Geplante Erdgassuche

Umstrittenes Bohrvorhaben im Wasserschutzgebiet in Verden

Mehrere Kommunen im Landkreis Verden möchten geschlossen einen Einstieg in die Erdgasförderung verhindern. Die Dea plant eine Erweiterung des Betriebsplatzes am Rande des Wasserschutzgebietes am Panzenberg.
30.11.2018, 22:28
Lesedauer: 2 Min
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Umstrittenes Bohrvorhaben im Wasserschutzgebiet in Verden
Von Kai Purschke
Umstrittenes Bohrvorhaben im Wasserschutzgebiet in Verden

Das rote X gilt als Symbol des Protests gegen die Gasförderung.

Christian Kosak

Die Erfahrungen mit der jahrelangen Erdgasförderung im Flecken Langwedel haben nun auch die anderen Kommunen im Landkreis Verden wachsam werden lassen. Sie möchten nahezu geschlossen einen Einstieg in die Erdgasförderung verhindern, indem sie den Vibro-Trucks der Deutschen Erdöl AG (Dea) das Befahren von öffentlichen Straßen und Wegen untersagen wollen. Denn bei den Messungen könnte es nicht bleiben: Diese seismischen Voruntersuchungen können bei positivem Befund eine Erdgasförderung nach sich ziehen.

Nicht nur Politiker einzelne Städte und Gemeinden haben sich bisher gegen die Messungen ausgesprochen, auch ihre Bürger und die dort ansässigen Bürgerinitiativen (BI) machen mobil. Mit einer gemeinsamen Stellungnahme haben die BI No Fracking im Erdgasfeld Völkersen, BI Intschede Wesermarsch ohne Bohrtürme, BI Flecken Langwedel gegen Gasbohren, BI Rote Hand Thedinghausen/Achim, BI Walle gegen Gasbohren und BI Lintler Geest gegen Gasbohren ihren Unmut öffentlich kundgetan. Darüber hinaus haben sie rote Xe als Zeichen des Protests im Straßenraum platziert.

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Aber die Dea möchte derzeit noch weitere Zeile erreichen und hat sich mit den Vorhaben bisher keine Freunde gemacht. Das Unternehmen will unter anderem am Rande des Wasserschutzgebietes Panzenberg in Verden seinen Betriebsplatz erweitern und dort eine zusätzliche Bohrung (Völkersen Z 12) errichten. Nicht nur der Verdener Kreistag, der geschlossen eine Umweltverträglichkeitsprüfung für das Vorhaben gefordert sowie die Resolution „Gasförderung im Kreisgebiet verringern – mehr Rechte für betroffene Kommunen“ auf den Weg gebracht hat, sieht das kritisch.

Die Dea hatte sich dem Druck aus der Bevölkerung gebeugt und im Streit um das geplante Bohrvorhaben am Rande des Trinkwasserschutzgebiets eingelenkt. Die Dea will nun die aus Verden geforderte, aber freiwillige Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) beim zuständigen Niedersächsischen Erdbebendienst am Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) beantragen. Auch Niedersachsens CDU-Vorsitzender und Wirtschaftsminister Bernd Althusmann begrüßte die Ankündigung des Unternehmens. Er hatte den Panzenberg bei seinem Besuch in Verden sogar zur Chefsache erklärt.

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Zudem möchte das Unternehmen einen neuen Bohrplatz in Holtebüttel im Flecken Langwedel südlich der A 27 in Betrieb nehmen. Der Holtebütteler Ortsrat hat sich vehement dagegen ausgesprochen. Denn die Erdgasförderung ist angesichts mehrerer Erdbeben in der Region, die im (sehr wahrscheinlichen) Zusammenhang mit den Aktivitäten der Dea stehen, für viele Menschen im Landkreis Verden inzwischen ein sehr emotionales Thema.

Negative Beispiele gibt es zuhauf. Zum Beispiel den Vorfall vor gut einem Jahr, als das Landesbergamt eine Lokalmagnitude von 2,5 in einer Tiefe von 5000 Metern nachgewiesen hat. Es galt als „leichtes Beben“, war aber für die Menschen deutlich zu spüren. In den vergangenen zehn Jahren hat der Niedersächsische Erdbebendienst insgesamt neun schwache Erdbeben der Lokalmagnitude 1,8 bis 3,1 im Bereich des Erdgasfeldes Völkersen in Langwedel registriert. Das stärkste Beben mit der Magnitude 3,1 ereignete sich am 22. April des Jahres 2016.

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