13 Sagen aus vergangenen Jahrhunderten in einem Buch / Von Ungerechtigkeit, Habsucht und Unglück Über Twistringen wird viel erzählt

Twistringen. Ob die Scharrendorfer Hünenburg, die Dehmse, die durch Twistringen fließt, oder die Heiligenloher Kirche - diese Punkte sind wohl jedem Twistringer ein Begriff. Und alle haben etwas gemeinsam: Über Jahrhunderte haben sich sagenhafte Erzählungen über sie gehalten. Diese Sagen leben nun wieder auf, denn kürzlich ist das Twistringer Sagenbuch erschienen.
10.12.2010, 05:00
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Von Julia Soostmeyer

Twistringen. Ob die Scharrendorfer Hünenburg, die Dehmse, die durch Twistringen fließt, oder die Heiligenloher Kirche - diese Punkte sind wohl jedem Twistringer ein Begriff. Und alle haben etwas gemeinsam: Über Jahrhunderte haben sich sagenhafte Erzählungen über sie gehalten. Diese Sagen leben nun wieder auf, denn kürzlich ist das Twistringer Sagenbuch erschienen.

"Das Buch ist noch das letzte, was fehlte, um das Projekt der Twistringer Erlebnisroute Archäologie abzuschließen", erläutert die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Twistringen, Heike Harms, die Entstehung des sagenhaften Buches. Die Route um die Stadt wurde vor kurzem erweitert. Eine Karte führt zu geschichtlichen und archäologischen Sehenswürdigkeiten in und um Twistringen.

Das Sagenbuch beinhaltet 13 mündlich überlieferte Erzählungen. Zwölf davon handeln von Zwergen, Schlangen oder Personen, die einst in Twistringen gelebt haben sollen. Eine Sage spielt zwischen Bockstedt und Heiligenloh. Diese wurde kurzerhand eingebürgert. "Immer wenn Sagen erzählt wurden, wurde auch die des verschwundenen Mollen erzählt", begründet Heike Harms das Erscheinen der Erzählung im Sagenbuch.

Es sind schon andere Niederschriften der Sagen über Twistringen erschienen, doch davon ist keine mehr erhältlich. Und auch für die Gästeführer der Stadt sind die Überlieferungen immer wieder ein interessantes Thema für Führungen oder andere Veranstaltungen. Grund genug, eine Neuauflage zu gestalten, dachte sich die Gleichstellungsbeauftragte. Mit Hilfe von Bernhard Fies, der die Erzählungen bereits für das Buch "Twistringen - eine Heimatkunde" niederschrieb, dem Stadtarchivar Friedrich Kratzsch, dem ehemaligen Archivar Otto Bach und dem Zeichner Sven Bischoff kreierte Heike Harms ein neues Twistringer Sagenbuch.

Talentierter Flughafenangestellter

"Zeichnungen gab es zu den Texten vorher noch gar nicht", sagt Harms. Jetzt gibt es zu jeder Geschichte zwischen einer und drei Zeichnungen. Der Flugsicherheitsbeauftragte Sven Bischoff nahm sich der Aufgabe an, die Abbildungen zu zeichnen. Doch was hat ein Flugsicherheitsbeauftragter damit zu tun? "Ich zeichne seit rund 40 Jahren. Früher genoss ich dabei die Ruhe und den Rückzug, heute möchte ich andere Menschen daran teilhaben lassen", erläutert Bischoff sein Hobby und seine Leidenschaft zu zeichnen.

Es hat sich sichtlich gelohnt. Mit mühevoller Hingabe hat er sich von den Sagen inspirieren lassen und seiner Kreativität freien Lauf gelassen. Daraus entstanden sind passende Abbildungen, die nicht modern erscheinen, sondern ebenso altertümlich wie die Erzählungen selbst. "Wir sind sehr zufrieden mit dem Ergebnis", sagt Bischoff, dem die Aufgabe sichtlich Freude bereitete. "Er hat viele liebevolle Details in die Zeichnungen eingebracht", lobt Heike Harms sein Können und die Darstellungen.

Die niedergeschriebenen Sagen haben einen eher düsteren Charakter. Ungerechtigkeit, Habsucht und Unglück werden thematisiert. Die Botschaften, die sich hinter den Erzählungen verstecken, kommen deutlich zum Vorschein.

Um zwei der Überlieferungen kritischer betrachten zu können, haben sich Friedrich Kratzsch und Otto Bach einmal näher damit befasst. Sie stellten Nachforschungen zu den Sagen an, um den geschichtlichen Ursprung zu hinterfragen. Kann die Geschichte wahr sein? Um diese Frage zu beantworten, durchforsteten Kratzsch und Bach Bücher und Zeitschriften und holten Auskünfte ein. Das Ergebnis kann im Twistringer Sagenbuch nachgelesen werden.

Erhältlich ist das Werk im Bürgerservice des Twistringer Rathauses, im Schreibwarenladen Dauelsberg und bei Kalthoff sowie in der Heiligenloher Volksbank. Da das Buch über die Behörden für Geoinformation, Landentwicklung und Liegenschaften aus europäischen Mitteln finanziert werden konnte, wird es zu einem Preis von sieben Euro angeboten.

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