Radweg von Delmenhorst nach Lemwerder

Umbau alter Bahntrasse rückt näher

Aus der alten Bahntrasse in Richtung Lemwerder will Delmenhorst einen Radweg machen, der bis an die Weser führen könnte. Doch in der Nachbargemeinde stößt diese Idee bisher auf wenig Gegenliebe.
05.04.2021, 16:00
Lesedauer: 3 Min
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Umbau alter Bahntrasse rückt näher
Von Björn Struß
Umbau alter Bahntrasse rückt näher

Ab Juli sollen die alten Schienen Stück für Stück verschwinden.

INGO MÖLLERS

Seit über zehn Jahren rollt zwischen Delmenhorst und Lemwerder kein Zug mehr. An der alten Bahntrasse nagt der Zahn der Zeit. Schon im Oktober 2019 hatte die Kommunalpolitik den Beschluss gefasst, diesen Zustand zu ändern: Aus der Bahnstrecke soll ein Fahrradweg werden. Im Juli soll die Umsetzung dieses Projekts mit kalkulierten Gesamtkosten von 1,86 Millionen Euro beginnen. Während der Zeitplan für den Delmenhorster Teil der Trasse konkrete Züge annimmt, ist die Nachnutzung der Schienen in Lemwerder noch völlig offen. Ob der Radweg irgendwann in das Herz der Nachbargemeinde und so auch an die Weser führt, muss die Kommunalpolitik dort erst noch entscheiden.

Der erste Schritt für das Bauprojekt ist der Rückbau der Schienen, der in Delmenhorst eigentlich für das Jahr 2020 geplant war. Stattdessen werden die Bagger nun im Juli 2021 anrollen. Bis September sollen die Schienen zwischen der Nordwolle und Deichhausen (siehe Grafik) verschwunden sein. „Anfang 2022 wollen wir dann auch die Kreuzungsbereiche zurückbauen. Das ist noch einmal deutlich aufwendiger als die reinen Gleisanlagen. Wann die Benutzung durch Fahrradfahrer möglich ist, lässt sich jetzt noch nicht sagen“, berichtet Maximilian Donaubauer, Fachbereichsleiter für Planen, Bauen und Verkehr.

Kiesbett soll bleiben

Das Kiesbett soll laut Planungen erhalten bleiben und als Grundlage für den Radweg dienen. Unklar ist aber, wie sich die Schadstoffbelastung entwickelt hat. 2019 hatte die Verwaltung davor gewarnt, dass sich Schwellen in Bruchstücke auflösen. „Eine weitere Verwitterung in Kleinstbestandteile der teerölverunreinigten Holzschwellen könnte den Schotter und das Erdreich kontaminieren“, hieß es damals. Die Verzögerung des Gleisrückbaus hat dieses Problem möglicherweise verschärft.

Der Radweg endet nach aktuellem Planungsstand an der Grenze zur Gemeinde Lemwerder.

Der Radweg endet nach aktuellem Planungsstand an der Grenze zur Gemeinde Lemwerder.

Foto: WK/ Berding

Für den fertigen Radweg rechnen die Verkehrsplaner mit rund 1000 Fahrradfahrern pro Tag. Auch Touristen sollen über die komfortable Strecke ihren Weg nach Delmenhorst finden. Der Weg endet praktisch beim Nordwolle-Museum, auch die Städtische Galerie ist nicht weit weg. Die Nord-Süd-Achse könnte in den kommenden Jahren auch mit einer Ost-West-Achse verbunden werden, dem geplanten Radschnellweg von Bremen nach Oldenburg. Für die selbst ernannte Klimamusterstadt spielt der Umbau der Bahntrasse deshalb eine zentrale Rolle, um Fahrradfahrern eine bessere Infrastruktur zu bieten. Bisher ist Delmenhorst im Fahrradklimatest des ADFC mit der Schulnote 4 nur Mittelmaß (wir berichteten).

Wie hoch der touristische Wert des Bauprojekts ist, hängt auch von der Anbindung an Lemwerder ab. Die Bahntrasse endet dort im Bahnhof und somit auch in unmittelbarer Nähe des Fähranlegers in Richtung Vegesack. „Die Idee ist ein durchgehender Radweg“, betont Donaubauer. Deshalb stehe Delmenhorst natürlich in Kontakt mit der Gemeinde Lemwerder.

In der Nachbargemeinde äußert sich die ehemalige Bürgermeisterin Regina Neuke zurückhaltend: „Die Abstimmungen in Bezug auf die Nachnutzung der Trasse sind in Lemwerder noch nicht abgeschlossen.“ Den Radverkehr als Teil des Klimaschutzes zu betrachten, könne der Debatte aber sicherlich neue Impulse geben. Zum 1. April hat sie das Amt an ihre Nachfolgerin Christina Winkelmann übergeben. Diese wollte sich noch nicht zur Zukunft der Bahntrasse äußern.

Keine politische Mehrheit in Lemwerder

Im Gemeinderat hatten sich 2019 die Unabhängigen Wähler Lemwerder (UWL) für den Umbau der Bahnstrecke zu einem Radweg stark gemacht. Der Versuch, im Haushalt für das Jahr 2020 zumindest das Geld für die Planungen einzustellen, scheiterte allerdings. Gegen das Vorhaben positionierten sich SPD und CDU, die mit sieben und vier Sitzen im Gemeinderat die stärksten Fraktionen bilden. Die Christdemokraten befürchteten Störungen des Streckenverlaufs, weil Landwirte mit ihren Fahrzeugen kreuzen müssen. Auch die geplante Bundesstraße 212 neu kreuzte die alte Bahntrasse.

„In Lemwerder muss man die Bahntrasse anders betrachten“, sagt Dennis Paack, in Lemwerder Fachdienstleiter für Bauplanung. Während die Strecke in Delmenhorst viel durch städtisches Gebiet laufe, seien es in Lemwerder oftmals Wiesen ohne Anbindung an das Straßennetz. „Es gibt auch Abschnitte, in denen die Schienen parallel zu einer ausgebauten Landstraße mit Fahrradweg verlaufen“, erklärt Paack. Die Diskussion um den Umgang mit den alten Schienen müsse allerdings in der Politik stattfinden.

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