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Goldmann-Braut
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Gedenken an einen Jüngling

Jörn Dirk Zweibrock 10.05.2019 0 Kommentare

Spricht ein stilles Gebet am Goldmann-Grab: Die Verdener Braut Wiebke Moje legte am Freitag einen Blumenstrauß nieder.
Spricht ein stilles Gebet am Goldmann-Grab: Die Verdener Braut Wiebke Moje legte am Freitag einen Blumenstrauß nieder. (Sebi Behrens)

Das Goldmann-Grab auf dem Verdener Domfriedhof ist wieder frisch geschmückt. Die Verdenerin Wiebke Moje hat dort am Freitag einen farbenfrohen Blumenstrauß niedergelegt. Damit reiht sie sich in die jahrhundertelange Tradition der Verdener Goldmann-Bräute ein. „Es freut mich, dass wir auch zum 201. Todestag von Franz Goldmann eine Braut gefunden haben“, sagte Verdens Bürgermeister Lutz Brockmann (SPD) bei der Schmückung des Grabs. Mojes Zukünftiger, Michael Stutzki, begleitete die feierliche Zeremonie auf dem Gottesacker voller Stolz. Weder seine Braut noch er wussten im Vorfeld, was es mit diesem historischen Datum auf sich hat. „Erst die Standesbeamtin hat uns darüber aufgeklärt“, erzählte der Mann an der Seite der neuen Verdener Goldmann-Braut.

Der 20-jährige Franz Goldmann war am 11. Mai 1818 tödlich auf der Jagd verunglückt. Er starb an den Folgen eines Schusses in den linken Oberarm. Daraufhin wurde der Jüngling auf dem Domfriedhof  beigesetzt. Um das Andenken an seinen Sohn zu bewahren, traf Vater Goldmann mit dem damaligen Verdener Bürgermeister Carl-Christian Münchmeyer eine Verabredung. Die besagt, dass das Grab jährlich von einer unbescholtenen, tugendhaften Braut, die am Todestag seines Sohnes heiratet, mit Blumen geschmückt wird. Und zwar am Vortag ihrer Hochzeit, sprich am 10. Mai. Zum Ritual auf dem Verdener Domfriedhof gehört neben der Blumen-Niederlegung auch ein stilles Gebet. Gleichzeitig stiftete Vater Goldmann damals 1000 Taler. „Von den Zinsen sollte die jeweilige Braut 30 Taler, was heute umgerechnet 45 Euro entspricht, erhalten“, erläuterte Brockmann. Auch für den Fall, dass sich mehrere Bräute für die Grabschmückung finden, hatte der alte Goldmann Vorsorge getroffen. Hätte sich neben Wiebke Moje in diesem Jahr nämlich noch eine weitere heiratswillige Verdenerin gefunden, wäre die Auswahl laut Vermächtnis auf das Stadtoberhaupt gefallen. Wird hingegen gar keine Braut gefunden, fließen die besagten 45 Euro nach dem Willen des Stifters an das Straßenbauamt, was im Jahre 1818 übrigens noch auf den Namen Stadtpflasterkasse hörte. „Leider ist von den gestifteten 1000 Talern heute nichts mehr übrig geblieben“, rechnete der Bürgermeister bei der Zeremonie auf dem Gottesacker vor. „Bereits 1823 hat die Stadt Verden das Geld aus der Goldmann-Stiftung für die Bezahlung von Kriegsschulden ausgegeben.“

Im vergangenen Jahr jährte sich der Todestag von Franz Goldmann nach Adam Riese bereits zum 200. Mal. Die Jubiläums-Braut von 2018, Madona Cordes, ließ es sich am Freitag nicht nehmen und wünschte ihrer Nachfolgerin, Wiebke Moje, für das Einlaufen in den Hafen der Ehe das Beste. Übrigens: Damit die Unbescholtenheit der Braut zum Zeitpunkt der Grabschmückung gewahrt ist, werden ihr die 45 Euro erst neun Monate nach der Hochzeit – sofern bis dahin noch kein Nachwuchs das Licht der Welt erblickt hat – überreicht. Neben der zeitversetzten symbolischen Entlohnung hat Wiebke Moje aber bereits unmittelbar nach der Grabschmückung ein Hochzeitsgeschenk von der Stadt Verden erhalten.

Viele Menschen aus Verden und umzu wissen selbst 201 Jahre nach dem tödlichen Jagdunfall heute immer noch nicht, wo genau das Goldmann-Grab auf dem Domfriedhof liegt. Dabei ist es eigentlich ganz einfach: Direkt hinter dem Zugang von der Eitzer Straße, in Höhe der Gärtnerei, befindet sich die letzte Ruhestätte von Franz Goldmann. Auf der Rückseite seines Grabsteines steht folgende Inschrift: „Oh Jüngling, der Du dieses liest, lerne mit Feuergewehren vorsichtig umgehen, wenn Du Deinen Eltern Schmerz verhüten und die Laufbahn Deines Lebens nach der weisen Einrichtung des großen Weltschöpfers vollenden willst.“

Die Stadt Verden macht sich bereits jetzt auf die Suche nach einer Goldmann-Braut für das kommende Jahr. „Der 11. Mai 2020 fällt wegen des Schaltjahres auf einen eher unattraktiven Wochentag. Montage sind nun einmal nicht die beliebtesten Tage zum Heiraten“, weiß Angelika Revermann, verantwortliche Mitarbeiterin bei der Stadt Verden. Interessierte Bräute können sich schon jetzt mit ihr in Verbindung setzen.


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Leserkommentare
holger_sell am 20.10.2019 15:36
Kultur ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor und gerade auch in Bremen ein Magnet für den Tourismus.
Außerdem ist Kulturbewusstsein ein großer ...
holger_sell am 20.10.2019 15:30
Jede Politik hat ihre Klientel.
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