Wetter: wolkig, 7 bis 15 °C
Friedhofsgebühren im Landkreis Verden
Der Artikel wurde zur Merkliste hinzugefügt.
Die Merkliste finden Sie oben links auf der Seite.

Große Gräber sind ein Auslaufmodell

Ivonne Wüsthof 28.02.2019 0 Kommentare

Ein Wandel in der Bestattungskultur erfordert auch im Landkreis Verden die Entwicklung neuer Friedhofskonzepte.
Ein Wandel in der Bestattungskultur erfordert auch im Landkreis Verden die Entwicklung neuer Friedhofskonzepte. (Björn Hake)

Der Tod ist teuer und wird es in Zukunft bleiben. Auch wenn sich ein Wandel im Landkreis Verden immer stärker abzeichnet: Die Urne nimmt in der Bestattungskultur immer mehr Platz ein, auf den Friedhöfen jedoch deutlich weniger als ein Sarg. Das hat (finanzielle) Folgen für die Kommunen und die von ihr betriebenen Friedhöfe, neue Kalkulationen und Nutzungskonzepte werden notwendig. Urnengräber sind für die Hinterbliebenen pflegeleichter oder gar pflegefrei, große Grabstätten werden zunehmend unbeliebter.

Erst im Dezember 2018 hatte daher der Stadtrat Verden die Anpassung der Friedhofsgebühren zum 1. Januar 2019 beschlossen. „Bei der letzten Kalkulation stellte sich heraus, dass die Erwerbsgebühren für Wahlgrabstätten gesenkt werden konnten“, sagt Heike Bartels vom Fachbereich Straßen und Stadtgrün. „Hingegen mussten die Gebühren für Urnengräber, die durch die Stadt gepflegt werden, sowie die Kosten für den Gruftaushub angehoben werden.“ Im gleichen Zuge wurde die jährliche Friedhofsgebühr von 12,70 Euro pro Grabstelle auf 14,80 Euro angehoben.

Grund hierfür war laut Bartels die verringerte Anzahl der vergebenen Grabstellen beziehungsweise der Grabgrößen, da für Urnen eine kleine Fläche beansprucht wird und somit insgesamt die Pflegekosten für freie Flächen immer höher werden.

Im Flecken Langwedel wurde erst Mitte des vergangenen Jahres über eine Gebührenerhöhung debattiert. Bauamtsleiter Bernhard Goldmann argumentierte damals: „Es geht darum, die Struktur des Friedhofes zu verändern.“ Bis zum Jahreswechsel wurde keine Gebührenanpassung vorgenommen, dennoch ist der Flecken dabei, die Friedhofs- und Gebührensatzung zu ändern, erklärte Goldmann: „Gerade in den ländlichen Bereichen wurden in der Vergangenheit relativ große Familiengrabstätten erworben. Diese Grabanlagen sind nicht mehr zeitgemäß und letztendlich von den Nutzungsberechtigten auch nicht mehr gewollt. Dieses haben wir unter anderem in der Satzung geändert.“ Die Auswirkungen auf die Gebühren vermag er allerdings noch nicht zu beurteilen, da die Gebühren neu ermittelt werden müssen.

Erweiterung des Friedhofsgeländes

Die aktuellen Änderungen in der Friedhofskultur fordern demnach auch neue Konzepte, wie das Beispiel in Oyten zeigt. Für dieses Jahr plant die Gemeinde eine Erweiterung ihres kommunalen Friedhofes. „Wir versuchen, zeitgemäße Angebote zu schaffen, die von der Bevölkerung nachgefragt werden“, erklärt Axel Junge von der Oytener Gemeindeverwaltung.

Knapp 120 000 Euro sind für diesen Posten im aktuellen Haushaltsplan eingeplant worden. Auch auf dem Oytener Friedhof steigt die Zahl der Urnenbestattungen. Daher ist eine Erweiterung der Friedhofsanlage notwendig. Hinter der Kapelle sollen in naher Zukunft vier neue Gemeinschaftsgrabanlagen angelegt werden. Dort können sowohl Urnen als auch Särge bestattet werden.

Für den "Park der Ruhe", die neu geplante Partnergrabanlage, seien allerdings keine Erweiterungen des Friedhofes geplant. Stattdessen soll sie im inneren Bereich des Begräbnisplatzes, wo alte Gräber bereits aufgelöst sind, angelegt werden. "Die Gemeinschaftsgrabanlagen sind 100 Prozent kostendeckend", erklärt Junge. Durch den Verkauf von Grabstellen in den kommenden Jahren sollen die geplanten Investitionskosten wieder eingenommen werden." Laut Junge seien somit derzeit keine Änderungen der Gebühren notwendig.

Auch die Samtgemeinde Thedinghausen musste für ihren Friedhof in Emtinghausen ein zusätzliches Grabfeld für Urnen-Doppelgräber errichten. „Der Wandel in der Bestattungskultur ist auch bei uns zu verzeichnen“, sagte Gerlinde Hebbeler aus der Gemeindeverwaltung. Immer mehr Einwohner ziehen es in Erwägung, ihre Familiengräber aufzugeben und sich nach dem Tod auf einem Urnengrabfeld beisetzen zu lassen.

Der Trend zur Urnenbeisetzung sei allerdings nicht unproblematisch, erläuterte Gerlinde  Hebbeler: „Die immer mehr werdenden Freiflächen fallen in die Pflege und Unterhaltungspflicht der gemeindlichen Bauhöfe, dadurch steigen die Unterhaltungskosten sowie der Personalbedarf.“ Derzeit steht die Neukalkulation der Friedhofsgebühren in der Samtgemeinde zwar nicht zur Debatte, mittelfristig wird sie allerdings ein Thema in den politischen Gremien werden.

In Achim war sie bereits ein Politikum. Die Prognose von 2017, dass die Friedhofsgebühren im Folgejahr steigen, hat sich nicht bewahrheitet. Mit der zum 1. August 2018 erlassenen Gebührensatzung konnten die Kosten für Sargbestattungen gesenkt werden. Für den Erwerb der Nutzungsrechte für eine Grabstätte mit zwei Erdbeisetzungen bei einer Dauer von 25 Jahren fielen die Gebühren von 730 Euro auf 550 Euro.

Eine Gebührenerhöhung gab es indes für die unterschiedlichen Urnenbeisetzungen. Eine Urnenbestattung im Wahlgrab mit 20 Jahren Dauer kostet seitdem 560 Euro, vorher waren es 500 Euro. Die Tendenz verschiebe sich in Achim immer mehr zur anonymen Urnenbestattungen, sagte Heiko Haase vom Grundstücks- und Gebäudeservice der Stadt. Da diese von der Stadt gepflegt werden, schlägt sich dieser Aufwand auf die Kostensteigerung nieder.

Dennoch werden auch in Achim neue Begräbniskonzepte gewünscht. Im Oktober 2018 hatte die CDU einen Antrag im Stadtrat gestellt, der die Errichtung eines Friedwalds auf dem Bierdener Friedhof thematisiert. Der Ausschuss für Bauunterhaltung berät allerdings jedoch erst im Mai darüber.

Abweichender Trend in Kirchlinteln

Der Trend zur vermehrten Urnenbeisetzung lässt sich in der Gemeinde Kirchlinteln nicht beobachten. „Derzeit halten sich Sarg- und Urnenbestattungen auf den gemeindeeigenen Friedhöfen die Waage, mit leichter Tendenz zur Sargbestattung“, sagte Kirchlintelns Bürgermeister Wolfgang Rodewald. 2018 wurden auf den zwölf Gemeindefriedhöfen 36 Särge und 28 Urnen beigesetzt. Zwar trat in der Gemeinde zum 1. Juli 2018 eine neue Friedhofgebührensatzung in Kraft.

Diese Anpassung erfolgte jedoch aufgrund von Änderungen in der Friedhofssatzung, die nun den Erwerb eines Vorsorgeplatzes ermöglicht. Rodewald betont: „Es gab keine Gebührenerhöhung aufgrund von Kalkulation.“ Zukünftig sei eine Kombination aus Sarg- und Urnengemeinschaftsanlagen angestrebt. Notwendigkeiten für eine Verkleinerung von Friedhofsflächen sieht die Gemeinde nicht.

Weitere Informationen

Siehe auch Hauptausgabe Seite 1 und Kommentar Seite 2


Mein Verden
Ihr Portal für Verden

Herzlich willkommen in Ihrem Portal für die Stadt und den Landkreis Verden. In diesem Portal informieren wir Sie über wichtige Nachrichten und Veranstaltungen aus Ihrer Region.

Ihr Wetter in Bremen
Temperatur: 15 °C / 7 °C
Vormittag:
/__wetterkontor/images/wr/50/wolkig.png
Nachmittag:
/__wetterkontor/images/wr/50/bedeckt.png
  Regenwahrscheinlichkeit: 40 %
Die Sportmeldungen aus der Region
Veranstaltungen in Verden
Sonderthemen aus der Region
Sonderthemen aus der Region
Sporttabellen & Ergebnisse
Sporttabellen & Ergebnisse

Welcher Verein wann in Bremen oder der Region spielt und wie die Begegnung ausgegangen ist, erfahren Sie in unserem Tabellenbereich. Auch die Ergebnisse der Spiele der höheren Ligen finden Sie dort.

Traueranzeigen
WESER-KURIER Kundenservice
Leserkommentare
Bevenser am 22.10.2019 17:47
Man muss sich nicht künstlich blöd stellen. Wie es geht sieht man z.B. in Österreich - und nicht nur da.
peteris am 22.10.2019 17:39
Werden diese Menschen "losgelassen", dann gibt es erst wieder einen Stop in Deutschland.

Bereiten" wir " uns schon einmal darauf vor. ...