Krebshäufung in Rotenburg Ursache für Krebshäufung bleibt unklar

Nachdem das Gesundheitsministerium eine neue Studie zur Krebshäufung in der Region um Rotenburg veröffentlicht hat, fordert die Bürgerinitiative „No Moor Gas“ strengere Kontrollen.
14.11.2019, 00:40
Lesedauer: 3 Min
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Ursache für Krebshäufung bleibt unklar
Von Silke Looden

Die Reaktionen auf die neue, inzwischen vierte Studie zur erhöhten Krebsrate in der Erdgasregion um Rotenburg ließen am Mittwoch nicht lange auf sich warten. Nachdem das Gesundheitsministerium in Hannover am Dienstag Entwarnung in Bezug auf eine mögliche Belastung der Bevölkerung mit Benzol und Quecksilber gegeben hatte, bleibt die Bürgerinitiative „No Moor Gas“ skeptisch und fordert eine strengere Kontrolle der Förderstätten. Die Erdgasindustrie indes sieht sich entlastet und fordert eine ergebnisoffene Ursachenforschung.

„Die Studie sagt nichts über frühere Erkrankungen aus“, erklärt die Sprecherin der Bürgerinitiative „No Moor Gas“, Meike Artmann, Ratsfrau für die Grünen in Lilienthal. Gerade Benzol und Quecksilber seien Gifte, die über einen langen Zeitraum im Körper wirken. Die vom niedersächsischen Gesundheitsministerium in Auftrag gegebene Studie zur Häufung der Krebsfälle in der Erdgasregion beschäftige sich jedoch mit der aktuellen Belastung der Bevölkerung und trage somit nicht zur Ursachenforschung bei. Wie berichtet waren sowohl in der Gemeinde Bothel als auch in der Kreisstadt Rotenburg zwischen 2003 und 2012 überdurchschnittlich viele Männer an Leukämie und Lymphonen erkrankt.

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„Jede Tankstelle in Deutschland wird besser kontrolliert als die Erdgasindustrie in Niedersachsen“, meint Meike Artmann und fordert strengere Kontrollen. Mit Blick auf den über Jahre unbemerkten Austritt von giftigen Chemikalien im Umfeld einer Förderanlage in der Grafschaft Bentheim fordert die Bürgerinitiative schärfere Umweltauflagen durch den Gesetzgeber.

„Es reicht nicht, wenn die Ministerin den Gesundheitsschutz im Umfeld industrieller Anlagen intensiv im Blick behalten will. Wir brauchen klare Vorgaben“, so Artmann. Sie kritisiert, dass sich das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) in der Vergangenheit vor allem als Genehmigungs-, nicht aber als Kontrollbehörde hervorgetan habe.

Die Erdgasindustrie hingegen sieht sich durch die neue Studie entlastet. „Alle bisherigen Studien zeigen: Wir kennen die Ursache der statistisch vermehrt auftretenden Krebsfälle nicht", erklärt Ludwig Möhring, Hauptgeschäftsführer des Bundesverband Erdgas, Erdöl und Geoenergie e.V. (BVEG) und betont: "Die Vorverurteilungen unserer Industrie haben sich als ungerechtfertigt erwiesen. Falls auch nach dieser Studie weitere Untersuchungen für sinnvoll erachtet werden, ist es höchste Zeit, alle möglichen auslösenden Faktoren in Betracht zu ziehen und ergebnisoffen zu untersuchen." Der Sprecher für den Förderbetrieb Nord bei Wintershall/Dea, Heinz Oberlach, ergänzt: "Wir haben ein großes Interesse daran, die Ursache für die erhöhte Krebsrate zu finden. Schließlich sind unsere Mitarbeiter jeden Tag vor Ort."

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Unterdessen gibt sich der Landkreis Rotenburg mit der neuerlichen Studie nicht zufrieden. Dazu erklärt der Erste Kreisrat Torsten Lühring: „Der Landkreis hat bereits im September eine Nachbeobachtung der für die Jahre 2003 bis 2012 gefundenen Krebshäufung durch das Epidemiologische Krebsregister Niedersachsen (EKN) in Auftrag gegeben." Die statistische Auswertung soll zeigen, ob auch in den Jahren 2013 bis 2018 vermehrt Männer in der Region an Krebs erkrankt sind. Lühring weiß, dass es sich bei der Untersuchung um eine weitere Bestandsaufnahme handelt, die nichts über die Ursachen aussagen wird. Ergebnisse, so der Landkreis in einer Pressemitteilung, werden nicht vor 2021 erwartet.

Damit bleibt die Ursache für die Krebshäufung in der Erdgasregion weiterhin unklar. In einer ersten Untersuchung hatte der Landkreis Rotenburg 2017 einen Zusammenhang mit Bohrschlammgruben vermutet. Diese These wurde jedoch im selben Jahr durch eine vom niedersächsischen Gesundheitsministerium in Auftrag gegebene Studie widerlegt. Eine zweite vom Ministerium in Auftrag gegebene landesweite Studie stellte 2018 eine erhöhte Krebsrate in der Nähe von Erdgasförderstätten fest. Eine Zusatzauswertung in diesem Jahr relativierte das Ergebnis.

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