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Baby-Boom im Storchennest

Björn Struß 10.10.2019 0 Kommentare

Wahrscheinlich hat dieser Storch beim Blick aus dem Nest schon die nächste Mahlzeit im Sinn. Neben Amphibien stehen auch Mäuse auf seinem Speiseplan.
Wahrscheinlich hat dieser Storch beim Blick aus dem Nest schon die nächste Mahlzeit im Sinn. Neben Amphibien stehen auch Mäuse auf seinem Speiseplan. (Björn Hake)

In der Welt der Märchen haben die Weißstörche mit ihren roten Schnäbeln schon unzählige Kinder gebracht. Ein Baby-Boom hat sich in diesem Jahr aber in den eigenen Nestern der Vögel abgespielt. Die Storchenpaare im Landkreis Verden haben im laufenden Jahr 199 Jungtiere erfolgreich großgezogen. Seit dem Beginn der Zählungen im Jahr 1962 waren es nie mehr. „Auch im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Anstieg von über 50 Prozent. Das ist wirklich enorm“, freut sich Hans Joachim Winter. Als ehrenamtlicher Weißstörchebetreuer des Landkreises hat er die Population genau im Blick.

Winter erfasst jedes Jahr, wie viele Horste von einem Storchenpaar besetzt sind und wie viele Jungtiere das Paar großzieht. Im Landkreis gibt es derzeit rund 100 Horste, 84 von ihnen waren in diesem Jahr von Weißstörchen besetzt. „Jeden Horst sehe ich mir pro Jahr etwa drei Mal an. Manchmal rufen mich auch die Anwohner, wenn sie sich sorgen machen“, sagt Winter. So fahre er pro Jahr etwa 2500 Kilometer quer durch den ganzen Landkreis. In 77 Fällen konnte er eine erfolgreiche Brut beobachten. 68 Paare waren zudem in der Lage, ihre Jungtiere auch bis zum Abflug in die wärmeren Regionen aufzuziehen. Dass dann gleich 199 Jungtiere hinaus in die weite Welt ausfliegen konnten, zeigt, dass es wenig „Einzelkinder“ gab.

Die Storchenmutter legt drei bis fünf Eier. Wie viele Jungtiere das Paar dann durchbringen kann, hängt von der Nahrung ab, die es in der näheren Umgebung gibt. Aber auch ein plötzlicher Kälteeinbruch kann den Jungtieren gefährlich werden. In den ersten Wochen und Monaten sind es Insekten und Amphibien, die in den weit aufgerissenen Schnäbeln landen. Später müssen dann Mäuse herhalten, um den Hunger der Tiere zu stillen. „Wir hatten ein super Mäusejahr, das war für die Störche sehr wichtig“, erklärt Winter.

„Wenn die Tiere hier genügend Futter finden, ist das ein sehr gutes Zeichen für den Lebensraum“, freut sich auch Silke Brünn. Sie leitet die untere Naturschutzbehörde des Landkreises und ist auch im Vorstand des Fördervereins zum Schutze des Weißstorches. Neben den vielen Jungtieren zeigt für Brünn noch eine zweite Zahl, wie gut die Lebensbedingungen für Störche derzeit offenbar sind. „Wir mussten nur vier Störche aus den Nestern herausnehmen“, sagt Brünn. Mit diesen Eingriffen in die Natur hält sich der Förderverein ohnehin zurück. Wenn aber die Jungtiere in einem großen Abstand zueinander geboren werden, können sie sich untereinander gefährlich werden. Dann kann Pflegemutter Petra Müller zum Einsatz kommen, die auch die Pflegestation für Störche am Sachsenhain leitet.

Kritische Lage in den 1980er-Jahren

Einen so guten Lebensraum wie heute fanden die Störche im Landkreis Verden nicht immer vor. „In den 1980er-Jahren war die expandierende Landwirtschaft ein Problem“, sagt Brünn. 1982 und 1984 gab es zum Beispiel nur 22 erfolgreich großgezogene Jungstörche (siehe Grafik). Dies rief die Politik auf den Plan, der Landkreis kaufte laut Brünn Grünflächen, in denen sich Biotope entwickeln konnten und die Störche wieder Nahrung fanden. 

Am Dienstagabend haben Winter und Brünn die frohe Botschaft auch den Mitgliedern des Fördervereins mitgeteilt, der sich seit 2006 für die Weißstörche einsetzt. Mit ihren Beiträgen sichern die rund 70 Vereinsmitglieder insbesondere die laufenden Kosten für den Betrieb der Pflegestation, die Pflege der Horste und das Ausstatten der Störche mit Ringen. Von den 199 Jungtieren haben 50 diese Markierung erhalten. Sollten sie in die Region zurückkehren, wird man sie wiedererkennen können.

In der Rückkehr der Störche sieht Winter auch eine Kehrseite der steigenden Population. „Es könnte zu Revierkämpfen kommen. Deshalb sage ich nicht einfach: 'Je mehr Störche, desto besser'“. Aus der Sicht von Brünn ist diese Sorge aber noch unbegründet: „In der Vergangenheit haben wir nur zwei Störche beobachtet, die in die Nähe ihres Geburtsortes zurückgekehrt sind.“ Eine neue Entwicklung hat aber den Streit um die Horstplätze verschärft. „Manche männlichen Störche kehren zu den Horstplätzen zurück, bevor sie geschlechtsreif sind“, erklärt Brünn.


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Leserkommentare
AnnFF am 23.10.2019 10:29
Diese Parkplatz-Diskussion wird nicht nur zu Freimarktzeiten geführt. Es ist nur während dieser Tage besonders dramatisch. Dramatisch, weil selbst ...
alterwaller am 23.10.2019 10:09
Wie ? Jetzt soll man zum parken sogar in die Innenstadt in die Parkhäuser ? Wie gut ist es doch das sich die autofreie Innenstadt noch nicht ...