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Geburtshilfe
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Ein interdisziplinärer Job

Marie Lührs 12.07.2018 0 Kommentare

Weiß, wie es geht mit dem Kinderkriegen: Hebamme Sabine Krauss-Lembcke ist seit fast 40 Jahren in Verden tätig und hofft auf selbstbewussten Nachwuchs.
Weiß, wie es geht mit dem Kinderkriegen: Hebamme Sabine Krauss-Lembcke ist seit fast 40 Jahren in Verden tätig und hofft auf selbstbewussten Nachwuchs. (Björn Hake)

Verden. Frauen, die eine Hebamme finden wollen, müssen geduldig und schnell sein. Denn die Geburtshelferinnen werden rar. Im Landkreis Verden sieht die Versorgung zwar noch relativ gut aus, räumt die Hebamme Sabine Krauss-Lembke ein, doch die Zahlen werden sinken. Hausgeburten sind kaum noch möglich, denn wegen der hohen Versicherungsprämien können sich viele Hebammen dieses Angebot nicht mehr leisten. In Sachen Kinderkriegen gibt es viele Baustellen. „Mit Geburtshilfe kann man kein Geld machen“, verdeutlicht Krauss-Lembke, die seit fast 40 Jahren in Verden als Hebamme tätig ist, das Dilemma. Gerade in den zunehmend privatisierten Krankenhäusern, die auf Profit ausgelegt sind, sei dies ein Problem. „Die Geburtshilfe ist sehr personalintensiv“, erklärt die Fachfrau und kritisiert: „Die Kommerzialisierung des Gesundheitswesens ist ein Unding.“

Krauss-Lembcke hilft nicht mehr bei der Entbindung. Ihr Fokus liegt nun auf der Vor- und Nachsorge. Im Laufe der Jahre haben sich die Anforderungen der Hebamme sehr verändert. Inzwischen sind die Frauen nicht nur Geburtshelferinnen, sondern auch Krankengymnastinnen, Sozialarbeiterinnen und psychologische Beraterinnen. Psychische Probleme seien bei jungen Eltern mittlerweile häufiger, ebenso Existenzsorgen oder Fragen zur Erziehung. In den kleiner werdenden Familien geht das „natürliche Wissen über die Gebärfähigkeit“, wie es Krauss-Lembcke bezeichnet, zunehmend verloren.

Als sie 1980 in Verden ihren Beruf aufnahm, war noch vieles anders. Schon vor ihrer Zeit wurden Geburten eingeleitet, liefen nach Zeitplan. Frauen mussten liegen, wurden mit Lachgas und anderen Schmerzmitteln betäubt. „Viele erlebten die Geburt als traumatisch“, sagt die Hebamme. In Verden änderte sich dies damals, das Achimer Krankenhaus übernahm im Laufe der Jahre sogar eine Vorreiterrolle auf dem Weg zur selbstbestimmten Niederkunft. Schmerzmittel gibt es heute auf Wunsch, der Ablauf orientiert sich optimalerweise an den Bedürfnissen der Schwangeren. Inzwischen haben die Mediziner dazu gelernt. Die Bindung zwischen Mutter und Kindern, für die eine natürliche Geburt wichtig ist, gewinnt an Bedeutung. Und auch die „Rechte der Kinder“ werden vermehrt berücksichtigt. Was jedoch vielerorts geblieben ist, sei das Verhältnis zwischen Ärzten und Hebammen. Denn hier herrsche nach wie vor eine stark hierarchische Ordnung vor. Unbegründet, wie Krauss-Lembcke findet, denn Hebammen müssen mit ihrer Expertise keineswegs hinter dem Berg halten. Zudem sei gesetzlich die Anwesenheit einer Hebamme obligatorisch – nur bei Risikogeburten und medizinischen Problemen müsse ein Arzt hinzugezogen werden. Dem Hebammennachwuchs wünscht sie daher auch viel Selbstbewusstsein. Denn nur so könne sich etwas ändern.

Die medizinischen Komplikationen, die es bei einer Geburt geben kann, sind der Grund, warum Hausgeburten inzwischen rar sind. Nicht etwa, weil es für Mutter und Kind gefährlich wäre, außerhalb einer Klinik zu gebären, sondern weil die Versicherungsprämien für Hebammen in die Höhe schießen. „Die Fälle sind nicht häufiger geworden“, betont Krauss-Lembcke, es sei viel mehr der steigende Schadensersatz. Denn die Summen, die Eltern bei einem Behandlungsfehler zugesprochen werden, sind enorm.

Hohe Versicherungsprämien – die jedoch nur für Hebammen anfallen, die Geburten oder gar Hausgeburten begleiten –, wenig Wertschätzung im Umgang mit Ärzten, viel Arbeit, wenig Lohn, all das sind Gründe, warum es wenig Hebammennachwuchs gibt. 60 Frauen schließen jährlich in Niedersachsen ihre Ausbildung ab, viele von ihnen bleiben jedoch nicht in ihrem Beruf oder wechseln den Standort. 160 werden benötigt. In Zukunft soll sich auch in der Lehre etwas ändern, Stichwort Akademisierung. Die Hebammen bekommen eine fundierte Ausbildung, einen Studienabschluss, mehr Wertschätzung und bestenfalls auch ein besseres Einkommen. Bis 2020 sollen die Studienplätze existieren, so will es die Vorgabe der Europäischen Union. „Deutschland hinkt hinterher“, moniert die Verdener Hebamme und doch ist sie optimistisch, wenn es um die Zukunft ihres Berufsstandes geht. „Ich bin mir ganz sicher, dass es eine neue Bewegung geben wird und langfristig viele junge Kolleginnen folgen werden.“ Geboren wird immer.


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Leserkommentare
heinmueckausbremerhaven am 21.10.2019 20:47
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Bremen99 am 21.10.2019 20:41
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