TSV Ristedt

Helfen, wie man kann

Der TSV Ristedt ruft gemeinsam mit dem DRK und der Deutschen Stammzelldatei zu einer Typisierung und Blutspende auf. Ein erkrankter Fußballer hofft auf einen passenden Spender.
05.08.2020, 17:21
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Sarah Essing
Helfen, wie man kann

Marco (links) und Kevin Zindler wollen sich nicht nur selbst typisieren lassen. Die beiden Brüder verteilen auch noch Flyer, um auf die Aktion aufmerksam zu machen.

Michael Braunschädel

Syke-Ristedt. Die Diagnose Leukämie ist für Betroffene und ihre Familien ein Schock. Doch mit einer Knochenmarkspende kann heutzutage vielen Menschen, die an einer akuten oder chronischen Erkrankung des Blutes leiden, geholfen werden. Darauf hoffen auch der TSV Ristedt und Oldie-Kicker René Biesicke, bei dem vor Kurzem eine seltene Knochenmarkserkrankung diagnostiziert wurde, wie die Medienbeauftragte des Vereins, Nicole Renner, mitteilt. Eine Knochenmarkspende könnte ihm helfen, darum organisierten seine Mannschaftskameraden Henry Stöver und Michael Rauert gemeinsam mit dem Vereinsvorstand kurzfristig eine Typisierungsaktion.

Eine Blutspende war für Dienstag, 11. August, ohnehin beim TSV in der Turnhalle an der Alten Schulstraße vorgesehen, wie gewohnt gemeinsam mit dem Blutspendedienst des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). Dieser wiederum kooperiert nun mit der Deutschen Stammzellenspenderdatei (DSD) in Dessau und bietet regelmäßig neben der Blutspende auch Typisierungsaktionen an. Der nächste Termin dafür in Ristedt wäre zwar erst im Dezember gewesen, doch so lange wollten Biesickes Mannschaftskollegen nicht warten. Eine Anfrage beim DRK reichte und binnen Stunden wurde die Blutspendeaktion am 11. August um eine Typisierung erweitert.

„Für den Spender ist das kein Aufwand“, zeigt sich DRK-Regionalleiter Jürgen Engelhard überzeugt. Blutspendern werde nur ein Röllchen Blut mehr abgenommen, also vier statt drei, erläutert er. Und auch wer kein Blut spenden möchte oder darf, kann sich trotzdem typisieren lassen. „Das läuft dann mit einem Abstrich per Wattestäbchen“, sagt er.

„Bedenken braucht niemand haben“, kann Engelhard zudem beruhigen. Mit der Typisierung und der Registrierung in der DSD gibt man zunächst nur eine Absichtserklärung ab, erläutert er. Diese beinhalte keine Verpflichtung zur Spende, selbst wenn es zu einer Übereinstimmung komme. Tritt dieser Fall ein, werde der potenzielle Spender abermals gefragt, ob er tatsächlich spenden möchte. „Auch dann kann ich mich immer noch entscheiden“, so Engelhard weiter.

Die tatsächliche Entnahme hingegen sei schon etwas aufwendiger, räumt er ein. Allerdings auch längst nicht mehr so wie früher. „90 Prozent aller Stammzellenspenden heutzutage laufen als sogenannte Apherese ab“, teilt Engelhard mit. Dieses Verfahren funktioniere ähnlich wie eine Dialyse bei Nierenpatienten, erläutert er weiter. „Dabei können die Spender ganz bequem in einem Stuhl sitzen.“ Auf der einen Seite wird das Blut des Spenders durch die Armvene entnommen und in ein geschlossenes Schlauchsystem geleitet. Dort wird entnommen, was benötigt wird – Plasma, Erythrozyten, Thrombozyten oder Blutstammzellen – und das Blut wird dem Spender in den anderen Arm wieder injiziert. Der entnommene Bestandteil kann dann dem Patienten zugeführt werden.

Nur noch in zehn Prozent der Fälle sei eine Entnahme von Stammzellen aus dem Knochenmark erforderlich, so Engelhard weiter. Und diese werden nicht mehr wie früher aus dem Rückenmark genommen, sondern aus dem Beckenkamm. „Das ist schon ein operativer Eingriff“, räumt er ein. „Da tut einem ein paar Tage der Po weh.“ Doch der Einsatz lohnt sich, findet Engelhard. „Man kann damit ein Menschenleben retten“, unterstreicht er und freut sich, dass zunehmend mehr Menschen, auch immer mehr junge dazu und auch zur Blutspende bereit sind.

Bereit zur Spende sind auch Marco und Kevin Zindler. Die beiden Brüder kennen Biesicke gut. Marco Zindler ist ein ehemaliger Arbeitskollege und Nachbar. Als er von der Erkrankung hörte, hat er sofort gesagt, dass er sich typisieren lassen wird. „Das ist doch selbstverständlich“, sagt er. Dafür hat er sogar eigens seine Spätschicht getauscht, damit er den Termin wahrnehmen kann. Und auch gleich seiner gesamten Familie diesen Termin vorgemerkt – jedenfalls soweit es altersmäßig möglich ist. „Bis 55 Jahre darf man spenden“, weiß er. Seine drei Geschwister sind also mit dabei, die Tochter, die Nichte und deren Freund.

„Meistens wird man ja leider erst tätig, wenn man jemanden kennt oder selbst betroffen ist“, bedauert Kevin Zindler, dass er bisher noch kein Blutspender ist. „Man nimmt es sich immer vor, aber meistens bleibt es dann dabei“, sagt Marco Zindler. Jetzt nicht mehr. Das wird sich an diesem Tag auch ändern, sagen die beiden Brüder.

Und in diesem Fall wollen sie sogar noch mehr machen. Kevin Zindler hat Flyer des Aufrufs, den der TSV Ristedt per Whatsapp und Internet verteilt hat, noch drucken lassen. „Die werden wir noch überall verteilen, wo was los ist“, sagt der Weyher. „Man versucht ja, zu helfen, wie man kann.“

Die Teams der DSD und des DRK sieht Jürgen Engelhard trotz Auflagen bedingt durch die Corona-Pandemie gut gerüstet für die Aktion und hofft auf reichlich Andrang. „Wir planen mit mehr Personal als sonst und die Zeit wurde noch mal verlängert“, kündigt er an. Von 16.30 bis 20 Uhr kann am Dienstag, 11. August, in Ristedt gespendet werden.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+