Jungvögel, die aus den Nestern fallen Unter Reihern

Meyenburg. Der Reiherwald in Meyenburg zählt mit bis zu 300 Nestern zu den großen Brutkolonien in Deutschland. Der Verein Reiherschutz Niedersachsen kümmert sich um Jungtiere, die nicht mehr von ihren Eltern angenommen werden.
12.06.2014, 21:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Maren Arndt

Der Reiherwald in Meyenburg zählt mit bis zu 300 Nestern zu den großen Brutkolonien in Deutschland. Vier bis fünf Jungvögel drängen sich in jedem Nest. Mit üblen Folgen: So manch kleiner Reiher stürzt aus dem Nest. Der Verein Reiherschutz Niedersachsen kümmert sich um diese Jungtiere, die nach dem freien Fall – wenn sie ihn denn überleben – nicht mehr von ihren Eltern angenommen werden.

Der Reiherwald in Meyenburg ist dunkel. Die riesigen Laubbäume stehen dicht an dicht. Wenig Licht fällt auf die Erde. In den Baumkronen in 20 bis 30 Meter Höhe jedoch herrscht ein Höllenlärm. Des Rätsels Lösung: In diesem Meyenburger Waldstück ist eine große Graureiher-Kolonie heimisch.

Etwa 200 bis 300 Nester sind hoch oben in den Bäumen gebaut. Vier bis fünf Junge drängen sich in jedem Nest. Leicht fällt da schon mal ein Vogelkind heraus. Aus Unachtsamkeit, aber auch weil die stärkeren Geschwister das schwächste Kind einfach aus dem Nest drängen. Diese Jungvögel müssten verhungern, wenn sie den Sturz aus großer Höhe überhaupt lebend überstehen. Graureiher füttern aus dem Nest gefallene Küken nicht mehr.

Zur Brutzeit macht sich in jedem Jahr Verwesungsgeruch im Meyenburger Reiherwald breit. Dieses Elend mochten sich Heike und Jörg Hartmann nicht länger mit ansehen. Sie nehmen seit vielen Jahren die aus dem Nest gefallenen Reiherküken mit und päppeln die Jungvögel in ihrem Garten auf. In diesem Jahr sind es bereits elf Vögel, manche sind verletzt. Alle Tiere werden tierärztlich betreut, sodass sie die Chance haben, wieder ausgewildert zu werden. Denn das ist das Ziel der Hartmanns. Die Reiher werden vorher beringt. Jörg Hartmann hat dazu sein Wissen bei der Vogelwarte auf Helgoland erworben und dort einen Beringungslehrgang absolviert.

In diesem Jahr fanden die Hartmanns gar ein ganzes Nest am Boden. Es war bei einem Gewittersturm aus der Baumkrone gefallen. Im Nest hockten die verschreckten Jungvögel nahezu unversehrt, nur ein Tier hatte ein gebrochenes Bein. Das jüngste Tier in der Pflegestation Hartmann war vor einigen Jahren ein ganz kleines Küken, dass Jörg Hartmann lebend neben der Eierschale fand. Auch das Küken erholte sich, wuchs und gedieh und wurde ausgewildert.

Ungefähr zwei Monate leben die Jungvögel bei den Hartmanns im Garten. Probleme mit den Nachbarn gibt es keine, obwohl es ganz ohne Lärm zumindest bei den Fütterungen nicht zugeht. Man zeigt ein Herz für Tiere in der Straße Am Dobben in Meyenburg.

Die Arbeit der Reiherfreunde hat sich mit den Jahren herumgesprochen. Inzwischen werden auch schon Vögel aus der Region nach Meyenburg gebracht, ebenso aus Kolonien in Bremen und Achim. Längst ist der Garten der Familie Hartmann zu klein. Vor zwei Jahren haben Jörg und Heike Hartmann den Verein „Reiherschutz Niedersachsen e.V. gegründet. Ihr Traum: Ein größeres Gelände für eine Aufzuchtstation. Die Tierfreunde führen bereits entsprechende Gespräche mit dem Ordnungsamt und den zuständigen Stellen in Schwanewede.

Eine Aufzuchtstation würde auch Gelegenheit geben, Führungen für Schulen und Kindergärten anzubieten, um Kindern Wissen über die Graureiher zu vermitteln. Denn die meisten Menschen wissen nur sehr wenig über den Graureiher. Unbeliebt ist er, weil er in Fischteichen räubert. „Aber er holt sich ebenso Mäuse und Ratten, sogar junge Bisamratten schnappt er sich“, erzählt Jörg Hartmann.

Seit den 70iger-Jahren steht der Reiher unter Jagdschutz. Die Bestände haben sich erholt und es gibt weitere Brutkolonien im Landkreis an der Wümme und in Ritterhude. Der Verein Reiherschutz in Meyenburg arbeitet außerdem mit den zuständigen Jagdpächtern zusammen.

Weitere Informationen zum Verein Reiherschutz Niedersachsen gibt es unter Telefon 0 42 09 / 98 86 37 oder per E-Mail reiherschutz-niedersachsen@ewetel.net.

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