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Auch kleine Wunden sind gefährlich

Andreas Becker 03.12.2018 0 Kommentare

Peter Ahrens (grüner Kittel) musste mit seinem Team in jüngster Zeit zwei Frauen mit scheren Wundinfektionen behandeln.
Peter Ahrens (grüner Kittel) musste mit seinem Team in jüngster Zeit zwei Frauen mit scheren Wundinfektionen behandeln. (Björn Hake)

Halter von Hund und Katze lassen gewöhnlich auf ihre Vierbeiner nichts kommen und können sich gar nicht vorstellen, dass selbst kleine Verletzungen, wie sie beim Spielen häufig entstehen, ernste Folgen haben können. Darauf weist Peter Ahrens, Ärztlicher Direktor der Aller-Weser-Klinik (AWK) in Verden, hin. 

Auslöser sind zwei Fälle, die Ahrens selbst in der Klinik erlebt hat. Beide Patientinnen hatten kleine Verletzungen, die von ihnen gar nicht wahrgenommen wurden. „Das waren die eigenen Hunde der Frauen, die offenbar beim Spielen kurz zugefasst hatten“, beschreibt Ahrens, selbst Hundehalter, die Vorfälle. Bei einer der Frauen habe sich durch die kleine Verletzung an der Hand eine „sehr schwere Infektion“ entwickelt. „Die Wunde war schon am Abheilen und kaum noch zu sehen“, erinnert sich Ahrens. „Die Frau kam mit schweren Symptomen in die Klinik und wurde mit einem Breitband-Antibiotikum behandelt. Trotzdem war sie 18 Stunden später tot“, beschreibt der Mediziner den Vorfall. Die 52-jährige Patientin sei „in besorgniserregendem Zustand“ eingeliefert worden, erklärt der Anästhesist und Antibiotikaexperte. „Sie klagte über starke Bauch- und Beinschmerzen. Übelkeit und Erbrechen plagten sie. Dabei befand sie sich in einem schockartigen Allgemeinzustand, war kaltschweißig mit Atemnot.“

Sofort kam die Patientin auf die Intensivstation, durchlief hier das komplette Diagnoseprozedere. Dabei fiel den behandelnden Ärzten als Nebenbefund eine vier bis sechs Tage alte kleine Bissverletzung auf, die als Ursache des sich permanent verschlechternden Zustands ausgemacht wurde. Trotz maximaler Intensivtherapie verstarb die Frau 18 Stunden nach ihrer Aufnahme an septischem Multiorganversagen.

Nur sechs oder sieben Wochen später sei der nächste Fall in die Klinik eingeliefert worden. Die Patientin hatte starke Bauschmerzen, Durchfall und Anzeichen einer massiven Sepsis. „Auch diese Patienten wurde vom eigenen Hund leicht verletzt“, sagt Ahrens. dieser Fall sei glücklicherweise wesentlich positiver verlaufen. „Unser Team hat auf der Intensivstation eine maximale Sepsistherapie eingeleitet, dabei Antibiotika, Blutprodukte und Flüssigkeit zugeführt. In diesem Fall trat anschließend rasch Besserung ein.“ Nach einer Behandlung konnte die Frau das Krankenhaus geheilt verlassen. Beide Erkrankungen wurden nach den Laborergebnissen von einem bestimmten Keim hervorgerufen.

Dabei handelte es sich um Infektionen mit dem bakteriellen Erreger namens Capnocytophaga-canimorsus, der im Maul der Tiere vorkommt und für diese vollkommen ungefährlich ist. Umso schlimmer können die Auswirkungen beim Menschen sein. Die Sterblichkeitsrate von Betroffenen bei einer solchen Sepsis, die durch einen Erregernachweis im Blutbild diagnostiziert wird, liegt bei 25 bis 30 Prozent. Bissverletzungen durch Tiere, vor allem Hunde und Katzen, sind keine Seltenheit. In den meisten Fällen verlaufen sie glimpflich und verheilen schnell. Es kann aber auch zu Wundinfektionen kommen. Im Übrigen seien auch Bisse durch Menschen gefährlich, denn auch in der Mundflora des Menschen sind Keime. „Das ist völlig normal. Kommt es durch Wundverletzungen zu Infektionen, ist das einfach Pech“, sagt Ahrens. Bei Katzenbissen sei zusätzlich das Problem, dass die spitzen Zähne schnell in tiefere Schichten eindringen würden, sich die Wunde aber auch schnell wieder verschließe. „Das ist nur ein Punkt, aber die Infektion ist da“, sagt Ahrens. Oftmals müsse dann operiert und die Wunde desinfiziert werden.

Einen Grund zur Panik sieht Ahrens wegen der beiden aktuellen Fälle nicht, aber einen Anlass zu erhöhter Aufmerksamkeit. Denn die Wahrnehmung der Gefahr ist bei einem durch ein fremdes Haustier zugefügten Biss deutlich höher als beim eigenen Tier, so seine Erfahrung: „Beide Patientinnen brachten ihre akuten gesundheitlichen Probleme nicht in Zusammenhang mit den erlittenen Bisswunden. Das mag darin begründet sein, dass sie die Tiere im eigenen Haushalt sehr gut kannten und als eine Art Familienmitglied empfanden. Eine durch Haustiere verursachte Verletzung wird schnell als ungefährliche Bagatelle abgetan. Erst recht, wenn es sich um eine kleine Wunde handelt.“

Rechtzeitiger Gang zum Arzt

Darum wirbt der Chefarzt zusammen mit seinen Kollegen der Inneren Medizin und Unfallchirurgie für Sensibilität bei dieser Thematik. Grundsätzlich sollte bei jeder Biss- oder Kratzverletzung ein Arzt aufgesucht werden, wenn sich die Wunde röte oder entzünde oder sich der Allgemeinzustand binnen drei Tagen verschlechtere – allein schon wegen der korrekten Wundversorgung und zur Sicherung des Tetanusimpfschutzes. Hohe Infektionsgefahr besteht bei Verletzungen an Armen und Beinen. Übrigens: Der Erreger kann auch durch Lecken bei offenen Wunden übertragen werden.

„In allen Fällen ist eine vorbeugende Antibiotikatherapie sinnvoll, auch wenn sich nur in den seltensten Fällen eine bakterielle Entzündung entwickelt“, so die Empfehlung des Mediziners. „Wenn es in den Tagen nach dem Verletzungsfall zu einer Verschlechterung des gesundheitlichen Allgemeinzustandes kommt, sollten alle Alarmglocken schrillen. Anzeichen auf eine solche Sepsis sind Atembeschwerden, fleckenförmige Hautveränderungen, Blutdruckabfall, diffuse Schmerzen, Durchfall oder ein allgemeines Schwächegefühl. Dann sollten Patienten auf allerschnellstem Weg zu uns ins Krankenhaus kommen.“


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Leserkommentare
linde79 am 20.10.2019 17:58
Wie wäre es denn, wenn man auch mal die Qualität der Lehrer und Lehrerinnen hinterfragte? Wie wäre es in Anbetracht der Bildungsmisere, die ...
Michalek am 20.10.2019 17:37
Schüler brauchen keine Erhebungen und sie sollten nicht als Versuchskaninchen herhalten müssen.

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