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Zur Eröffnung der Verdener Jazz- und Bluestage: Reinrassiger Blues aus der internationalen Oberliga in der unbestuhlten Stadthalle
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Bewegungsfreiheit fürs Kommunizieren, Biertrinken und Tanzen

Susanne Ehrlich 01.10.2012 0 Kommentare

Mit Bandgründer Gert Lange (Gitarre und Vocals), Michael "Bexi" Becker am Bass und Hans Wallbaum an den Drums war eine großartige Hälfte der Hamburg Blues Band on Stage, die durch Woodstock-Veteran Miller Anderson und die schottische Rock-Lady Maggie Bell zu einer Formation mit drei Lead-Vocals erweitert wurde. Auch der legendäre Cream-Songwriter Pete Brown, der mit der Band seit ihrer Gründung vor 30 Jahren freundschaftlich verbunden ist und auch heute noch Songs für sie schreibt, zeigte mit seinen 72 Jahren als stimmgewaltiger Sänger eine Bühnenpräsenz und Beweglichkeit, die manch zwei Jahrzehnte Jüngeren vor Neid erblassen ließ.

Gerade mal 20 Jahre alt ist Krissy Matthews, der zuvor bereits mit seiner Band die Stadthalle gerockt hatte. Zum zweiten Mal anlässlich der Jazz- und Bluestage in Verden zu Gast, zeigte er mit seinem energiegeladenen und lebendigen Mix aus Blues und Rock‘n‘Roll, dass er jetzt schon zu den ganz Großen seines Genres zählt. Seine Musik steckt voller überraschender Einfälle, der Sound ist wunderbar pur und inspiriert unter anderem von Hendrix, Clapton und Gallagher; über weite Strecken klang das Programm, das er in der Stadthalle präsentierte, nach kristallklar destilliertem Ten-Years-After-Sound. Man kam aus dem Staunen nicht heraus über die himmelstürmenden, bis ins Mark dringenden melodischen Soli und die virtuosen akusti-schen Passagen. Mit einem atemberaubenden Flamenco zeigte er auch in dieser Disziplin absolute Weltklasse.

Nur widerwillig ließen die Fans ihn ziehen, doch als die Hamburger Blueser mit ihren hochkarätigen Gästen und ihrem rollenden, zwerchfell-massierenden Groove die Bühne geentert hatten, war das Publikum im siebten Blues-Himmel. Ein Feuerwerk von Stimmkraft, Charisma, Virtuosität und Feeling entzündete sich da und kumulierte mit grandios performten Songs wie "White Room" oder Tom Waits‘ "Down in the Hole" in einer mitreißenden Stimmung, die in der unbestuhlten und deshalb Bewegungsfreiheit fürs Kommunizieren, Biertrinken und Tanzen bietenden Halle gar nicht mehr abebben wollte. Mit "Respect Yourself" lieferte Maggie Bell eine hinreißende Blues&Soul-Performance; begeistert war das Publikum auch von durchschlagkräftigen "Mund-Flöte" à la Ilse Werner. Mit dem zornigen Polit-Song "Waiting for the Call" aus eigener Feder erinnerte Brown eindrucksvoll daran, dass Blues und Protest nicht nur in Woodstock dicht beieinander stehen.

Als Finale schließlich erlebte Verden eine All-Star-Band, die man so noch nie gehört hat und vielleicht nie mehr hören wird. Krissy Matthews, Miller Anderson, Maggie Bell und Pete Brown wärmten das Publikum im "Sunshine Of Your Love" in vierfach hingebungsvoller Vocal-Power – mehr geht nicht!


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Leserkommentare
Bevenser am 22.10.2019 17:47
Man muss sich nicht künstlich blöd stellen. Wie es geht sieht man z.B. in Österreich - und nicht nur da.
peteris am 22.10.2019 17:39
Werden diese Menschen "losgelassen", dann gibt es erst wieder einen Stop in Deutschland.

Bereiten" wir " uns schon einmal darauf vor. ...