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Groovendes Glaubensbekenntnis

Susanne Ehrlich 05.07.2019 0 Kommentare

Große Kulisse: Bigband, Großer Chor und Domchor spielen Rossini, Charles Mingus und Ellington.
Große Kulisse: Bigband, Großer Chor und Domchor spielen Rossini, Charles Mingus und Ellington. (Björn Hake)

Das war ein Konzert, das alle Grenzen sprengte: Das Sacred Concert im Verdener Dom vereinte die klassische Messe mit  spirituellem Jazz und Soul. Im stimmgewaltigen Chor mischten sich alle Altersstufen von jungen Tee­nagern bis zu Rentnern, hymnischer Jubel wechselte mit sakralem Ernst und flehentliches Gebet mit wir­belnder Stepptanzakrobatik. Ein derar­tig groo­vendes, lebendiges Glaubensbekennt­nis kann nicht nur die Herzen, sondern offenbar auch die Welt bewegen.

Im Zentrum des Abends nämlich stan­den Duke Ellingtons „Sacred Con­certs“, die als klin­gende State­ments zur schwarzen Bür­gerrechtsbe­wegung der 1960er-Jahre ver­standen werden können. Diese aus tiefster Seele die Schöpfung und das Leben feiernde Musik war also gleich­sam der Soundtrack zum Traum Mar­tin Luther Kings.

Mit einem gewaltigen Aufgebot von Sängern und Musikern aus dem Dom­chor, dem Großen Chor und der Big­band des Domgymnasiums sowie pro­fessionellen Jazzmusikern und Ge­sangssolisten entstand in der Domvie­rung ein musikalisches Event, das mit Dietrich Steincke, Michael Spöring und Tillmann Benfer gleich drei Diri­genten in perfekter musikali­scher Ko­operation leiteten. Eigens für diesen Auftritt hatten die Schüler aus Bigband und Chor ihren Ferienbeginn um einen Tag verschoben.

Schon das feierliche Intro „The Lord is Listening“, von Philip Langshaw (Bass) und Enrico Busia (Tenor) von der Nord- und Westempore über die Zuhörer gegossen, war von elektrisie­render Intensität. Als die exzellente Solo-Posaune ihre dunkle Arie sang und die ebenfalls fantastische Band einstimmte, spürte man, dass etwas ganz Besonderes passieren würde.

Jazz von Mingus

Nur Blechbläser, Saxofone, ein Fagott und ein E-Piano waren das Orchester in einigen kurzen Sätzen von Rossinis „Pe­tite Messe Solenelle“, die zwischen den Jazznummern von Charles Mingus eingestreut waren. Beschwingt und „be-soult“ konnte der Chor diese Klangkulisse für sich nutzen: Strah­lend hell, inspiriert und lebendig sorgte das Kyrie für den ersten chori­schen Wow-Effekt.

Rossini und Mingus waren verflochten zu einer wie durchkomponiert wirken­den Einheit, in der Chor und Jazz­combo sich abwechselten oder mitein­ander swingten, und zu den Profis der Combo gesellten sich die Spitzenmu­siker der DoG-Bigband, die den Ver­gleich mit den Profis kaum zu scheuen brauchten und ein begeisterndes Solo nach dem anderen ablieferten.

Hell leuchtete das Gloria der Messe. Die brillanten Höhen, die klaren, kraftvollen Männerstimmen und die spürbare Freude des Chores spiegelten sich in der Strahlkraft der bewun­dernswert rein kantilierenden Instru­mente. Mingus' „Letter to Duke“ war ein inniger Dialog zwischen verschie­denen Jazz-Solisten – beredt, ernsthaft und freudig zugleich. Den Abschluss des ersten Teils bildeten zwei Ge­sangsensembles der Messe, zuerst das kurze Quartett  „Et in Terra Pax“, in dem sich zu Langshaw und Busia die Verdener Altistin Christiane Artisi und Victoria Stürmer (Sopran) gesellten, und dann das hinreißend schön gesun­gene Terzett „Gratias Agimus Tibi“ mit Bass, Tenor und Alt. Die Intensi­tät der Empfindung und die beseeli­gende Verschmelzung der Stimmen, die der italienischen Oper eignet, lie­ßen diesen Satz zum „klassischen Hö­hepunkt“ des Konzerts werden, dem nach der Pause noch viele jaz­zige Höhepunkte folgten.

Aus Duke Ellingtons „Sacred Con­certs“ hatte Stefan Rahnfeld,  Initiator und Koordinator der Aufführung, ei­nige Teile kombiniert und so zusam­mengefügt, dass sie wie ein durch­komponiertes Werk wirkten, wobei die solistischen Aufgaben, welche die Bigband mit Bravour bestritt, sehr viel Improvisation ver­langten. Philip Lang­s­haw erwies sich nun auch als versier­ter Soul-Sänger, der den mit liebevol­lem Humor ge­spickten Song­text von „In the Begin­ning God“ mit­reißend performte. Der Chor ließ sich anste­cken von der Kraft der spirituel­len Musik und entwickelte begeis­ternde Klangpower und fein ausge­feilte Sprech-Disziplin in den an­spruchs­vol­len Parlando-Passagen. Ei­nen brillan­ten Auftritt lieferte die Jazz-Sängerin Romy Ca­merun, die in den Songs „Come Sun­day“ und „The Lord's Prayer“ das un­wi­derstehliche Charisma des afro-ame­rikanischen Spirituals transpor­tierte und das Publi­kum so sehr be­geisterte, dass der Applaus nicht mehr warten konnte. Mit seiner geistreichen Inter­pretation des Songs „Ain't But the One“ riss Enrico Busia den stilsicher groovenden Chor ebenso mit wie das Publikum. Ein letztes Mal ent­falteten die Sänger über­ragende Klang­power, und es war un­übersehbar, dass Beten und Spaß ha­ben im afro­amerikanischen Spiritua­lismus zwei Seiten derselben Medaille sind.

Das Finale war ein bombastisches Feuerwerk der Stepp-Percussion auf einer improvisierten winzigen Bühne im Mittelschiff. Mit Anmut, unvergleichlicher Körperbeherr­schung und virtuosen rhythmi­scher Konsequenz machte Tap-Künstler Nikolai Kemeny das Publi­kum atemlos vor Staunen. Der Chor lieferte den Background zu Romy Ca­meruns hin­reißendem Scat, und die Bigband lief ein letztes Mal zur Hoch­form auf.  


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Leserkommentare
K_ter_Lysator am 22.10.2019 09:14
Das die Verkehrssituation in Findorff (und auch andere Stadtteile) den Status "sub-optimal" nicht erreicht ist kein vom Freimarkt abhängiges Problem. ...
Wesersteel am 22.10.2019 09:04
Deutschland soll Soldaten/innen laut AKK nach Syrien schicken UND hier sitzen die jungen Syrer im trocknen - was verkehrte Welt !

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