Gesperrte Straßen, geschlossene Schulen, gestrichene Flüge

Überblick: Orkantief „Sabine“ wirbelt Niedersachsen durcheinander

Gesperrte Straßen, geschlossene Schulen, gestrandete Zugpassagiere - auch das „sturmfeste und erdverwachsene“ Niedersachsen pustete Orkantief „Sabine“ ordentlich durch. Dann kam es doch nicht so dicke.
10.02.2020, 13:08
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Mit orkanartigen Böen und Windgeschwindigkeiten von mehr als 100 Stundenkilometern hat Sturmtief „Sabine“ in Niedersachsen und Bremen für einen turbulenten Wochenstart gesorgt. Schulen blieben geschlossen, Polizei und Feuerwehr waren mancherorts im Dauereinsatz. Im Laufe des Montags entspannte sich die Lage zunächst. Aber die Küste stellt sich auf eine leichte Sturmflut ein.

KÜSTE: Bei Tag betrachtet blieben die Folgen des Orkantiefs für die ostfriesischen Inseln gering. Schäden über Strandabbrüche seien zunächst nicht bekannt gewesen, sagte die Sprecherin des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN), Bettina Dörr. „Bislang ist alles im grünen Bereich.“ Das könne sich in den kommenden Tagen ändern, denn bis Mitte der Woche sei eine leichte Sturmflut angekündigt mit Überflutungen der Strände und der Vorländer. „Ob was passiert, wissen wir nicht.“ Die Schadensaufnahme dauere erwartungsgemäß zwei bis drei Tage.

Der Fährverkehr von und zur Insel Borkum wurde am Sonntagnachmittag eingestellt. Insulanerin Erika Amshoff musste bei einer Freundin auf dem Festland übernachten. „Wir sind das gewohnt. Wir sagen dann immer: So‘n bisschen Wind.“ Die 47-Jährige erinnert sich, wie ihr Vater einst im Sturm raus musste, um den Deich zu reparieren; da seien die Auswirkungen von „Sabine“ harmlos. Von dem bisschen Wind wurde der Niederländer Ronnie Heldens bei seinem Wochenendausflug auf Borkum allerdings „richtig weggepustet“. Eigentlich habe er den Sturm auf dem Deich beobachten wollen, doch dort nicht mehr stehen können. Insel-Leuchtturmwärter Hans-Jürgen Clausing nennt Windstärken neun bis zehn wie am Vortag ebenfalls harmlos: „Wir sind andere Stürme gewohnt.“

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ZUGVERKEHR: Der Bahnverkehr lief am Montagmorgen im Regionalverkehr langsam wieder an. „Das sieht alles relativ gut aus“, so eine Bahnsprecherin mit Blick auf den Norden. Sonntagabend ging dagegen nichts mehr, weshalb die Deutsche Bahn auch am Hauptbahnhof Hannover Übernachtungszüge bereit stellte, die von rund 110 gestrandeten Fahrgästen genutzt wurden. Eine von ihnen war Birgit Schiller. „Wirklich geschlafen habe ich nicht“, sagt die Brandenburgerin aus Luckenwalde, die übers Wochenende Freunde in Holzminden im Weserbergland besucht hatte.

Am frühen Sonntagabend war für sie auf der Rückfahrt in Hannover Schluss, seitdem harrte sie aus: „Ich schätze mal, dass ich heute Abend gegen sechs zuhause bin.“ Sie fühlte sich gut informiert. Die Bahn habe Essenspakete, Zahnbürsten und Decken bereitgestellt. „Der Bahn kann man da keinen Vorwurf machen, die hat ja tagelang vorher gewarnt. Ich dachte einfach, dass ich es vor dem Sturm noch schaffe“, erzählt Schiller.

AUTOBAHNEN: Die zentrale Nord-Süd-Verbindung, die Autobahn A7, war zwischen Hildesheim und dem Dreieck Salzgitter die komplette Nacht und am Morgen wegen Sturmschäden gesperrt. „Das war schon ein großer Sturm für uns“, sagte Erhard Wien von der Autobahnmeisterei Hildesheim. Bei Tagesanbruch begannen die Aufräumarbeiten. Mithilfe von Kettensägen entfernten Straßenmeister einige umgestürzte Bäume. „Durch den Sturm ist viel Gehölz auf der Fahrbahn. Das wird noch einige Zeit dauern, weil wir die komplette Strecke abfegen müssen.“ Die A1 und A39 mussten zur Räumung kurzfristig gesperrt werden.

FLUGHÄFEN: Rund ein Drittel der Flüge wurde am Flughafen Hannover gestrichen. Wahrscheinlich ab Dienstag werde wieder der normale Flugplan gelten, hieß es. In Bremen wurden am Sonntag 10 abgehende und 14 ankommende Flüge gestrichen; am Montag waren es 6 ankommende und 8 abgehende Flüge.

FEUERWEHR- UND POLIZEI: Viel zu tun hatten die Feuerwehrleute im Land. Insgesamt gab es in Niedersachsen bis zum frühen Montagmorgen rund 1000 Polizeieinsätze. Umgestürzte Bäume führten zu Dauereinsätzen, viele Straßen waren blockiert. Im Harz etwa waren außer Nebenstrecken auch mehrere Bundesstraßen nicht passierbar, wie ein Polizeisprecher in Goslar sagte. Vielerorts lägen umgestürzte Bäume auf den Fahrbahnen. „Auch wenn wir viele Einsätze gefahren sind, ist am Ende doch weniger passiert als erwartet“, sagte ein Sprecher der Polizei Hannover am frühen Montagmorgen.

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SCHULEN: In vielen niedersächsischen Landkreisen sowie in Bremen und Bremerhaven blieben die allgemeinen und berufsbildenden Schulen am Montag wegen „Sabine“ geschlossen. „Die Lageeinschätzung der Feuerwehr war mehr als deutlich“, begründete eine Sprecherin der Bremer Bildungsbehörde den Schritt.

HARZ UND WALD: Die Nationalparkverwaltung Harz warnte nach dem Durchzug des Orkantiefs „dringend“ vor einem Besuch der Wälder. „Es besteht weiterhin eine akute Gefahr für Leib und Leben“, sagte ein Sprecher. Es könnten weiterhin Äste herunterfallen oder bereits geschädigte Bäume umstürzen. Wegen der erheblichen Gefahr schicke der Nationalpark vorerst seine Mitarbeiter nicht in die betroffenen Waldgebiete.

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