen gestellt ist. 'Das war keine Begrüßung, das war ein Ausbuhen', stellte einer der Fußballer klar.

Schulturnhalle sanierungsbedürftig und zu klein

Ruhe kehrte erst ein, als Petra Gölz das eigentliche Problem des TSV herausarbeitete. Die Schulturnhalle, die auch der Sportverein nutzt, ist sanierungsbedürftig und zu klein, den Fußballern fehlt ein dritter Sportplatz. Im Herbst 2008 brachte die Politik zwar konkrete Lösungen auf den Weg, die jedoch wurden auf Eis gelegt, als plötzlich die Variante eines neuen Sportzentrums im ehemaligen Bundeswehrgelände auf den Tisch kam. Eine 'nahezu perfekte Lösung', kommentierte Gölz. Die jedoch vor ein paar Wochen platzte. Die Stadtwald-GmbH als Investor zog sich zurück, Rat und Verwaltung stehen erneut vor der Frage: 'Wohin mit dem TSV Uesen?'

Im Ratssaal hatten zunächst die aufgebrachten Sportler das Wort. Sie fürchten vor allem, dass das Thema erneut auf die lange Bank geschoben wird. 'Es darf nicht sein, dass Eltern abgewiesen werden, die ihre Kinder im Sportverein anmelden wollen', empörte sich Dirk Hamer mit Blick auf die Turnsparte, die mangels Platz keine neuen Mitglieder aufnimmt. In andere Stadtteile, wie zum Beispiel das Magdeburger Viertel, werde immer wieder Geld für Projekte gepumpt, aber 'bei uns in Uesen geschieht für Kinder und Jugendliche seit Jahren nichts', kritisierte Marcel Steinführer, Jugendobmann der TSV-Kicker.

'Wenn alles normal gelaufen wäre, würden wir heute nicht hier sitzen', versuchte Bürgermeister Uwe Kellner Druck aus dem Kessel zu nehmen. 'Wir waren 2008 auf einem guten Weg, dann kam eine sehr gute Alternative. Aber die hat nicht funktioniert.' Man habe versucht, mit dem Investor zu verhandeln, doch vergebens. Auch die Variante, dass die Stadt selbst die Sportplätze im ehemaligen Kasernengelände herstellt, wird es nicht geben. 'Die Grundstücke stehen dafür nicht zur Verfügung.'

Sporthalle in Industriebauweise?

Deshalb müsse man zur Situation 2008 zurückkehren. Die Sanierung der Schulturnhalle wurde damals mit 722.000 Euro veranschlagt plus 25.000 Euro für die Reparatur des Schwimmhallendaches. Zuzüglich einer zu erwartenden Kostensteigerung von 20 Prozent stünden heute 896.400 Euro zu Buche. Der Abriss der Sporthalle und der Neubau einer kleinen 2-Feld-Halle (18x36 Meter) würden 2.286.000 Euro kosten, inklusive Schwimmhallendach und Preissteigerung, aber exklusive der Kosten für den notwendigen Erwerb von Grundstücken und eines neuen Parkplatzes. Zu überprüfen wäre, ob es nicht doch eine Sporthalle in sogenannter Industriebauweise täte, die wesentlich günstiger käme, regte Kellner an.

Zum Thema dritter Sportplatz verwies der Bürgermeister auf den genehmigten Bauantrag des Kreises für ein Spielfeld auf dem heutigen Vereinsgelände. Allerdings stünde hierzu nach wie vor die Klage aus der Nachbarschaft im Raum.

Die nachfolgende Diskussion erinnerte dann tatsächlich stark an den Herbst 2008. Der CDU fehlen immer noch (oder wieder) konkrete Zahlen, weshalb Rüdiger Dürr die Vorlage der Verwaltung als Luftnummer bezeichnete. Auch die Grünen vermissen eine vernünftige Grundlage für Entscheidungen und fordern zudem erneut, die Sportstättensituation nicht losgelöst für Uesen, sondern für die gesamte Stadt zu betrachten. 'Wir können nicht einfach aus dem Bauch heraus entscheiden, nur weil gerade so viele TSVler da sind', betonte Helmut Herrmann und erinnerte daran, dass sich die Haushaltslage der Stadt seit dem Herbst 2008 deutlich verschärft hat.

Etatberatungen beginnen im September

Die SPD machte sich für eine neue Turnhalle stark und brachte einen Alternativstandort für den dritten Sportplatz ins Spiel. Bemüht um eine 'gemeinsame klare Strategie' formulierte Herfried Meyer schließlich ein interfraktionelles Paket von Aufträgen an die Verwaltung. Danach soll unter anderem der Bau einer neuen Sporthalle nördlich vom jetzigen Standort geprüft werden, wofür keine Grundstücke gekauft werden müssten. Ebenfalls zu klären ist, ob der dritte Sportplatz am TSV-Vereinsheim mehr in Richtung Kasernengelände angelegt werden könnte, was die Klage der Anwohner hinfällig machen würde. Abgearbeitet werden soll all dies bis zu den Etatberatungen 2011. Die beginnen übrigens laut Plan im September.

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