Beziehungsarbeit auf der Straße Verden hat zwei Streetworker

Verden. Dreimal pro Woche wird die Straße zum Arbeitsplatz von Simone Köppen und Andreas Thieme. Die Sozialpädagogin und der Erzieher sind Streetworker in Verden.
17.08.2012, 09:40
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Von Maren Brandstätter

Verden. Dreimal pro Woche wird die Straße zum Arbeitsplatz von Simone Köppen und Andreas Thieme. Die Sozialpädagogin und der Erzieher sind Streetworker in Verden.

Die Jugendlichen dort abholen, wo sie stehen – wörtlicher als Simone Köppen und Andreas Thieme kann man den pädagogischen Leitsatz kaum nehmen. Die Streetworker kennen die Plätze, die sich im Verdener Stadtgebiet zu beliebten Treffpunkten etabliert haben. Da sind zum einen die Bolzplätze und die Skaterbahn. Sie werden ihrer Bestimmung gemäß gezielt von sportlich ambitionierten Jugendlichen angelaufen. „Das sind relativ feste Gruppen, die sich dort regelmäßig treffen“, erzählt Thieme. Die Platzzeiten regeln die Jugendlichen untereinander – „das klappt problemlos, da mischen wir uns nicht ein“.

Zum anderen sind da die Plätze, wo man sich einfach trifft – im Bürgerpark zum Beispiel oder auf Spielplätzen. Köppen und Thieme fahren alle Treffpunkte regelmäßig an – im Fachjargon nennt sich das aufsuchende Straßensozialarbeit, kurz ASS. „Wir kommen nicht zur Kontrolle, wir bieten uns bei Bedarf als Gesprächspartner an“, betont Köppen. Nach anfänglicher Zurückhaltung komme das bei den Jugendlichen auch an, und das Vertrauen wachse mit der Zeit. „In erster Linie ist das Beziehungsarbeit, die wir leisten“, so Thieme. Zudem seien sie offen für Anregungen der Jugendlichen, um Aufenthaltsangebote möglicherweise zu verbessern oder zu verändern. Praktisch greift so ein Gestaltungsvorschlag gerade auf der Skateranlage: Dort wird jetzt die Mini-Rampe an einen anderen Platz verlegt und umgebaut.

Mit Vorschlägen allein geben sich Thieme und Köppen allerdings nicht zufrieden. Für den 2. September ist ein Skater-Contest an der Artilleriestraße geplant. Im Organisations-Team sitzen auch zehn jugendliche Skater. „Nach dem letzten Contest haben wir viele Rückmeldungen bekommen, dass aus dem Projekt noch mehr rauszuholen sei“, erinnert sich Thieme. Die Streetworker waren einverstanden – unter der Bedingung, dass sich die Jugendlichen verstärkt mit in die Planung einbringen. Bislang mache das Projekt einen vielversprechenden Eindruck. „Wir hoffen, dass wieder um die hundert Teilnehmer kommen werden – vielleicht schaffen wir es sogar, eine Serie daraus zu machen“, sagt Thieme.

Das Engagement der Streetworker umfasst neben Gesprächsangeboten und Unterstützung bei der Freizeitgestaltung noch einen weiteren Bereich: Köppen und Thieme werden zu Vermittlern, wenn sich Anwohner bei der Stadt über Jugendliche beschweren. Lautstärke sei dann häufig das Thema. Auch zurückgelassene Flaschen oder Müll lieferten mitunter Anlass zur Klage – in diesen Fällen komme allerdings ein größerer Kreis von potenziellen Verursachern in Frage, wissen die Streetworker aus Erfahrung. „Es sind auch einige Gruppen von Mittdreißigern in der Stadt unterwegs, die sich öfter mal auf ein Bier treffen“, so Thieme.

Eine Klärung des Problems finde selten in großer Runde mit allen Beteiligten statt, meistens genüge es, die Jugendlichen für die Bedürfnisse der Anwohner zu sensibilisieren. Das klappe in der Regel gut und bedürfe nur selten einer Wiederholung. Die Einsatzorte als Vermittler ziehen sich durchs gesamte Stadtgebiet, sind nicht auf „Brennpunktgebiete“ beschränkt. „Die gibt es in Verden eigentlich auch gar nicht mehr“, erklärt Thieme. Feste Anlaufstellen wie der Bürgertreff am Hoppenkamp hätten in die früher einschlägig bekannten Gebiete „viel Ruhe gebracht“.

Neben den regelmäßigen Besuchen der Skateranlage und der Bolzplätze bieten die Streetworker auch drei regelmäßige offene Sporttermine in der Halle an. Zwei davon liegen allerdings seit geraumer Zeit auf Eis. Schuld daran sind die Wasserschäden in der Aller-Weser-Halle. „Wir haben es mit Alternativ-Angeboten im Freien versucht, aber die Kinder und Jugendlichen lassen sich da nicht gern auf Kompromisse ein“, erzählt Köppen. Nun hoffe man, dass es nach den Sommerferien einen Neustart in der Halle geben kann.

Als durchgehendes Angebot bestehe aber noch eine offene Basketball-Gruppe in der Nicolaischul-Halle, die sich jeden Montag von 20 bis 22 Uhr trifft. Derzeit sind es fast ausschließlich Jungs, „aber das muss ja nicht so bleiben“

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