Aufzuchtstation an der Oste?

Umweltminister ehrt Stör-Retter

Bremervörde (es). Mit einer Urkunde, unterzeichnet von Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU), sind Naturschützer aus dem Osteland von einer besonderen Ehrung zurückgekehrt: In einer Feierstunde auf der brandenburgischen Burg Lenzen ist die von den 8000 Sportfischern an der Oste unterstützte Wiedereinbürgerung des weltweit nahezu ausgerotteten Europäischen Störs als „Beispielprojekt der UN-Dekade zur biologischen Vielfalt“ ausgezeichnet worden. Zugleich erfolgte an der mittleren Elbe die Freisetzung des 10000.
01.10.2013, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Johannes Heeg

Mit einer Urkunde, unterzeichnet von Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU), sind Naturschützer aus dem Osteland von einer besonderen Ehrung zurückgekehrt: In einer Feierstunde auf der brandenburgischen Burg Lenzen ist die von den 8000 Sportfischern an der Oste unterstützte Wiedereinbürgerung des weltweit nahezu ausgerotteten Europäischen Störs als „Beispielprojekt der UN-Dekade zur biologischen Vielfalt“ ausgezeichnet worden. Zugleich erfolgte an der mittleren Elbe die Freisetzung des 10000. Jungstörs der bedrohten Art „Acipenser sturio“.

Insgesamt ein Drittel der seit 2008 in das gesamte Elbesystem entlassenen Setzlinge aus französischer Nachzucht war für die Oste bestimmt, resümierte Jörn Gessner von der Gesellschaft zur Rettung des Störs, der den UN-Preis entgegennahm. Der längste Nebenfluss der Niederelbe, in dem um die Jahrtausendwende bereits die Wiedereinbürgerung des Lachses gelungen war, gilt wegen seiner Wasserqualität, seiner Gewässerstruktur und des Engagements der Oste-Anrainer als besonders geeignet als Stör-Habitat, heißt es in einer Pressemitteilung.

Mit Urkunden als Projektpartner geehrt wurden rund ein Dutzend Vertreter von Artenschutz und Sportfischerei aus dem gesamten Einzugsbereich der Elbe, darunter vom Unterlauf Jens-Uwe Lützen (Itzehoe) sowie Jochen Bölsche, Vorsitzender der gemeinnützigen Arbeitsgemeinschaft Osteland, und Wolfgang Schütz von deren Fachgruppe Wanderfische (beide Osten).

Die international beachtete Rettung des extrem bedrohten Europäischen Störs sei „vergleichbar mit dem Schutz von Tiger und Nashorn“, betonte in seiner Festrede Professor Klement Trockner vom Berliner Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei. Der Kampf gegen den „weitgehend irreversiblen“ Rückgang der Artenvielfalt sei eine der großen Herausforderungen der Menschheit. Insbesondere zur Rettung des Störs mit seiner Generationsdauer von zwölf bis 16 Jahren bedürfe es „verlässlicher regionaler Partner mit langem Atem und dem nötigen Feuer“.

Die derzeit auch von der EU angestrebte „Wiederherstellung der Durchwanderbarkeit“ – also der Ersatz von Wehrrelikten und anderen Barrieren durch Fischtreppen und Umgehungsgerinnsel an Elbe, Havel, Oste und deren Zuflüssen – nütze nicht nur dem Europäischen Stör, hob Elsa Nickel vom Bundesumweltministerium hervor. Was den Bestand des Störs stütze, komme auch vielen anderen Arten und letztlich der gesamten Flussfauna und -flora zugute.

Als „vorbildliches Beispiel für eine sehr gut begleitete Wiedereinbürgerung“ bezeichnete Henning von Nordheim vom Bundesamt für Naturschutz das Stör-Projekt. Am Rande der Veranstaltung führte Nordheim Gespräche über die mögliche Einrichtung einer Stör-Aufzuchtstation an der Oste, die auch von der Gesellschaft zur Rettung des Störs begrüßt würde. „An der Oste“, lobte Gessner in seiner Dankesrede nach der Entgegennahme des UN-Preises die Sportfischer im Elbe-Weser-Dreieck, gebe es „eine fürchterlich aktive Truppe nicht nur der schreibenden, sondern auch der Hand anlegenden Zunft“.

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