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In Lunas Kosmos

Jörn Dirk Zweibrock 11.06.2019 0 Kommentare

Streicheleinheiten müssen sein: In Frank und Christina Faß haben Luna und Cosmo liebevolle Pflegeeltern gefunden.
Streicheleinheiten müssen sein: In Frank und Christina Faß haben Luna und Cosmo liebevolle Pflegeeltern gefunden. (Jonas Kako)

Luna, die Göttin des Mondes, und Cosmo, der Schöne, sind derzeit die absoluten Publikumslieblinge im Dörverdener Wolfcenter. Die beiden fast acht Wochen alten Welpen werden dort von Hand, sprich mit der Flasche, aufgezogen. Kein Wunder also, dass die verspielten Fellknäuel augenblicklich die beliebtesten Fotomotive weit und breit sind. Der elfjährige Steffen aus Gütersloh drückt deshalb pausenlos auf den Auslöser seiner Handykamera und schießt ein Bild nach dem anderen von den tierischen Stars.

„Luna und Cosmo gehören einer kanadischen Unterart des Grauwolfs an“, erklärt Frank Faß, Betreiber des Wolfcenter. Weil sich ihre Mutter nicht zuverlässig um den Nachwuchs gekümmert hat, haben Christina und Frank Faß die niedlichen Geschwister eben in ihre Obhut genommen. „Die Mutter der beiden lebt mit ihrer Schwester, also der Tante von Luna und Cosmo, in einem Gehege und hat sich so verhalten, als ob die beiden ihre leiblichen Kinder wären. Natürlich konnte sie ihnen keine Milch geben. Das hat dann zu Konflikten mit der Mutter geführt“, erklärt Faß. Weil die beiden Fähen – so heißen die weiblichen Tiere in der Fachsprache – nicht voneinander getrennt werden konnten, mussten die beiden Welpen schließlich von Südniedersachsen ins Wolfcenter nach Dörverden umziehen.

Fotostrecke: In Dörverden werden zwei Wolfswelpen von Hand aufgezogen

In Christina und Frank Faß haben sie dort liebevolle Pflegeeltern gefunden. „Ich schlafe sogar nachts bei ihnen im Blockhaus“, erzählt Faß und wischt mit dem Tuch das kleine Malheur vom Holzboden. Selbst der Kot wird akribisch untersucht, alles feinsäuberlich im Welpen-Tagebuch dokumentiert. Sieben Tage die Woche werden Luna und Cosmo in der Welpenstube betreut, 24 Stunden lang. Schließlich solle die gemeinsam erlebte Sozialisation gut ausgestaltet werden, betont „Welpenvater“ Frank Faß. „Wir füttern momentan noch vier bis fünf Mal pro Tag“, rechnet er vor. Er sei gerade dabei, langsam von Milch auf feste Nahrung umzustellen. Übergangsweise stehe deshalb sogenanntes Nassfutter bei den Wolfskindern auf dem Speiseplan. Später werde ihnen dann natürlich auch Rindfleisch serviert. „Sie saufen mittlerweile auch schon Wasser“, weiß Christina Faß und zeigt mit dem Finger auf das grüne Napf in der Mitte der Welpenstube. Darin planscht der Wolfsnachwuchs natürlich auch nach Herzenslust. „Die Fellpflege übernehmen sie ja komplett selbst“, freut sich Frank Faß und streichelt ihnen das samtig-weiche Fell. Momentan ist es – wie bei Welpen so üblich – noch ein wenig flusig, erneuert sich jedoch mit der Zeit und bekommt dann später auch eine wesentlich hellere Farbe.

Während sich Fähe Luna, in der römischen Mythologie auch als Mondgöttin bekannt, seelenruhig von Christina Faß herzen lässt, die Knuddel-Einheiten sichtlich genießt, versteckt sich Rüde Cosmo nahezu ängstlich unter dem Stuhl. Ist er etwa der Scheue von beiden Welpen? „Das kann man so nicht sagen. Die Persönlichkeit hat sich in diesem Alter noch nicht herausgebildet, aber Wölfe haben nun einmal genauso einen individuellen Charakter wie Menschen und Hunde auch“, erläutert der Inhaber des Wolfcenter. Christina Faß ergänzt schmunzelnd: „Was wir auf jeden Fall schon sagen können, ist, dass beide sehr neugierig sind.“ Tag für Tag überraschen die Schützlinge mit neuen Verhaltensweisen. Imitieren die menschlichen Pflegeeltern beispielsweise das Heulen der Wölfe, stimmt der kleine Cosmo schon ganz zaghaft mit ein. Seine Schwester Luna kann damit allerdings noch nicht so viel anfangen. Statt untätig rumzustehen, wenn die anderen in der Gruppe heulen, lebt sie in solchen Augenblicken viel lieber ihren Spieltrieb aus. Renn- und Kampfspiele mit ihrem Bruder stehen momentan ganz hoch bei ihr im Kurs. Aber auch allein kann sich Luna inzwischen schon ganz gut beschäftigen. Die Stöckchen auf dem Boden verführen sie geradezu zu sogenannten Solitärspielen. In ihrem neuen Zuhause in Dörverden entwickeln sich Luna und Cosmo jedenfalls prächtig. Von Woche zu Woche bringen sie mehr Gewicht auf die Waage.

Mittlerweile fünf Jahre ist die letzte Handaufzucht im Wolfcenter inzwischen her. Dala und Kimo, die beiden Hudson-Bay-Wölfe, sind inzwischen zu stattlichen Geschöpfen herangewachsen. Und auch die beiden Jährlinge Finja und Milan, die als Welpen nicht mit der Flasche aufgezogen wurden, erfreuen sich heute bester Gesundheit. „13 Wölfe leben inzwischen bei uns“, erzählt Christina Faß stolz, während die Besucherfamilie aus Gütersloh bei den „großen“ Wölfen durch die Fotoklappen schaut und weitere Momentaufnahmen macht.

Nach der Wurmkur steht dann bald die erste Impfung für die Welpen an. „Das ist so wie beim Hund. Sie werden gleich gegen ein halbes Dutzend Krankheiten, unter anderem auch Tollwut geimpft“, erläutert Frank Faß. Christine Noga, die Nachfolgerin von „Mutze“ Faensen aus Etelsen, ist die Haus- und Hoftierärztin im Dörverdener Wolfcenter. Hand aufs Herz, woher kommt der Kratzer am Kinn? Etwa von der Nassrasur? „Das war eine Kralle“, gesteht Frank Faß, nimmt es aber mehr als sportlich. Ein echter „Welpenvater“ kennt schließlich keinen Schmerz. Die Mutter von Luna und Cosmo hat vor fast acht Wochen übrigens noch einen weiteren kleinen Isegrim – so heißt der Wolf in der Fabel – zur Welt gebracht. „Der Dritte im Bunde, der schwächste Welpe, wird jetzt von seinen Besitzern aufgezogen“, erzählt Frank Faß, der durch Luna und Cosmo auf einen Wurf zwei weitere Kinder bekommen hat. Namensgeberin für Luna und Cosmo war niemand Geringeres als Marieke (13), das Menschenkind von Christina und Frank Faß.

Wer auch einmal mit den Wölfen heulen will, kann dies an jedem ersten Sonnabend im Monat von 20 bis 23 Uhr bei den „Abenden unter Wölfen“ tun. Neben einer Führung und einer weiteren Schaufütterung steht dann auch ein gemeinsames Grillen auf dem Programm. Allerdings ist dafür eine Voranmeldung unter www.wolfcenter.de erforderlich.


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Leserkommentare
heinmueckausbremerhaven am 21.10.2019 20:47
Es gibt nur eine Chance wieviel Artikel beschrieben. Und jetzt schwindet mit dem Artikel von Stefan Rahmstorf das Argument, dass die BRD nur für ...
Bremen99 am 21.10.2019 20:41
Das Parken in Wild-West-Manier rund um den Freimarkt hat Tradition. Vor über 40 Jahren konnte man auch schon regelmäßig beobachten wie dreiste ...