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„Alle haben ihre Karfreitage im Leben“

Jörn Dirk Zweibrock 19.04.2019 0 Kommentare

Entzündet in der Osternacht die kunstvoll gestaltete Osterkerze: Propst Matthias Ziemens.
Entzündet in der Osternacht die kunstvoll gestaltete Osterkerze: Propst Matthias Ziemens. (Björn Hake)

Weiß, bis Pfingsten ist blütenreines Weiß die liturgische Farbe in der katholischen Kirche. In der gerade zu Ende gegangenen Fastenzeit war es noch Violett. Für Matthias Ziemens, Pfarrer der Propsteigemeinde St. Josef Verden und der Pfarreigemeinde St. Matthias Achim, ist es nun schon das zweite Osterfest im neuen Dekanat. Und genauso wie bei den Protestanten sind auch zu Ostern die katholischen Kirchen im Kreisgebiet bekanntlich gut gefüllt. Doch einiges unterscheidet sich in der Liturgie. So finden bei den Protestanten beispielsweise keine Fußwaschungen wie in Achim statt.

„Vor einigen Jahren wäre noch niemand auf den Gedanken gekommen, eine Osterkerze in eine evangelische Kirche zu stellen“, erzählt der Verdener Propst. Die Osterkerze in der katholischen Kirche St. Josef am Verdener Andreaswall ist jedenfalls wieder besonders schön geworden. Dekanats-Pastoralreferentin Christiane Becker hat den weißen Rohling in ein ein richtiges Schmuckstück verwandelt. Traditionell zieren Elemente wie das Kreuz, die Jahreszahl und die Wundmale die Osterkerze. Auf der Verdener ist in diesem Jahr das Kreuz als Baum des Lebens verewigt. „Das symbolisiert, dass es nicht nur ein Folterinstrument ist“, findet der katholische Pfarrer und streicht behutsam mit der Hand über die Ornamente. Dass sich Wachsplatten aus dem Bastelgeschäft bestens verarbeiten lassen – natürlich müssen sie zuvor angewärmt sein – zeigt sich also an der Osterkerze von St. Josef.

Zeremonien und Rituale

Doch bevor sie am Ostermorgen in die dunkle Kirche getragen wird, stehen bei den Katholiken aus dem Landkreis Verden noch einige andere Zeremonien und Rituale auf dem Programm. Eingeläutet wurde die Karwoche traditionell mit dem Palmsonntag, dem letzten Sonntag vor Ostern. Statt mit Palmzweigen, mit denen die Menschen damals Jesus bei seinem Einzug in Jerusalem begrüßt haben, sind die Verdener mit Buchsbäumen in die Kirche eingezogen. „Viele Gläubige bewahren die gesegneten Zweige zu Hause auf, hängen sie zum Beispiel an das heimische Kruzifix, und werfen sie dann nach einem Jahr in das Osterfeuer“, erzählt Matthias Ziemens.

Dem letzten Abendmahl von Jesus und seinen Jüngern wird stets am Gründonnerstag gedacht. „Liturgisch ist dann auch eine Fußwaschung möglich. Die wird aber nicht überall praktiziert“, erläutert der leitende Pfarrer. In Achim würden sich dafür erfahrungsgemäß aber immer Gemeindemitglieder finden lassen. Ebenso wie in Rom, wo Papst Franziskus diesen Dienst an Strafgefangenen verrichte. „Dadurch wird der Herr selbst zum Dienenden, macht sich vor den scheinbar Kleinen klein.“

Am Karfreitag-Nachmittag um 15 Uhr, der Sterbestunde Jesu, hat sich der Propst dann in der Kirche auf den Boden gelegt. In diesem stillen und schlichten Gottesdienst ohne jeglichen Altarschmuck wurde dann auch wieder das Kreuz enthüllt, also vom violetten Tuch befreit. „Manche Gemeindemitglieder legen dann auch Blumen am Kreuz nieder, die wir später in den Osterschmuck integrieren“, erläutert Ziemens.

Symbolik und Hoffnung

Die Auferstehung des Herrn wird in der Osternacht, also nach Sonnenuntergang und vor Sonnenaufgang, gefeiert – in Achim bereits am Karsonnabend um 21 Uhr, in Verden dagegen am Ostersonntag, 21. April, ab 6 Uhr. Nach der Entzündung der Osterkerze am Feuer zieht die Gemeinde später in die dunkle Kirche ein. Dabei ertönt drei Mal der Liedruf „Lumen Christi. Christus das Licht“. Bei der anschließenden Tauferinnerung besprengt der Propst seine „Schäfchen“ dann mit dem sogenannten Aspergill.

Warum die Osterkerze auch zunehmend in evangelischen Gotteshäusern Einzug hält, erklärt sich Matthias Ziemens, der auch Dechant für das drei Landkreise umfassende Dekanat Verden ist, wie folgt: „Die Menschen erkennen einfach mehr und mehr die Symbolik dahinter.“ Deswegen lädt er auch ausdrücklich Menschen anderer Konfessionen zu den Osterfeierlichkeiten im Landkreis Verden ein.

Verrat, Tod – das Kreuz symbolisiert für den Propst die dunkelste Stunde überhaupt. „Alle haben ihre Karfreitage im Leben“, erklärt Matthias Ziemens und mahnt zur Hoffnung, denn für ihn ist das Kreuz, das Leid, nur eine „Durchgangsstation“, der mit dem Osterfest bekanntlich die Auferstehung folgt.


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Leserkommentare
erschreckerbaer am 22.10.2019 21:34
Ist doch in Ordnung.
Bis jetzt habe ich 48 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt.
Habe dafür Steuern bezahlt.
Würde ich mit 67 in ...
flutlicht am 22.10.2019 20:43
Lieber @Wk, wann hat Höffner denn nun die Fläche erworben? Mal schreiben Sie von 14 Jahren im Text und in der Einleitung von 11 Jahren. Was stimmt?