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Angeklagter räumt Taten ein

Angelika Siepmann 09.10.2019 0 Kommentare

Landgericht Verden FOTO: Björn Hake
Landgericht Verden FOTO: Björn Hake (Björn Hake)

Erst legte der Angeklagte vor dem Landgericht ein weitgehendes Geständnis ab, räumte mindestens zwei Faustschläge ins Gesicht und einen Fußtritt ein, als sein Opfer schon am Boden lag. „Ich bin selber erschrocken, dass ich so überreagiert habe“, sagte der Beschuldigte aus. Dann schilderte die Frau ihre Erinnerungen an die erlittenen Gewalttätigkeiten auf dem Verdener Holzmarktgelände, sagte dabei auch: „Ich hatte Angst um mein Leben“. Verzeihen mochte sie dem Mann nicht.

Dem 40-Jährigen werden, wie berichtet versuchter Totschlag und gefährliche Körperverletzung zur Last gelegt, begangen am Abend des 23. April dieses Jahr im Bereich zwischen Stadtbibliothek und Pferdemuseum. „Eine Ecke, wo gerichtsbekannt viel getrunken wird“, bemerkte der Vorsitzender Richter der Schwurgerichtskammer am Mittwoch, als es in der Verhandlung um den damaligen Alkoholpegel des Angeklagten ging. Sechs, sieben halbe Liter Bier will er ab dem frühen Nachmittag konsumiert haben – die Blutprobe ergab knapp 1,4 Promille – und dazu ein oder zwei Joints geraucht haben.

Am zweiten Verhandlungstag gab der wieder aus der Untersuchungshaft vorgeführte Mann, der zuletzt in einer Verdener Ortschaft wohnte, die bereits zum Prozessauftakt angekündigte Schilderung der Vorgänge aus seiner Sicht ab. Er habe nach wie vor Erinnerungslücken, aber an das Meiste könne er sich inzwischen entsinnen. Die Frau und deren Freundin habe er am Holzmarkt getroffen, als er sich eigentlich schon auf dem Weg nach Hause befunden habe. Man habe sich „nett begrüßt“ und auf der Treppe zusammengesessen. Er habe sich aber zunehmend genervt gefühlt, als die Frau immer wieder behauptet habe, man kenne sich, habe sogar mal rumgeknutscht. „Ich kannte die ganze Person überhaupt nicht“.

Im Zuge des Wortwechsels sei die Frau aufgestanden und habe eine „Handbewegung gemacht, als wenn sie mich schlagen wollte“. Sie habe ihm sein Smartphone aus der Hand gerissen und „mit voller Wucht“ auf den Boden geworfen. Vor lauter Wut darüber habe er ihr Faustschläge ins Gesicht versetzt. Drei seien es wohl gewesen, hieß es in der Erklärung, von „sicher“ zwei Schlägen sprach er später auf Nachfrage des Gerichts. Der am Boden liegenden Frau noch mehrere Fußtritte an den Kopf versetzt zu haben, widersprach er: Zu 90 bis 95 Prozent sei es nur ein Tritt „Richtung Kopf“ gewesen. „Ich habe zu keinem Zeitpunkt gedacht, dass sie sterben würde. Das war auch nicht mein Ziel“, beteuerte der Mann. Die 41-Jährige hatte unter anderem einen komplizierten Jochbeinbruch davongetragen. „Ich hab ihre Knochen knacken gehört“, sagte die Freundin im Zeugenstand.

Das Opfer hatte den Angeklagten bei der zunächst verbalen Auseinandersetzung offenbar auch als „31er“ tituliert, einer aus der Jugendsprache beziehungsweise dem Hip-Hop-Slang stammenden Bezeichnung für Verräter, Anschwärzer bei der Polizei. Damit konfrontiert, erklärte der Angeklagte am Mittwoch, es habe da im vergangenen Jahr eine „Betäubungsmittelsache“ gegeben. Ihm sei seither schon öfter vorgeworfen worden, „jemanden verpfiffen zu haben“. Das sei eine „Beleidigung“ gewesen, meinte die Nebenklägerin bei ihrer Befragung. „Das ist schon schwerwiegend“, es sei ihr seinerzeit „so rausgerutscht“. Der Mann habe sie daraufhin „gleich attackiert“.

Den Ablauf der Attacken stellte die Frührentnerin jetzt in etlichen Punkten anders dar als der Angeklagte – und auch zum Teil abweichend von ihrer ersten polizeilichen Aussage. Jedenfalls habe sie zwischendurch Angst um ihr Leben gehabt und nach den Angriffen „wie ein Preisboxer“ ausgesehen. Als die Frau schon den Gerichtssaal verlassen wollte, kam die Entschuldigung des 40-Jährigen und: „Ich bitte dich, mir zu verzeihen.“ Vergeblich. „Nein, kann ich nicht. Das war zu heftig“. Der Prozess wird am 17. Oktober fortgesetzt.


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Leserkommentare
Wesersteel am 23.10.2019 10:50
Klimanotstand...................sind den ALLE nur noch ganz viel Bluna ?
WESER-KURIER_Onlineredaktion am 23.10.2019 10:44
Danke für den Hinweis. Das Gelände wurde vor 14 Jahren erworben. Die Fläche ist elf Hektar groß. Wir haben das korrigiert.